Donnerstag, 25. März 2021

Suezkanal-Blockade könnte noch Wochen andauern

Die Blockade des Suezkanals wegen des festliegenden Containerschiffs „Ever Given“ könnte Tage oder gar Wochen andauern. Der Eigentümer, die japanische Leasingfirma Shoei Kisen Kaisha, teilte am Donnerstag mit, es sei „extrem schwierig“, das 400 Meter lange und 59 Meter breite Schiff wieder flott zu bekommen. Die Kanalbehörde erklärte offiziell, die Durchfahrt sei „temporär ausgesetzt“.

Die "Ever Given" blockiert den Kanal.
Die "Ever Given" blockiert den Kanal. - Foto: © APA/AFP PHOTO /HO/Suez Canal / -
An beiden Seiten des Kanals stauten sich Schiffe; weil die wichtige Handelsroute nicht benutzt werden kann und die alternative Route um das Kap der Guten Hoffnung in Südafrika sehr viel länger ist, stieg bereits der Ölpreis.

Shoei Kisen Kaisha teilte mit, zusammen mit der Firma Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM) „versuchen wir, das Schiff wieder flott zu bekommen, aber wir stehen vor extremen Schwierigkeiten“. Die japanische Firma entschuldigte sich für den „großen Ärger“, den der Unfall verursacht hat.

Die Kanalverwaltung (Suez Canal Authority, SCA) entsandte mehrere Schlepper zur „Ever Given“, die mit ihrer Ladung auf dem Weg nach Rotterdam war, als sie im Suezkanal festlief und den Kanal in Diagonalstellung vollständig abriegelte. Ein neuer Bagger zur Unterstützung der Arbeiten sei unterwegs, erfuhr AFP am Donnerstag.

„Es könnte noch Wochen dauern“

Auch ein Team der niederländischen Spezialfirma Smit Salvage machte sich auf den Weg, wie der Chef der Mutterfirma Boskalis sagte. „Das ist, könnte man sagen, ein gestrandeter Wal“, beschrieb Peter Berdowski im niederländischen Sender Nieuwsuur die Lage. Die „Ever Given“ wieder flott zu bekommen, könne „Tage oder Wochen dauern“.

Sollte es nicht gelingen, den Containerriesen mit Hilfe von Schleppern wieder flottzumachen, müsse ein Teil der Ladung mit Hilfe von Kränen vom Schiff geholt werden, erklärte die Firma Braemar, spezialisiert auf Dienstleistungen für die Schifffahrt. Auch Braemar erklärte, dies könne Tage, vielleicht Wochen dauern.

Die 25 Besatzungsmitglieder der „Ever Given“ seien in Sicherheit, erklärte die Firma BSM in Singapur, die für das technische Management des Container-Schiffs verantwortlich ist. Es gebe keine Umweltverschmutzung und keinen Schaden an der Fracht. Das Schiff ist 400 Meter lang, 59 Meter breit und 60 Meter hoch.

Sorge um Unterbrechung der Lieferketten durch Blockade

In der deutschen Wirtschaft wächst die indessen Sorge vor einer Unterbrechung der Lieferketten durch die Blockade. „Die Störung kommt zu einem schlechten Zeitpunkt“, erklärte der Verband der Chemischen Industrie (VCI) am Donnerstag auf Nachfrage. „Die Kapazitätsauslastung in der Chemie ist hoch. Entsprechend stark ist der Bedarf an Lieferungen aus Asien.“ Zudem stünden die Lieferketten durch die Coronapandemie ohnehin unter Druck.

Auch die Maschinen- und Anlagenbauer blicken mit Sorge auf die Havarie im Kanal. „Die asiatischen Märkte sind aktuell die Wachstumstreiber für den Maschinen- und Anlagenbau“, sagte der Chefvolkswirt des Branchenverbands VDMA, Ralph Wiechers. „Mit Blick auf die Exporte bedeutet der Stau im Suezkanal möglicherweise Verzögerungen in der Belieferung asiatischer Kunden mit Maschinen, Maschinenteilen und -Komponenten.“

Nach den Worten von Lieferketten-Experte Joachim Schaut vom Logistikdienstleister DB Schenker sind alle Branchen von der Blockade betroffen. „Über den Daumen gepeilt gilt: Jeder Tag, an dem das Schiff den Suezkanal blockiert, zieht einen Tag nach sich, dass der Stau noch aufgelöst werden muss“, sagte er auf der Online-Branchenkonferenz „Digital Logistics Days 2021“. Wenn die Schiffe den Suez wieder passieren könnten, dürfte es dann an den Häfen zu Staus kommen.

Blockade könnte zu Problem für Hamburger Hafen werden

Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) ist beunruhigt. „Zentrale Lieferketten geraten aufgrund mangelnder Container, unpünktlicher Schiffe und fehlender Transportkapazität ins Stocken, während die Kosten steigen“, sagte Hauptgeschäftsführer Holger Lösch. „Dies wirkt sich in der Industrie bereits negativ auf die Produktionsabläufe aus.“

Am Hamburger Hafen hat die Blockade aktuell keine gravierenden Auswirkungen, könnte aber zu einem Problem für Europas drittgrößte Anlaufstelle für Seeschiffe werden. „Der Suezkanal ist nun mal die Hauptverbindungsroute zwischen Fernost und Europa“, sagte die Vorstandsvorsitzende des Hamburger Hafenkonzerns HHLA, Angela Titzrath, am Donnerstag.

apa/afp/reuters/dpa