Eine Super-App ist im Wesentlichen eine von einem Konzern entwickelte zentrale App, in der eine Vielzahl von Diensten oder einzelne Mini-Apps gebündelt sind, um alle Kundenbedürfnisse zu befriedigen. Im Gegensatz zu Europa, wo Smartphone-Nutzer durchschnittlich etwa 40 Apps installiert haben, sind Super-Apps in Asien weit verbreitet.<BR /><BR />Im Jahr 2022 gibt es über 6,5 Milliarden Smartphone-User weltweit. Diese haben Zugang zu Millionen unterschiedlicher Smartphone-Apps, die aufs Handy geladen werden können. Apps sind unsere täglichen Helfer und erlauben es uns, zum Beispiel miteinander zu chatten, Videos zu teilen, News zu lesen, Filme anzusehen, Aktien zu kaufen, Zahlungen vorzunehmen oder Fotos zu bearbeiten. So weit, so bekannt. Anstatt viele unterschiedliche Apps zu installieren, können Nutzer in Asien aber auch zu Super-Apps greifen, die all diese Funktionen in einer einzigen App kombinieren.<BR /><BR />Allein WeChat hat über eine Milliarde regelmäßige Nutzer, die meisten davon in China. Tatsächlich ist die App aus dem Leben der Chinesen nicht mehr wegzudenken. Ursprünglich als Chat-Anwendung geboren, wurden immer weitere Funktionen hinzugefügt, zum Beispiel Essen bestellen, Hotels buchen, die Steuererklärung einreichen, ein Unternehmen gründen und, am allerwichtigsten, online und offline bezahlen. <BR /><BR />WeChat bietet nämlich genauso wie alle anderen Super-Apps eine digitale Brieftasche (Wallet) an. Diese Wallet ist das „Trojanische Pferd“, mit dessen Hilfe Super-Apps die diversen Dienstleistungen monetarisieren können, die über ihre Plattform laufen. <h3> Immer mehr Unternehmen wollen dabei sein</h3>Aus Sicht der Kunden ist die Funktion äußerst praktisch, da sie sich nicht bei vielen einzelnen Apps registrieren müssen. Stattdessen wird WeChat geöffnet und es ist sofort möglich, bei allen Anbietern einzukaufen und zu bezahlen.<BR /><BR />Hat eine App einmal eine solche Marktposition erreicht, hat das diverse Vor- und Nachteile für Unternehmen. Ein Vorteil liegt darin, dass hunderte Millionen Nutzer und damit potentielle Kunden auf einer einzigen Plattform zu finden sind. Damit müssen Firmen nicht viele unterschiedliche Anwendungen programmieren und pflegen, sondern können sich auf eine einzige konzentrieren. Gleichzeitig können die Benutzer sofort die Produkte des Unternehmens kaufen, ohne einen Registrierungs-Prozess zu durchlaufen. <BR /><BR />Auf der anderen Seite besteht natürlich auch ein enormer Druck, in der Super-App verfügbar zu sein. Kaum ein Unternehmen entscheidet sich dagegen, was die Marktposition von Super-Apps weiter stärkt. Eine Erfolgsspirale, die immer mehr Unternehmen und immer mehr Nutzer anzieht.<h3> Facebook und Uber wollen auf den Zug aufspringen</h3>Es ist also kein Wunder, dass verschiedene westliche Unternehmen danach streben, sich in Richtung einer Super-App weiterzuentwickeln. Dazu gehören etwa Facebook, das ständig neue Funktionen in seine Anwendung integriert. Auch Uber versucht es, den Asiaten gleich zu tun und hat neben seinem Fahrdienst schon Essenslieferungen und einen Einkaufsservice integriert, in Zukunft sollen Zug- und Flugtickets sowie Hotelübernachtungen folgen.<BR /><BR /> Im Oktober 2022 hat auch Elon Musk getweetet, dass der Kauf von Twitter seinen Plan beschleunigt, die „Everything App“ (die Alles-App) mit Namen X zu kreieren. Es scheint, als wäre die Zeit für eine Super-App in den USA und Europa gekommen. Ein Indikator dafür ist auch, dass Apple, Google und Amazon – ebenfalls realistische Kandidaten für Super-Apps – seit etwa einem Jahr vermehrt Mitarbeiter asiatischer Super-Apps abwerben. Die Frage ist: Wer wird sich durchsetzen?<BR /><BR />Aktuelle Umfragen zeigen allerdings, dass Europäer Super-Apps eher kritisch wahrnehmen. Zwar wird der Faktor Zeitersparnis als Vorteil gesehen, jedoch überwiegen Bedenken in Bezug auf Datensicherheit und eine zu starke Machtkonzentration eines einzelnen Unternehmens. Auch Experten führen an, dass Super-Apps Risiken mit sich bringen. Angenommen, es besteht ein technisches Problem, kann dies dazu führen, dass man vom gesamten Internet abgeschnitten wird und den Zugang zu allen wichtigen Anwendungen verliert. <BR /><BR />Sollte sich eine westliche App aber zur Super-App weiterentwickeln, bleibt europäischen Kunden und Firmen am Ende aber vielleicht keine andere Wahl, als sie auch zu nutzen.<BR /><BR /><i>* Thomas Aichner ist wissenschaftlicher Leiter der Südtirol Business School.</i><BR />