<b>Frau Holzer, wie haben die Frauen im Handwerk die vergangenen beiden Jahre erlebt?</b><BR /><BR />Petra Holzer: Leider hat uns die Pandemie wieder in alte Muster zurückgeworfen, was die Rollenverteilung betrifft. Die Frauen mussten von einem Tag auf den anderen wieder alles „unter einen Hut“ bringen. Nichts war mehr planbar, da sich die Situation jeden Tag ändern konnte. Gerade am Anfang der Pandemie herrschte viel Angst und Unsicherheit. <BR /><BR /><b>Was waren die größten Herausforderungen?</b><BR /><BR />Holzer: Die größte Herausforderung war die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Zum Beispiel war die Betreuung der Kinder im Falle von Schulschließungen sehr schwierig. Meistens waren die Familien auf sich selbst gestellt. Hinzu kamen, gerade auch für Kinder und Jugendliche, die fehlenden sozialen Kontakte und die Einschränkungen des familiären und sozialen Lebens.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="743894_image" /></div> <BR /><BR /><b>Welche positiven Aspekte können Unternehmerinnen aus der Corona-Krise mitnehmen?</b><BR /><BR />Holzner: Gerade zu Beginn der Pandemie hatte frau die Möglichkeit, sich wieder Dingen zu widmen, die typischerweise liegen bleiben. Es war eine gute Gelegenheit über flexiblere Arbeitsmodelle nachzudenken und so noch mehr Flexibilität zu bieten. Auch die Freizeit wurde anders genutzt. Ich finde, dass die Rolle der Frau, sprich Partnerin, Mutter und Unternehmerin jetzt mehr geschätzt wird. <BR /><BR /><b>Frau Reichhalter, Sie sind Mitglied des Landesausschusses der Junghandwerker im lvh, was können junge Unternehmerinnen aus der Krise lernen?</b><BR /><BR />Priska Reichhalter: In erster Linie, dass nichts auf der Welt selbstverständlich und auch nichts beständig ist. Gleichzeitig durften wir aber auch sehen, dass in jeder Krise eine Chance steckt. Viele haben in der Zeit neue Ideen, Geschäftszweige und Verbesserungen erlebt, denken wir allein an die Digitalisierung. Somit hält sich die altbekannte Weisheit: es gibt selten einen Vorteil ohne einen Nachteil und eben auch umgekehrt – wie im Fall der Coronakrise.<BR /><BR /><b>Wie kann man Frauen noch stärker motivieren, Führungspositionen anzustreben?</b><BR /><BR />Reichhalter: Als erstes denke ich dabei an die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Vielleicht sollten Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie beides machbar ist. Und wenn es zu wenig solche Möglichkeiten gibt, müssen sie geschaffen werden wie etwa familiengerechte Sitzungszeiten. <BR />Außerdem braucht es die Vernetzung der Frauen untereinander, um sich gegenseitig zu motivieren, auszutauschen und unterstützen zu können. Generell sollten Frauen in Führungspositionen mehr Sichtbarkeit erreichen und die Stärken von Frauen als Leader hervorgehoben werden.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="743897_image" /></div> <BR /><BR /><b>Welche Rahmenbedingungen sollten für berufstätige Frauen in Südtirol verbessert werden?</b><BR /><BR />Reichhalter: Vor allem sollte die Kombination von Familie und Beruf erleichtert werden. Ich denke hier konkret an Homeoffice- sowie Teilzeit-Möglichkeiten auch in Führungspositionen. Ein großes Thema für die vielen Frauen, die Teilzeit arbeiten, ist die Rentenvorsorge. Mit der ausschließlich beitragsbezogenen Berechnung der Rente haben Teilzeitbedienstete einen enormen Nachteil. Verbesserungsbedarf besteht im Rahmen der Elternschaft. Die Schere zwischen öffentlich Bediensteten und der Privatwirtschaft geht nach wie vor weit auseinander. <BR /><BR />