Wie sie die Zukunft der Branche sieht und wo man sich Hilfe von der Politik erhofft. <BR /><BR /><b>Frau Laimer, in Italien sieht man immer öfter sogenannte Ghost-Tankstellen, also Automatentankstellen ohne Personal. In Südtirol gibt es noch wenige, doch die heimischen Branchenvertreter – die Freien Tankstellen und der Verband der Tankstellenpächter – warnen schon vor unlauterer Konkurrenz. Warum?</b><BR />Petra Laimer: Das Problem ist, dass es zwar eigentlich gesetzliche Richtlinien dafür gäbe, wo man solche Geistertankstellen errichten darf: nicht in der Stadt und nur in großer Distanz zu Ortschaften - also gewissermaßen als Notlösung in jenen Gegenden, wo die nächste Tankstelle so weit weg ist, dass jemand Gefahr läuft, mit leerem Tank liegen zu bleiben. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-67621477_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Aber wie Sie bemängeln, wird das Gesetz großzügig ausgelegt…</b><BR />Laimer: Es hat sich gezeigt, dass die großen Erdölfirmen kleine, unrentable Tankstellen nicht auflassen, sondern lieber durch Ghost-Tankstellen ersetzen. Das ist natürlich für sie viel billiger, weil sie kein Personal brauchen und sie können sogar noch etwas mit dem Benzinpreis runtergehen. Zwar nicht viel, aber der Verbraucher nimmt diese Ghost-Tankstellen als günstiger war und geht dann dorthin.<BR /><BR /><b>Anstatt bei den bemannten Tankstellen zu tanken. Die Ghost-Tankstellen ziehen ihnen somit Kunden ab, dabei würden sie diese aber dringend brauchen …</b><BR />Laimer: Genau. Denn wir – also alle Tankstellen mit Personal – sind es ja, die die Versorgung für den Bürger garantieren und einen 24-Stunden-Dienst bieten müssen. Das ist deshalb ein unlauterer Wettbewerb. Dabei ist Tankstellengeschäft mittlerweile sowieso schon sehr hart geworden.<BR /><BR /><b>Könnte man nicht argumentieren, dass sich eben auch diese Branche verändert. So wie wir heute nicht mehr für alle Bankgeschäfte einen Bankangestellten brauchen, weil wir Bancomat und Onlinebanking haben….</b><BR />Laimer: Sicher, so kann man argumentieren. Doch man muss auch andere Aspekte berücksichtigen: Eine Tankstelle ist ja nicht nur eine Zapfsäule, sondern man kann dort Reifen wechseln lassen, Wischwasser und Öl nachfüllen, Fahrzeuglampen wechseln, das Auto schnell mal saugen usw. Die Tankstelle deckt damit einen Service ab, den die Bevölkerung braucht. Wer übernimmt diese Versorgung, wenn es die Tankstellen nicht mehr tun? Zudem geben gerade in einem Tourismusland wie Südtirol solche oft verschmutzten Ghost-Trankstellen ein furchtbares Bild ab. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1103274_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Die Zahl der Tankstellen ist in den vergangenen Jahren in Südtirol deutlich zurückgegangen, in der Branche wurde das aber nicht kritisch gesehen, sondern es war von einer Gesundschrumpfung die Rede, weil eine Tankstelle einen bestimmten Umsatz braucht, um rentabel zu sein.</b><BR />Laimer: Ja, im Jahr 2000 hatten wir noch über 300 Tankstellen, jetzt sind es 150. Nur Treibstoff zu verkaufen, reicht schon lange nicht mehr zum Überleben, weil die Margen aus dem Tankgeschäft so klein sind (allgemein spricht man in Italien von 5 bis 10 Cent pro Liter, Anm.d.Red.). Man muss daher auch eine kleine Bar betreiben, Reifen- und Ölwechsel bieten usw. <BR /><BR /><b>Wäre es auch der Wunsch der Tankstellenbetreiber noch mehr Produkte anbieten zu können und sich in Richtung Supermarkt zu entwickeln, wie man es oft im Ausland sieht?</b><BR />Laimer: Nein, das geht bei uns nicht, weil wir nicht in Konkurrenz zum Handel treten wollen und weil die meisten Tankstellen auch gar nicht den Platz dafür haben. Eine Tankstelle wird deshalb bei uns – bis auf einige wenige Ausnahmen – immer nur jene Produkte verkaufen, die in irgendeiner Form mit der Tankstelle zu tun haben. Unser Wunsch wäre aber, dass die uralte Warentabelle, in denen zum Teil Produkte aufgelistet sind, die es gar nicht mehr gibt, erneuert wird. Denn so wie sie heute ist, schränkt sie unsere Wettbewerbsfähigkeit ein und wird auch nicht den Bedürfnissen der Verbraucher gerecht. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-67621478_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Lassen Sie uns in die Zukunft schauen: Wie sieht eine Tankstelle in 10 Jahren aus, wenn wir alle ein E-Auto fahren, das wir dann dank unserer eigenen Fotovoltaik-Anlage zuhause selbst tanken können…</b><BR />Laimer: Die Frage ist, ob wir dann wirklich alle ein E-Auto fahren werden – aber das ist eine andere Diskussion. Sicher ist, dass es mehrere und alternative Treibstoffe geben wird. Und die Tankstellen werden dem Rechnung tragen. Die Tankstelle sollte also als multifunktionale, moderne und attraktive Anlaufstelle für die Bürger gestärkt werden und alle Dienste abdecken, die der Bürger für die Mobilität braucht – inklusive E-Ladestationen. Die Tankstellen werden in diese Richtung umgebaut werden. <BR /><BR /><b>Das bringt großen Investitionen mit sich, für 3 E-Ladestationen ist von Kosten von rund 600.000 Euro die Rede. Erwarten Sie sich Förderungen von der öffentlichen Hand?</b><BR />Laimer: Jeder ist gewillt zu investieren, weil man weiß, dass es in die Richtung geht, aber der Umbau und die Anschlüsse sind schon sehr teuer. Begünstigungen wären natürlich eine Hilfe.<BR /><BR /><b>Die Vertreter der Freien Tankstellen und der Tankstellenpächter im hds haben sich kürzlich mit Wirtschaftslandesrat Marco Galateo getroffen und ihm die Probleme der Branche erklärt. Wie geht es weiter?</b><BR />Laimer: Wir hatten ein sehr positives Gespräch, es ist wohl allen klar, dass sich etwas verändern muss – auch um die Energiewende zu beschleunigen. Nun wird man eine Arbeitsgruppe bilden, um die Themen konkret anzugehen.