Von der groß angekündigten Test-Offensive am Arbeitsplatz ist vorerst wenig zu sehen. <BR /><BR /><BR /><i>Von Barbara Varesco</i><BR /><BR /><BR />Jede Öffnung bringt zusätzliche Kontakte, Infektionen steigen und Südtirol landet zwangsläufig wieder im Lockdown. Um dies abzuwenden, koppelte die Landesregierung letzte Woche Öffnungen an die Auflage von Nasentests, die nach Ostern in allen Wirtschaftsbereichen samt öffentlichem Dienst starten sollten. <BR />Um das Vorhaben zu beschleunigen sollte eine kleine Arbeitsgruppe unter Generaldirektor Alexander Steiner einen Vorschlag zur Anpassung der Sicherheitsprotokolle erarbeiten. Wer nicht mitmacht, habe mit Konsequenzen wie Zwangsurlaub zu rechnen.<BR /><BR /><b>„Nicht einmal ein Textvorschlag“</b><BR /><BR /> Passiert ist wenig bis gar nichts. Weil die Arbeitsgruppe nicht eingesetzt worden ist, trafen sich gestern erneut 40 Wirtschafts- und Gewerkschaftsbosse. „Nicht einmal einen Textvorschlag zum Abkommen für die Tests hat Steiner vorlegt. Eine verlorene Woche“, kommentierten Philipp Moser (hds) und Michele Buonerba (SGB/CISL).<BR />Dabei sind die Sozialpartner zum Erfolg verdammt. „Wir haben alle das gleiche Ziel: Arbeiten. Wenn wir nichts machen und gleichzeitig Öffnungen fordern, ist in 3 Wochen wieder alles zu ist“, betonte Moser.<BR /><BR />Aber: Der Weg zu den Nasentests ist steinig. Die erste kalte Dusche kam von Sieghart Flader, Chef des Arbeitsinspektorates. Demnach verbietet Art. 5 des Arbeiterstatut den Arbeitgebern jedwede Erhebung zur Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter. Wissend, dass zudem nur ein kleiner Teil der Unternehmen einen Betriebsarzt hat, „wäre ich viel ruhiger, wenn die Mitarbeiter außerhalb des Betriebes getestet würden“, so Flader. <BR />„Art. 5 des Arbeiterstatuts verbietet Test in den Betrieben“, unterstrich auch Cristina Masera (CGIL/AGB). Zudem müssten auch Selbsttest s laut Urteil des Staatsrats zu einem Rechtsstreit in der Emilia Romagna von eigenem Personal durchgeführt werden. Der Betrieb müsste z.B. eine Krankenschwester bereitstellen.<BR /><BR /><b>Nasentest daheim?</b><BR /><BR />„Es braucht zumindest eine Aufsichtsperson, doch davon haben wir vor allem in kleinen Betrieben viel zu wenige“, sagt Tony Tschenett (ASGB). Viel einfacher wäre es doch, wenn Betriebe die Nasentests ankaufen und den Mitarbeitern für zu Hause bereit stellt. „Einige werden sie ins Klosett spülen, aber die allermeisten machen sie.“<BR /><BR />Dazu aber fehlt in Italien jede Grundlage. „In Deutschland hat das Paul-Ehrlich-Institut bestätigt, dass Selbsttests daheim gemacht werden können. In Italien fehlen diese Voraussetzungen“, stellte der Direktor des Sanitätsbetriebs, Florian Zerzer, klar. Der Sanitätsbetrieb könnte „niemals die Verantwortung“ übernehmen, Nasentests an Private zu verkaufen. Die Sozialpartner müssten andere Wege der Beschaffung finden. Auch Apotheker dürfen sie aber nur an Ärzte oder Krankenpfleger verkaufen. Landesrat Widmann und der Landeshauptmann hätten zwar in Rom beantragt, Selbsttests frei zu geben wie in Österreich und Deutschland. Die Antwort stehe aber seit längerem aus.<BR /><BR />Fazit: Keine Tests in Betrieben, keine Zuhause. „Wahrscheinlich wird die Lösung sein, dieses Angebot mit Nasentests über mobile Teststationen und Apotheken zu verstärken“, meinen auch Tschenett und Toni Serafini (UIL/SGK). <BR />