<BR />Die BayWa und Bayern: Das gehört seit 1923 zusammen. Entstanden aus dem Zusammenschluss bayerischer landwirtschaftlicher Genossenschaften, etablierte sich das Münchner Unternehmen als erste Anlaufstelle für die Bauern. Fendt-Traktoren, Werkzeug, Saatgut, Beratung, technische Unterstützung: Dafür ging ein Bauer, der etwas auf sich hält, zur BayWa. In ihrer Heimat ist die BayWa daher eine Institution, deren Lagerhäuser ebenso zum ländlichen Ortsbild gehören wie Kirchtürme und Feuerwehrhäuser.<h3> Kontakte nach Südtirol</h3> Auch in Südtirol dürfte die BayWa vielen ein Begriff sein: Die landwirtschaftliche Hauptgenossenschaft (LHG) arbeitete über viele Jahre eng mit dem Agrarkonzern zusammen. 2007 gründeten beide gemeinsam die Italian Franchise System (IFS), über die die LHG den Bereich Bau- und Gartenmärkte in Ober- und Mittelitalien aufbaute. Zehn Jahre später stieg die BayWa aus, seither führt die LHG die Gesellschaft allein weiter.<h3> Vom Regionalunternehmen zum Global Player</h3>Aus der bayerischen Institution entwickelte sich über die Jahre ein Global Player – doch heute steht der Agrarriese vor einem Scherbenhaufen.<BR /><BR />Wie konnte es so weit kommen?<BR /><BR />Sichtbar wurde die finanzielle Schieflage 2024. Die Ursprünge liegen jedoch weiter zurück. Vor allem die expansive Wachstumsstrategie seit 2008 gilt als einer der Hauptgründe für die spätere Krise. In diesen Jahren kaufte die BayWa unter anderem die niederländische Agrarhandelsgruppe Cefetra, den großen neuseeländischen Apfelplantagenbetreiber Turners & Growers und baute mit der BayWa Renewable Energy (BayWa r.e.) ein weltweit tätiges Geschäft für Wind- und Solarenergie auf.<BR /><BR />Der Erfolg schien dem Konzern zunächst recht zu geben: Rund ein Viertel des Umsatzes und die Hälfte des Gewinns stammten laut einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ in guten Jahren aus den Energieaktivitäten.<BR /><BR />Doch die Expansion hatte ihren Preis: Die zahlreichen Übernahmen wurden weitgehend über Kredite finanziert. Gleichzeitig geriet das Geschäftsmodell der BayWa r.e. unter Druck. Die Tochter finanzierte neue Wind- und Solarparks bislang vor allem durch den Verkauf fertig entwickelter Projekte. Als sich der Markt infolge gestiegener Zinsen und schwierigerer Finanzierungsbedingungen eintrübte, blieben diese Verkäufe zunehmend aus. Die Tochter musste sich stärker bei der Muttergesellschaft verschulden. Hinzu kamen Belastungen im Agrar- und Baustoffgeschäft.<h3> Die Krise wird sichtbar</h3>2024 wurde die Misere unübersehbar. Die BayWa AG meldete einen Verlust von 1,6 Milliarden Euro. Der Konzern selbst sprach von der schwersten Unternehmenskrise seit Bestehen. Nur die Finanzspritzen der beiden Hauptaktionäre – der Beteiligungsgesellschaften der bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken sowie der österreichischen Genossenschaften – sowie der kreditgebenden Banken konnten die Insolvenz abwenden.<h3> Die Sanierung wird zur Hängepartie </h3> Seitdem versuchen Sanierer, den Konzern zu retten. Im Wesentlichen geht es darum, sich von großen Teilen der internationalen Expansion zu trennen und sich wieder stärker auf das Agrar- und Baustoffgeschäft zu konzentrieren.<BR /><BR />Doch die Sanierung erwies sich als komplizierter als gedacht. Vom Getreidehändler Cefetra konnte sich der Konzern erst im zweiten Anlauf trennen, doch der wichtigste Baustein der Sanierung – der Verkauf des 51-Prozent-Anteils an der BayWa r.e. – gestaltet sich schwierig. Weil auch die Ökostromtochter unter der schwachen Marktlage leidet, fiel die Bewertung der BayWa r.e. deutlich niedriger aus. Heuer im Frühjahr räumte der Konzern ein, dass der Verkauf nicht die ursprünglich erhofften 1,7 Milliarden Euro einbringen wird; schätzungsweise werden es 800 Millionen Euro weniger sein.<BR /><BR />Damit wurde auch klar: Der ursprüngliche Sanierungsplan, mit dem die Schuldenlast bis Ende 2028 von sechs auf zwei Milliarden Euro gedrückt werden sollte, ist hinfällig.<BR /><BR />Nun haben sich die Konzernleitung, die Gläubigerbanken und die beiden Großaktionäre darauf verständigt, sich für die Sanierung bis Ende 2030 Zeit zu geben. Bis Herbst soll eine neue Sanierungsvereinbarung erstellt werden.<h3>Der neue Sanierungsplan</h3>Das wird freilich nicht ohne einschneidende Maßnahmen gehen: Die zwei Großaktionäre – die Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs AG und die Raiffeisen Agrar Invest AG – sollen ihren BayWa-Anteil von zusammen gut 67 Prozent an einen Treuhänder übertragen. Wenn sie im Jahr 2029 mindestens 220 Millionen Euro für eine Kapitalerhöhung zur Verfügung stellen, sollen sie die Papiere zurückbekommen – anderenfalls darf der Treuhänder das Aktienpaket verkaufen.<BR /><BR />Die Banken wiederum wollen 700 Millionen Euro BayWa-Kredite in ein „Nachranginstrument“ umwandeln. Das bedeutet: Falls auch der geplante neue Sanierungsfahrplan missglückt, hätten andere Gläubiger Vorrang vor dem Anspruch der Banken auf diese 700 Millionen Euro.<BR /><BR />Gelingt der Umbau, wird die neue BayWa deutlich redimensioniert sein: Aus dem einst weltumspannenden 24-Milliarden-Euro-Konzern wird dann ein Unternehmen, das im Agrar- und Baustoffhandel zehn Milliarden Euro umsetzt und mit rund 8.000 Mitarbeitern ein operatives Ergebnis von etwa 400 Millionen Euro erwirtschaftet.<h3> Strafrechtliche Ermittlungen</h3>Abgesehen von der Sanierung hat die Krise auch strafrechtliche Folgen: Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mehrere ehemalige Vorstände, teils wegen des Verdachts einer geschönten Konzernbilanz 2023, teils wegen möglicher Untreue. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.