Am deutlichsten wurde am Dienstag Commerzbank-Chef Martin Blessing: „Italien hat ein Problem mit der politischen Führung, nicht mit der Wirtschaftsstruktur“, sagte er am Dienstag auf der „Handelsblatt“-Tagung „Banken im Umbruch“ in Frankfurt. Das Land sei zu groß, um unter den europäischen Rettungsschirm schlüpfen zu können, es müsse sich selbst helfen.Auch UniCredit-Chef Federico Ghizzoni forderte von der italienischen Regierung stärkeren Reformwillen. „Das Land hat ein Problem, aber auch das Potenzial, wieder selbst auf die Beine zu kommen“, betonte er auf der Konferenz. Dazu bedürfe es entschlossenen politischen Handelns.Wie Griechenland ist auch Italien wegen seiner hohen Schuldenlast verstärkt in den Fokus der Finanzmärkte gerückt. Für das Land wird es immer teurer, sich am Kapitalmarkt Geld zu leihen. Dennoch hatte Italiens Ministerpräsident Berlusconi erst vor wenigen Tagen einige der versprochenen Haushaltsreformen wieder zurückgenommen. Das löste europaweit Kritik aus, auch bei der Europäischen Zentralbank, die dem Land mit dem Kauf italienischer Staatsanleihen hilft.UniCredit-Chef Ghizzoni betonte nun, es sollte nicht die Aufgabe der EZB sein, den Regierungen der Schuldenstaaten langfristig mit solchen Maßnahmen unter die Arme zu greifen. Italien habe seine eigenen Mittel noch lange nicht ausgeschöpft, um wieder auf die Beine zu kommen. „In Italien gibt es noch viel Fett, das man abschneiden kann“, sagte der Chef der HypoVereinsbank-Mutter. Gerade in Sachen Privatisierung könne noch mehr passieren.Um den italienischen Bankensektor macht sich Ghizzoni nach eigenem Bekunden keine Sorgen, denn dieser sei recht stark. Künftig werde es für die Geldhäuser aber mehr denn je darauf ankommen, sich auf ihr Kerngeschäft – „ihre DNA“ – zu fokussieren. Auch mit Blick auf das eigene Haus gab sich Ghizzoni gelassen: „Wir sind ausreichend kapitalisiert.“ Im November oder Dezember werde seine Bank den neuen Geschäftsplan für die nächsten Jahre präsentieren. Die UniCredit war in den vergangenen Wochen besonders ins Visier von Anlegern geraten. Die Großbank musste bei der Refinanzierung an den Märkten tiefer in die Tasche greifen, da ihr als italienisches Geldhaus das Misstrauen der Investoren entgegenschlug. Die zuletzt stark gebeutelten Aktien erholten sich am Dienstag leicht und zogen um knapp ein Prozent an. apa