Ihr Zugang ist dabei so inspirierend wie pragmatisch: In ihrem Boutiquehotel Stadthalle Wien lebt sie Nachhaltigkeit auf allen Ebenen – und beweist, dass Gastfreundschaft und Zukunftsverantwortung sich nicht ausschließen. <h3> „Unsere Gesellschaft braucht Mut“</h3>Ihre Worte hallen nach: „Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann.“ Genau das ist es, was unsere Gesellschaft heute braucht: den Mut, auch in festgefahrenen Debatten die Perspektive zu wechseln. Zum Beispiel beim Thema Tourismus. <BR /><BR />Denn so wichtig es ist, über Herausforderungen wie Verkehr oder Umweltbelastung zu sprechen – so schädlich ist es, wenn daraus eine generelle Ablehnung des Tourismus erwächst. <BR /><BR />Oft überlagern die Diskussionen um „zu viel“ jene Stimmen, die vom Wert des Reisens erzählen. Tourismus kann mehr sein als bloßer Konsum. Er kann Begegnung stiften, Horizonte öffnen, Vorurteile abbauen. Wer ein Land bereist hat, wird es nicht mehr so leicht verurteilen. Wer fremde Kulturen erlebt, entwickelt Verständnis. Und wer selbst Gast war, begegnet auch anderen Gästen mit mehr Empathie.<h3> „Reisen macht uns zu Zuhörenden“</h3>Ich erinnere mich gut an eine Reise nach Indien. Was mich am meisten beeindruckt hat, waren nicht nur Landschaft und Tempel, sondern die Begegnungen mit Menschen. Ihre Offenheit, ihre Fragen, ihre Freundlichkeit. Diese Erfahrung hat mein Bild von der Welt verändert. So wie es vielen geht, die andere Kulturen nicht nur aus Medien kennen, sondern persönlich erlebt haben. Reisen macht uns zu Zuhörenden. <BR /><BR />Ein weiterer Aspekt, der mit Tourismusgesinnung zu tun hat, ist das Vertrauen. In vielen Gesellschaften ist es rar geworden – gegenüber Politik, Medien, Fremden. Aber Vertrauen ist ein Grundpfeiler eines gesunden Miteinanders. Die Dänen gelten nicht umsonst als eines der glücklichsten Völker der Welt – sie pflegen eine Kultur des Vertrauens: gegenüber dem Nachbarn, dem Staat, dem Arbeitgeber und auch dem Gast. Wenn wir Tourismus als einen Raum begreifen, in dem Vertrauen wachsen kann, dann erkennen wir auch seinen gesellschaftlichen Wert. Der Gast ist nicht nur Kunde. Er ist ein Mensch mit einer Geschichte. Ihm mit Offenheit zu begegnen, verändert auch uns.<h3> „Gastfreundschaft ist eine Haltung“</h3>Südtirol lebt vom Tourismus – und mit ihm. Aber es braucht mehr als wirtschaftlichen Erfolg: Es braucht eine Tourismusgesinnung, die auf gegenseitigem Respekt basiert. Auf Neugier. Auf der Bereitschaft, sich auf andere einzulassen. Gastfreundschaft ist mehr als ein Beruf – sie ist eine Haltung. Wer sie lebt, schafft Räume für Begegnung und Verständnis. Tourismus kann Brücken bauen, wo andere Mauern errichten wollen. Und er kann helfen, die Welt ein Stück friedlicher zu machen – durch Vertrauen, Respekt und Offenheit.<BR /><BR />Oder, um es mit der Gastgeberin Michaela Reitterer zu sagen: „Der Kopf ist rund, damit die Gedanken die Richtung ändern können.“<BR /><BR /><BR /><b>Zur Person:</b><BR />Edith Oberhofer ist seit über 20 Jahren im Tourismusmarketing tätig. Über das Zweitstudium fand sie zur Kunstgeschichte und führt Gäste als Fremdenführerin durch ihre Heimatstadt Brixen. Sie genießt es, in einem Land zu leben, das Reisende aus aller Welt begeistert.