<b>Herr Hofer, welche Themen brennen dem Tourismus aktuell besonders unter den Nägeln?</b><BR />Ambros Hofer: Sagen wir so, es gibt zahlreiche Themen, die den Tourismus seit längerem beschäftigen: Verkehr, Transit, Wolf und Bär, Wasserknappheit usw. Wir sind ständig mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Dazu kommen noch weitere Baustellen, wie die Erhöhung und Aufteilung der Ortstaxe, wo vieles mittlerweile ausgemacht, aber noch abzuschließen ist, die Bettenzählung, die für die Betriebe noch läuft, die neue Gästekarte und im Herbst werden wir dann die Reorganisation der Tourismusorganisationen angehen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-59448668_quote" /><BR /><BR /><b>Stichwort Ortstaxe: Dass sie erhöht wird und ein größerer Anteil als bislang dem Wirtschaftsdienstleister IDM zugute kommen soll, hat für einen Aufschrei im Tourismus gesorgt. Was ist der Stand der Dinge?</b><BR />Hofer: Man hat sich nun auf einen neuen Aufteilungsschlüssel geeinigt. Das endgültige Dokument habe ich noch nicht vorliegen, weshalb ich da nicht weiter vorgreifen möchte. Aber am wichtigsten ist, dass es gelungen ist, dass das Geld im Tourismus bleibt. Denn im Vorfeld hatten ja viele Interessen angemeldet: Zunächst sollte ein Teil der Ortstaxe in die Mobilität fließen, dann wollten die Gemeinden etwas für die Finanzierung der Infrastrukturen vor Ort haben, die Bauern etwas für die Berglandwirtschaft usw. Jetzt ist es gelungen, dass die Gelder der Ortstaxe im Tourismus – bei IDM und den Tourismusorganisationen – bleiben. Das ist eine wichtige Errungenschaft. Nun gilt es zu schauen, dass die Partner im Tourismus – IDM, Hoteliers- und Gastwirteverband, Privatzimmervermieter, Urlaub-auf-dem-Bauernhof-Betriebe und Tourismusorganisationen – in Zukunft noch stärker mit einer Stimme sprechen, damit wir mehr Wertschätzung gegenüber dem Tourismus erreichen und die Politik – oder andere Seiten – weniger Möglichkeiten hat, uns gegeneinander auszuspielen. Denn wir stehen vor der großen Herausforderung, dass wir die Tourismusgesinnung stärken müssen. Nur wo das gelingt, wird in Zukunft erfolgreiches Arbeiten möglich sein. <BR /><BR /><embed id="dtext86-59448784_quote" /><BR /><BR /><b>Hat sich die Tourismusgesinnung in Südtirol verschlechtert?</b><BR />Hofer: Grundsätzlich wird der Tourismus schon als wichtig empfunden, weil er Wertschöpfung und Arbeitsplätze bringt, aber der Verkehr und die steigenden Immobilienpreise sind – je nach Bezirk – ein großes Thema. Der Tourismus ist mittlerweile vielleicht die wichtigste Säule der Südtiroler Wirtschaft, aber wir brauchen auch den Respekt der Bevölkerung und müssen daher das Möglichste tun, damit sie ihn mitträgt. Initiativen wie der Familienskipass und Vorteilskarten für Mitarbeiter, wie die Schenna Crew-Card, sind daher wichtig, damit auch der Einheimische das Gefühl hat, dass er berücksichtigt wird. Auch in der Politik muss die Wertschätzung für den Tourismus gegeben sein. Den Eindruck habe ich nicht immer. <BR /><BR /><b>Sie sagen also, dass die Politik den Wert des Tourismus nicht richtig erkennt?</b><BR />Hofer: Wenn man sich anschaut, wie viel Gelder im Trentino und im Bundesland Tirol im jeweiligen Landeshaushalt für den Tourismus vorgesehen sind und wie viel bei uns, dann muss ich meine Zweifel haben. Bei uns heißt es immer, der Tourismus läuft ja gut, die sollen sich selber helfen. Auch auf Gemeindeebene hört man das. Aber die Tourismusvereine erledigen auch viele Aufgaben der Gemeinden, vom Mähen, übers Aufräumen bis zur Pflege der Wanderwege und der Ausweisung der Mountainbikestrecken – und das kommt allen zugute. Es ist auch etwas eigenartig, dass wir als Tourismus immer bereit sind, die Probleme anzugehen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-59448782_quote" /><BR /><BR /><b><BR />Wie meinen Sie das?</b><BR />Hofer: Denken wir an den Bettenstopp und lassen Sie mich einen Vergleich machen: Ich habe noch nie gehört, dass wegen des hohen Verkehrsaufkommens jemand vorgeschlagen hätte, zu erheben, wie viele Lkws unsere Transportfirmen haben oder den Handwerkern vorzuschreiben, wie viele Lieferwagen sie haben dürfen. Deshalb sage ich: Wir als Tourismus geben sehr viel und lassen uns auch einschränken, sind aber am Ende dennoch oft der Sündenbock. <BR /><BR /><b>Heißt das, Sie sind gegen den Bettenstopp?</b><BR />Hofer: Ich befürworte es, dass man vor allem einmal die Betten erhebt und schaut, sie gut und qualitativ zu füllen. Es braucht eine Entwicklung, aber die muss genormt und kontrolliert sein. Manchmal ist die Befürchtung im Tourismus die, dass nun für nachfolgende Generationen zu wenig Entwicklung möglich sein könnte und die Jungen den Betrieb deshalb nicht weiterführen würden. Dann frage ich immer: Seid ihr sicher, dass eure Kinder das überhaupt wollen? Vielleicht ist es sogar leichter, einen kleineren Betrieb an die nächste Generation weiterzugeben als eine so große Maschinerie – die dann aber, wenn es nicht klappt, eventuell an ausländische Konzerne verkauft werden muss. Aber ich will nicht den Teufel an die Wand malen. <BR /><BR /><b>Ein kurzer Ausblick auf die Sommersaison: Wie ist die Stimmung in der Branche?</b><BR />Hofer: Das ist immer schwierig zu sagen. Grundsätzlich ist die Stimmung positiv, aber natürlich gibt es viele Unsicherheiten: Inflation, Krieg, Energiepreise usw. Deshalb bin ich mit Einschätzungen eher vorsichtig.<BR /><BR /><BR /><BR />