Donnerstag, 29. Juli 2021

Tourismus in den Alpenregionen: Ein Vergleich

Das Landesinstitut für Statistik (ASTAT) hat am heutigen Donnerstag die Ergebnisse des Jahres 2020 zu den Tourismusströmen in einigen Alpenregionen veröffentlicht . Das Beherbergungsangebot des untersuchten Alpenraums umfasst knapp 19.000 gastgewerbliche Betriebe, die über 812.000 Betten verfügen.

Das Landesinstitut für Statistik   zeigt die Ergebnisse  zu den Tourismusströmen in einigen Alpenregionen des Jahres 2020 auf.
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Das Landesinstitut für Statistik zeigt die Ergebnisse zu den Tourismusströmen in einigen Alpenregionen des Jahres 2020 auf. - Foto: © Richard Lorenz
Im Jahr 2020 brach der Tourismus in allen Ländern aufgrund der außerordentlichen Situation im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie ein. Die Nachfrage aus dem Ausland sank und konnte sich bis Jahresende auch nicht erholen. Dafür machten die Gäste vermehrt im eigenen Land Urlaub, so schreibt die ASTAT.



Das Beherbergungsangebot umfasste im Jahr 2020 im untersuchten Alpengebiet 18.559 gastgewerbliche Betriebe mit über 812.000 Betten. Die Anzahl der Betriebe ging nach einer leichten Abnahme im Jahr 2019 noch einmal leicht zurück. Auch die Bettenanzahl, die im Jahr 2019 noch gestiegen ist, sank im Jahr 2020 um 532 Betten. Die Zahl der Gästeankünfte sank im Vergleich zum Vorjahr um 15,1 Millionen und betrug 22,8 Millionen (-39,7 Prozent). Die Übernachtungen nahmen 2020 im Alpengebiet um 32,9 Prozent ab und erreichten 87,4 Millionen (-42,8 Millionen), so heißt es weiter.

Die Zahl der Beherbergungsbetriebe nimmt weiter leicht ab

Im Jahr 2020 ist die Zahl der gastgewerblichen Beherbergungsbetriebe in den Alpengebieten nach dem Rückgang 2019 wiederholt leicht zurückgegangen, auch die Bettenanzahl ist im Jahr 2020 leicht gesunken. Die stärksten Rückgänge an gastgewerblichen Betrieben verzeichnen Bayern (Arge Alp) (-101 Betriebe) und die 3 Schweizer Kantone (in Summe -112 Betriebe). Im Bundesland Salzburg hingegen ist die Zahl der Betriebe um 75 und jene der Betten um 4264 gestiegen. In Vorarlberg wurden 15 Betriebe weniger, jedoch 3222 Betten mehr verzeichnet, so laut Experten.

Insgesamt hat die prozentuelle Abnahme an Betrieben im untersuchten Alpengebiet 0,7 Prozent und jene der Betten 0,1 Prozent betragen.

Die Betriebsgrößen sind in den Alpenländern sehr unterschiedlich. Die Entwicklung zu größeren gastgewerblichen Betrieben hielt auch 2020 an: Die Durchschnittsgröße eines Betriebes erreicht 43,8 Betten je Betrieb. Im Vorjahr 2019 betrug der Durchschnitt noch 43,5 Betten. Die größten Betriebe befanden sich, wie bereits in den Vorjahren, in Graubünden und im Trentino, wo im Schnitt 65,9 beziehungsweise 62,8 Betten je Betrieb gezählt werden. Die kleinsten Betriebe findet man in Südtirol mit einem Durchschnitt von 38,3 und in Tirol und Vorarlberg mit durchschnittlich jeweils 39,3 Betten je Beherbergungsbetrieb, so heißt es weiter.

Die Beherbergungsdichte je Quadratkilometer bleibt unverändert

Der Index der Beherbergungsdichte misst die Bettenanzahl in Bezug auf die Fläche eines Gebietes. Der Index der durchschnittlichen Beherbergungsdichte in den untersuchten Alpengebieten (12,3 Betten je Quadratkilometer) ist seit Jahren nahezu unverändert geblieben. Mit 20,5 Betten je Quadratkilometer weist Südtirol die höchste Beherbergungsdichte auf. Weitere Alpengebiete mit einem Index über dem Durchschnitt sind Salzburg (18,8), Vorarlberg (16,3), Tirol (16,1), sowie das Trentino (14,8).

Von den insgesamt 812.323 angebotenen Gästebetten im Alpengebiet entfällt ein Viertel (25,1 Prozent) auf das Bundesland Tirol. Es folgen Südtirol mit einem Anteil von 18,7 Prozent und Salzburg mit 16,5 Prozent. Die 3 Schweizer Kantone verfügen über 7,2 Prozent der Gesamtbetten, so schreibt die ASTAT.






Gästeankünfte sanken um 39,7 Prozent, Übernachtungen um 32,9 Prozent

Im Jahr 2020 sank im Alpenraum der Arge Alp die Zahl der Gästeankünfte um 39,7 Prozent und jene der Übernachtungen um 32,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2019. Dies entspricht einem Rückgang der Ankünfte
um 15,1 Millionen und der Übernachtungen um 42,8 Millionen. Im Jahr 2020 verzeichneten die einzelnen Gebiete prozentuelle Abnahmen bei den Übernachtungen zwischen -26,2 Prozent in Bayern (Arge Alp) und -39,2 Prozent in der Provinz Sondrio. Nur in den Kantonen Graubünden
und Tessin ist der Nächtigungsrückgang mit -9,2 Prozent beziehungsweise -16,3 Prozent niedriger. In den beiden letzten Jahren meldeten diese Kantone Zuwächse (2019: +2,4 Prozent, +1,7 Prozent), heißt es in der Aussendung.




Gäste hielten sich nach Destination am längsten in Südtirol auf

Die mittlere Aufenthaltsdauer in den untersuchten Alpenländern ist 2020 im Vergleich zum Jahr 2019 von 3,4 auf 3,8 Tage gestiegen. Nach Destination betrachtet hielt sich der Gast am längsten in Südtirol auf (4,5 Tage), gefolgt von Tirol (4,3 Tage) und dem Trentino (4,1 Tage).

Die monatliche Verteilung zeigt, dass der durchschnittliche Aufenthalt im außerordentlichen Jahr 2020 besonders im März und April mit jeweils 4,7 Tagen am längsten war. Besonders lange Aufenthalte im Monat April, wo es Reiseeinschränkungen gab, weist Südtirol (11,1 Tage), der Kanton Tessin (9,3 Tage) und die Provinz Belluno (8,2) auf. Im Juli und August hingegen lag die durchschnittliche Aufenthaltsdauer um den Mittelwert, schreiben die Experten.

Im Jahr 2020 liegt der Index der Tourismusintensität, der sich aus der Anzahl der Übernachtungen und der ansässigen Wohnbevölkerung errechnete, bei 4,1 (im Vorjahr lag dieser noch bei 6,2). Trotz des pandemiebedingten Rückganges, der in Südtirol und Tirol am höchsten war, lag der Index hier mit 8,4 beziehungsweise 8,3 weiterhin über dem Durchschnitt. Auch Salzburg (6,9) und Graubünden (6,6) weisen weiterhin einen überdurchschnittlichen Index auf. Am tiefsten ist die Tourismusintensität weiterhin in St. Gallen (0,5), hier veränderte sich der Index im Vergleich zum Vorjahr nicht, heißt es weiter.




Das gesamte Jahr 2020 war von der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Reiseeinschränkungen geprägt. Nach einem Aufschwung im Jahr 2018 und den leichten Zuwächsen im Jahr 2019 verzeichnete der Tourismus 2020 in allen alpinen Gebieten herbe Einbußen, schreibt die ASTAT.

Überwiegender Sommertourismus

In der Sommersaison 2020 wurden 48,9 Millionen Übernachtungen verbucht: Diese entsprechen 55,9 Prozent aller Übernachtungen im beobachteten Alpenraum. Im Vergleich zum Vorjahr weisen die saisonalen Übernachtungszahlen eine Abnahme von durchschnittlich -27,4 Prozent für das Sommer- und -38,8 Prozent für das Winterhalbjahr auf , so die Experten.




Die Gebiete mit vorwiegendem Sommertourismus sind wie im Vorjahr das Tessin (83,1 Prozent der Übernachtungen werden im Sommer gezählt), Bayern (Arge Alp) (75,0 Prozent), Südtirol (65,3 Prozent) und St. Gallen (60,2 Prozent) gewesen. Der Wintertourismus konnte sich aufgrund der außerordentlichen Lage nicht entwickeln. Beachtlich hohe Zahlen haben jedoch Tirol, Salzburg und Südtirol in den ersten 3 Wintermonaten 2020 aufgewiesen.

Der gewöhnlich stärkste Übernachtungsmonat August wurde im Jahr 2020 erstmals vom Februar mit 17,4 Millionen Übernachtungen abgelöst. Im August 2020 wurden 16,7 Millionen Nächtigungen registriert.

Den Hauptanteil der Februar-Nächtigungen verbuchte Tirol mit 33,0 Prozent (5,8 Millionen Übernachtungen), gefolgt von Salzburg (19,6 Prozent, beziehungsweise 3,4 Millionen). Den größten Anteil an Übernachtungen im August mit 24,0 Prozent registrierte Südtirol (4,0 Millionen) und Tirol mit 22,1 Prozent (3,7 Millionen).

44,4 Prozent aller registrierten Übernachtungen im Alpengebiet betrafen deutsche Gäste, 17,1 Prozent italienische Urlauber, 10,5 Prozent Schweizer, 8,7 Prozent Österreicher und die restlichen 19,4 Prozent Gäste aus anderen Ländern, schreibt die ASTAT.




Die Untersuchung nach Herkunftsländern zeigt, dass die inländischen Gäste bei der Tourismusnachfrage eine sehr bedeutende Rolle spielten. Durch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Reisebeschränkungen blieben viele Gäste aus dem Ausland aus, dafür verbrachten diese ihren Urlaub im eigenen Land.

Einbruch der Nutzung des Bettenpotenzials


Ein wichtiger Indikator für den Tourismusmarkt ist der Index der Bettenauslastung. Hierbei werden Beherbergungsangebot und Tourismusnachfrage gegenübergestellt. Im Jahr 2019 waren die angebotenen Betten im untersuchten Gebiet zu 43,8 Prozent ausgelastet. Im Jahr 2020 waren die Betten pandemiebedingt zu 29,5 Prozent ausgelastet. Dieser Wert lagen in den einzelnen Regionen, auf das gesamte Jahr betrachtet, zwischen 20,1 Prozent in der Provinz Sondrio und 37,3 Prozent im Tessin, heißt es weiter in der Aussendung.




Die alpinen Gebiete unterliegen einer starken Saisonalität; daher beobachtete man für den Sommer 2020 eine vergleichsweise höhere Bettenauslastung im Tessin (61,6 Prozent), Bayern (50,2 Prozent) und Südtirol (38,1 Prozent).

Für die Wintermonate 2020 wiesen Graubünden (35,0 Prozent), Tirol (33,8 Prozent) und Salzburg (30,3 Prozent) eine Bettenauslastung über dem Durchschnitt auf. Die Bettenauslastung in Südtirol lag in der Wintersaison bei 20,6 Prozent, schreibt die ASTAT abschließend.









stol