<h3> Vier Lander, vier unterschiedliche Voraussetzungen?</h3>Im Rahmen einer VITALPIN-Wissensreihe-Veranstaltung zum Thema Nachhaltigkeitszertifizierungen zeigte sich, dass verschiedene Labels im DACH-I-Raum zumeist auf den gleichen Kriterien beruhen. Dennoch gibt es oft verschiedene Hurden. Lech Zurs Tourismus ist gerade am Weg zum Österreichischen Umweltzeichen. Maßnahmen wie z.B. die Biomasse-Wärmeversorgung, wodurch jährlich 24.000 Tonnen CO2₂ eingespart werden, sollen so sichtbar werden, heißt es in einer Aussendung vom Verein „VITALPIN “.<BR /><BR />Sudtirol ist indes weltweit die Region mit den meisten GSTCzertifizierten Destinationen. Die Schweiz hat auch ohne EU-Vorgaben den gleichen Weg eingeschlagen. Zudem warnt VITALPIN vor Greenwashing sowie Greenhushing. Nachhaltigkeitszertifizierungen sind im Tourismus langst mehr als ein Imagefaktor – sie entscheiden über Zukunftsfähigkeit, Glaubwürdigkeit und Wettbewerbsstarke von Destinationen und Betrieben.<h3> Aufklarung statt Verwirrung</h3>„Hat man sich zuvor mit dem Thema Nachhaltigkeitszertifizierungen noch nicht befasst, konnen die vielen verschiedenen Labels im DACH-Raum und Italien jedoch fur Verwirrung sorgen. Daher ist Aufklärung wichtig und ein Vergleich notwendig. Der Irrglaube, dass man in der eigenen Region die größten Hurden hat, ist weit verbreitet. Die Experten sollen im Rahmen der VITALPIN-Veranstaltung fur Klarheit sorgen“, erklärt Manuel Lutz, Geschäftsführer von VITALPIN. Zudem soll das Format auch Platz fur eine kritische Diskussion sein. Zertifizierungen sind fur Unternehmen auch sehr zeitaufwändig und kostenintensiv. „Daher mussen sie auch einen Mehrwert darstellen. Fur den Betrieb. Den Gast. Unsere Umwelt und damit naturlich auch den Einheimischen. Mit solchen Formaten sollen Probleme diskutiert und Barrieren abgebaut werden“, halt Lutz fest.<h3> Zertifizierungen als strategisches Werkzeug</h3>Jede Zertifizierung bringt kaut Aussendung eigene Merkmale und Anforderungen mit und es gibt keine universelle Losung – vielmehr kann jeder Tourismusbetrieb eine geeignete Option finden. Paolo Agnelli vom Terra Institute macht dies deutlich, indem er aktuelle Nachhaltigkeitszertifizierungen vergleicht und aufzeigt, warum Nachhaltigkeit heute ein zentraler strategischer Erfolgsfaktor im Tourismus ist. So sind Zertifizierungen formelle, von unabhängigen Stellen geprüfte Verfahren, wahrend Labels vor allem als sichtbares Kennzeichen zur Kommunikation bestimmter Nachhaltigkeitsleistungen nach außen dienen. Das Zertifizierungsdilemma: För kleine Betriebe sind Zertifizierungen haufig nur schwer erreichbar. Viele Anbieter sowie lokale Akteure ermöglichen daher den Einstieg mit niederschwelligen Labels.<h3> Green Claims und EU-Regulierung</h3>Vor dem Hintergrund der neuen EU-Richtlinie zur Stärkung der Verbraucher für den grünen Wandel, die seit September 2026 verpflichtend gilt, warnt Agnelli vor unzulässigen Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen. Sogenannte „Vage Green Claims“, nicht zertifizierte Labels oder Aussagen zur Klimaneutralität auf Basis von Kompensation sind künftig verboten. Gleichzeitig plädiert er gegen Greenhushing: Wer Nachhaltigkeitsbemuhungen verschweigt, vergibt Chancen auf Positionierung, Feedback und gesellschaftliche Wirkung.<h3> Zertifizierungen als Zukunftsstrategie</h3>Zertifizierungen sollten daher nicht als Endziel angesehen werden, sondern als strategisches Werkzeug mit klaren Vorteilen – von Kosteneinsparungen und besseren Finanzierungsbedingungen über stärkere Reputation bis hin zu höherer Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz. „Die Zukunft gehört nachhaltigen Unternehmen. Ein strukturierter Nachhaltigkeitsprozess ist der Schlüssel, um Chancen zu nutzen und Ihr Unternehmen zukunftsfähig zu machen“, so Agnelli.<h3> Lech Zurs als Beispiel</h3>Die vielen Vorteile von nachhaltigen Maßnahmen zeigen sich bereits in der Region Lech Zurs. Durch die Wahl, sich um das Österreichische Umweltzeichen zu bemuhen, setzt Lech Zurs wie weitere Vorarlberger Destinationen nun auch ein starkes Zeichen. Sie zeigen nicht nur, dass nachhaltiger Tourismus machbar ist, sondern profitieren von regionaler Zusammenarbeit, nationaler Unterstützung und langfristigen Vorteilen fur Gaste und Einheimische. Auch zertifizierte Betriebe berichten von klaren wirtschaftlichen Vorteilen: geringere Energie- und Betriebskosten, hohere Sichtbarkeit bei Reiseveranstaltern, Zugang zu Green Meetings & Events sowie eine stärkere Kundenbindung durch ein glaubwürdiges, verantwortungsvolles Image.<h3> Zertifizierungsstand in Lech Zurs</h3>Aktuell sind drei Betriebe in Lech Zurs zertifiziert, weitere 15 Betriebe bekunden konkretes Interesse, heißt es weiter in der Aussendung. Aktuell sind 460 Beherbergungsbetriebe in Österreich mit dem Gütesiegel zertifiziert. Zudem konnten bereits 15 Tourismusdestinationen alle Kriterien für das grüne Gütesiegel erfüllen. Es gibt bereits einige erfolgreich umgesetzte Initiativen: 98 Prozent der Betriebe sind an die Biomasse-Wärmeversorgung angeschlossen, wodurch jährlich rund 24.000 Tonnen CO2₂ eingespart werden. Die Bergbahnen sind bereits nach ISO-Richtlinien zertifiziert und die Anzahl der Skigebietseintritte ist seit uber 20 Jahren auf 14.000 begrenzt.<h3> Langfristige Ziele der Gemeinde</h3>Aufbauend darauf formuliert die Gemeinde das ambitionierte Vorhaben, bis 2026 mindestens 400 zertifizierte Betten zu erreichen. „Der Weg zu einer Zertifizierung ist keiner, den man einmal geht und der dann abgeschlossen ist. Es bedarf eines langen Atems und es ist ein Prozess, den man weiterlebt“, betont Projektleiterin Germana Nagler. Langfristig mussen sowohl Gaste als auch Einheimische spürbar erleben, dass sie sich in einer nachhaltig ausgerichteten Destination befinden. Um noch mehr Bewusstseinsbildung in den Betrieben zu schaden und auf die Zertifizierung vorzubereiten, wurden u.a. Workshops angeboten. Daran mochte man auch im heurigen Jahr festhalten.<h3> Sudtirols Nachhaltigkeitsstrategie</h3>Wahrend Lech Zurs den Weg der kontinuierlichen Weiterentwicklung auf Destinationsebene beschreitet, setzt Sudtirol auf ein strukturiertes, mehrstufiges Nachhaltigkeitsprogramm, das bewusst auf langfristige Transformation ausgelegt ist. Hannes Waldmuller von IDM Südtirol gibt Einblicke, wie das Nachhaltigkeitsprogramm Südtirol aufgebaut ist: „Südtirol hat nach einer Methodik gesucht, das Thema Nachhaltigkeit im Tourismus systematisch anzugehen. Daher wurde das Nachhaltigkeitsprogramm Sudtirol gegrundet. Dieses basiert auf den internationalen Kriterien des Globalen Rats fur nachhaltigen Tourismus (Global Sustainable Tourism Council, GSTC) da viele führende Destinationen wie Slowenien, Norwegen u.a. ebenfalls nach diesem Standard arbeiten.“<h3> GSTC-Zertifizierung und SudtirolR-Label</h3>Auf dieser Basis konnte sich die Region schnell eine Vorreiterrolle sichern: Südtirol ist weltweit die Region mit den meisten GSTCzertifizierten Destinationen. Gleichzeitig legt die Region besonderen Wert auf das eigene Nachhaltigkeitslabel SüdtirolR – die in Italien registrierte Zertifizierungsmarke. Das Label bewertet nachhaltige Entwicklung ganzheitlich in den vier Bereichen Management, Sozioökonomie, Kultur und ökologie und wird von zwei unabhängigen Zertifizierungsstellen vergeben.<h3> Ziele bis 2030</h3>Aktuell sind bereits 17 Destinationen in Südtirol zertifiziert, was rund 75 Prozent der Tourismusorganisationen in Südtirol und rund 57Prozent der Nächtigungen im Jahr 2025 entsprochen hat. Zudem befinden sich weitere acht Destinationen im Zertifizierungsprozess. „Ziel ist es, bis 2030 alle Destinationen in Südtirol in das Programm einzubinden,“ sagt Waldmüller. Auf Betriebsebene wurden bislang 265 von rund 11.000 Unterkunftsbetrieben ausgezeichnet.<h3> Zusammenarbeit mit Partnern</h3>Aufgrund der klaren Aufgabenteilung im Tourismus ist dafur eine enge Zusammenarbeit mit starken Partnern wie Tourismusorganisationen und Interessensverbanden – etwa dem HGV – notwendig, die den direkten Zugang zu den Betrieben haben. „Wir haben die Vision Sudtirol, zum begehrtesten nachhaltigen Lebensraum Europas zu machen. Wir sind uns bewusst, dass wir eine hohe Tourismusintensitaä haben, die Tourismusgesinnung in der Bevölkerung abnimmt und der Klimawandel unumstritten ist“, nennt Waldmuller das Ziel.<h3> Betriebliche Nachhaltigkeitsmodelle</h3>Reinhard Leitner, Leiter des Bereichs Nachhaltigkeit im Hotel- und Gastwirteverband Sudtirol (HGV), erläutert Aufbau, Zielsetzung sowie das dreistufige Modell von Level 1 bis Level 3 auf betrieblicher Ebene. Das Label ermöglich Betrieben aus Tourismus, Gastronomie und weiteren Sektoren einen schrittweisen Einstieg in die Nachhaltigkeit, fordert Sichtbarkeit nach außen und setzt auf kontinuierliche Weiterentwicklung statt Perfektion.<h3> Schweizer Modell</h3>Die Bedeutung nachhaltigen Handelns in der Tourismusbranche wird auch von Martina Hollenstein Stadler von Mounteco hervorgehoben, die den Betrieben und Destinationen Nachhaltigkeit als grundlegende Haltung empfiehlt. In der Schweiz sorgt das Programm Swisstainable fur eine klare und verständliche Kennzeichnung nachhaltiger Angebote, da die Vielzahl unterschiedlicher Labels fur Gaste oft unübersichtlich sein kann. Zudem fordert es eine zukunftsorientierte Entwicklung des Tourismus und stärkt die Positionierung der Schweiz als nachhaltige Tourismusdestination.<h3> Zertifizierungsstand Schweiz</h3>Aktuell sind in der Schweiz rund 2.500 Betriebe sowie 15 Destinationen Swisstainablezertifiziert. Davon werden 59 Prozent der Betriebe als „committed“, 22 Prozent als „engaged“ und 19 Prozent als „leading“ eingestuft. Hollenstein Stadler berichtet zudem, dass viele Betriebe ihre eigene Nachhaltigkeitsleistung zu Beginn überschatzen. „Wenn man sich auf den Prozess einlasst, dann sagen alle dasselbe: Dass sie ganz viel uber den eigenen Betrieb und wie er funktioniert gelernt haben“, so Martina Hollenstein Stadler.<h3> Was ist VITALPIN?</h3>Der gemeinnützige, unpolitische Verein versteht sich als Redaktionsservice und Kommunikationsmanufaktur und schafft bei kontroversen Themen Klarheit, widerlegt mit Fakten falsche Informationen und stärkt das Bewusstsein für die Notwendigkeit des Tourismus in den Alpen. VITALPIN arbeitet als Brückenbauer und Sprachrohr und vermittelt zwischen Unternehmen und Menschen im Alpenraum mit dem Ziel, nachhaltige Lösungen für alle Beteiligten zu finden und einen funktionierenden Tourismus zu sichern. VITALPIN-Mitglieder sind Unternehmen quer durch alle Branchen, die von und mit dem Tourismus direkt sowie indirekt leben.