Montag, 09. März 2020

Beherbergungsbetriebe und Seilbahnen sollen ab Mittwoch schließen

Von einer schwierigen Entscheidung hat HGV-Präsident Manfred Pinzger am Montag auf einer Pressekonferenz in Bozen gesprochen. Den Betreibern von Beherbergungsbetrieben und Seilbahnen in Südtirol wird empfohlen, diese ab Mittwoch zu schließen. Bei den Seilbahnen kam dem dann der Staat zuvor: Alle Liftanlagen müssen unverzüglich schließen, hieß es am Montagabend in einer Verordnung des Zivilschutzes.

Helmut Sartori (Seilbahnunternehmerverband), Manfred Pinzger (HGV), Leo Tiefenthaler (SBB) und Esther Mutschlechcner Seeber (VPS) bei der Pressekonferenz in Bozen.
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Helmut Sartori (Seilbahnunternehmerverband), Manfred Pinzger (HGV), Leo Tiefenthaler (SBB) und Esther Mutschlechcner Seeber (VPS) bei der Pressekonferenz in Bozen. - Foto: © DLife/df
In Anbetracht der Tatsache, dass die Fälle der auf Coronavirus positiv getesteten Personen nicht nur in Südtirol, sondern in ganz Europa zunehmen, haben HGV-Präsident Manfred Pinzger, SBB-Präsident Leo Tiefenthaler, VPS-Präsidentin Esther Mutschlechner Seeber und der Präsident der Seilbahnunternehmen Helmut Sartori beschlossen, eine Empfehlung zur Schließung aller Beherbergungsbetriebe und Seilbahnen in Südtirol auszusprechen.

Die Schließung sollte ursprünglich ab Mittwoch erfolgen und für alle Skianlagen und Beherbergungsbetriebe in Südtirol gelten. Am Montagabend hat der staatliche Zivilschutz jedoch die Schließung aller Liftanlagen auf dem Staatsgebiet bereits mit Dienstagmorgen verordnet.

Pinzger: „Bei Stornierungen kulant entgegenkommen“

Auch Südtirol wolle sich nicht der Verantwortung entziehen.

„Die Gesundheit der Gäste, aber auch der Südtiroler Bevölkerung und der Mitarbeiter steht absolut im Vordergrund“, so Manfred Pinzger.

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„In dieser schwierigen Situation ist es wichtig, dass wir zusammenhalten und jeder Einzelne von uns ist gefragt, alles zu tun, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Deshalb empfehlen wir unseren Mitgliedern, ihre Beherbergungsbetriebe vorzeitig zu schließen. Zudem solle man sich bemühen, den Gästen im Rahmen der Möglichkeiten Ausweichtermine anzubieten und bei Stornierungen möglichst kulant entgegenzukommen.“

Natürlich obliege die definitive Entscheidung bei den Betreibern selbst. Die Betreiber der Seilbahnanlagen, sowohl in den Dolomiten und im Vinschgau hätten sich jedoch bereits bereit erklärt, dem Aufruf Folge zu leisten.

So erklärte Sandro Lazzari von „Dolomiti Superski“, die Skigebiete hätten aus Eigenverantwortung bereits beschlossen, die Saison frühzeitig zu beenden.

Pinzger präzisierte im Interview: „Wir gehen davon aus, dass vor allem die Beherbergungsbetriebe in Wintersportgebieten schließen werden, wenn die Seilbahnen der Empfehlung Folge leisten.“

Schuler: „Restaurants und Bars von Empfehlung nicht betroffen“

Die am Montag ausgesprochene Empfehlung, so betonte Tourismuslandesrat Arnold Schuler, betreffe Betriebe mit Zimmervermietung und Skilifte.

„Für Restaurants und Bars gibt es ja bereits eine staatliche Regelung, die wir schon übernommen haben, etwa dass ein Mindestabstand von einem Meter zwischen den Gästen gewährleistet werden muss. Deshalb haben wir diesen Bereich von der Empfehlung ausgeschlossen.“

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„Vorbildliches Verhalten, das für Qualität Südtirols spricht“

Landeshauptmann Arno Kompatscher sprach am Montag von einer vorbildlichen Maßnahme, die zwar nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber deshalb umso löblicher sei.

„Der Tourismus geht mit Verantwortung mit der Situation um, was für die Qualität Südtirols spricht“, so Kompatscher.

Es sei ein wichtiger Beitrag im Versuch, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen: „Das ist eben Südtirol: Wir haben den Anspruch, seriös und professionell sowie vorausschauend mit dieser Herausforderung umzugehen.“

Tiefenthaler: „Hoffen auf Unterstützung von Land und Staat“

Leo Tiefenthaler, Präsident des Südtiroler Bauernbundes, sprach ebenfalls die Empfehlung aus, die touristischen Betriebe zu schließen.

„Gleichzeitig erwarten wir uns von Land und Staat die notwendige Unterstützung, nicht nur moralisch, sondern auch finanziell“, so Tiefenthaler.

Man müsse vor allem auch die kleinen Betriebe schützen, die von dieser Situation hart getroffen werden.

Kompatscher entgegnete, die Landesverwaltung würde alles ihr mögliche tun, gemeinsam mit dem Staat diese Entscheidung im Rahmen des Pakets zu unterstützen.

„Wir können nicht so tun, als ob nichts wäre“, so Kompatscher. Er sei jedoch überzeugt, dass auch dank dieser Maßnahmen gute Chancen bestehen, eine Ausbreitung des Coronavirus besser und schneller vorzubeugen und bald wieder zur Normalität zurück kehren zu können.

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liz

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