Der Geschäftsführer des Kollegiums der Bauunternehmer, Thomas Hasler, spricht von einer „toxischen Kombination“, die derzeit die Bauwirtschaft einbremse: „Die seit geraumer Zeit sehr hohe Inflation, die die Kaufkraft der Südtiroler schmälert, gepaart mit den stark gestiegenen Zinsen, haben die Nachfrage spürbar gedrosselt. Wir sehen das vor allem im Bereich des privaten Wohnbaus“, erläutert er. <h3> Minus 42 Prozent im zweiten Quartal </h3>Im ersten Halbjahr belief sich die genehmigte Kubatur bei Wohngebäuden auf 393.000 Kubikmeter. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2022 sind die Genehmigungen um über 20 Prozent, also um mehr als ein Fünftel zurückgegangen. Von Jänner bis Ende Juni 2022 wurde nämlich noch eine Kubatur für Wohnzwecke von über 495.000 Kubikmeter genehmigt. Interessant ist, dass die Flaute erst im zweiten Quartal so richtig einsetzte: Während in den ersten 3 Monaten noch ein Plus von 18 Prozent verzeichnet wurde, brachen die Baugenehmigungen im zweiten Quartal um 42,2 Prozent ein. <BR /><BR />Bei Nicht-Wohngebäuden hat es laut Astat einen Rückgang bei der genehmigten Kubatur von rund 10 Prozent auf 893.000 Kubikmeter gegeben, im ersten Halbjahr 2022 waren es noch 993.000.<BR /><BR />Insgesamt erteilten die Südtiroler Gemeinden – im Wohn- und Nicht-Wohnbereich – Baugenehmigungen für eine Gesamtkubatur von 1,28 Millionen Kubikmeter, was einem Rückgang von 13,5 Prozent gegenüber demselben Vorjahreszeitraum entspricht. <BR /><BR /><embed id="dtext86-60742005_quote" /><BR /><BR /> Neben den genannten Investitionsbremsen Inflation und Zinsen macht Hasler noch einen weiteren Faktor für die sinkende Bautätigkeit im Land aus: „Das Raumordnungsgesetz, das mit Juli 2020 in Kraft getreten ist, hat für eine gewisse Abkühlung ab Mitte 2021 gesorgt.“ Der dämpfende Effekt sei etwas zeitverzögert zu beobachten gewesen. „Dazu kommt, dass es auch jetzt noch einige Unsicherheiten bei der Raumordnung gibt, beispielsweise fehlen bis heute einzelne Durchführungsbestimmungen etwa im Bereich der Siedlungsgrenzen.“ <BR /><BR />Wie es nun weitergeht, hängt laut Hasler vor allem von der Entwicklung bei der Teuerung und den Kosten für die Finanzierung zusammen. „Bleiben die Inflation und die Zinsbelastung hoch, wird es kaum einen baldigen Aufschwung geben können.“ <h3> PNRR-Nachfrage wichtig </h3>Anlass zur Hoffnung für die Bauwirtschaft gibt, dass die öffentliche Nachfrage durch die Mittel aus dem gesamtstaatlichen Wiederaufbaufonds PNRR angekurbelt werde. „Das ist in der momentanen Phase besonders wichtig für unsere Betriebe.“<BR />