Wäre ein solches Modell – frisches Kapital vom Markt bei weiterhin öffentlicher Kontrolle – auch für Alperia denkbar?<BR /><BR />Anvisiert wird eine Notierung bis Jahresende, wahrscheinlicher zu Beginn des vierten Quartals. Voraussetzung bleibt freilich ein günstiges Marktumfeld. Die angepeilte Bewertung soll laut Medienberichten zwischen 3 und 4 Milliarden Euro liegen.<BR /><BR />Nach den derzeit geprüften Plänen könnten im Zuge des Börsengangs rund 22 Prozent der Aktien platziert werden. Die Mehrheit soll aber weiterhin in öffentlicher Hand bleiben. <BR /><BR />Dolomiti Energia wird maßgeblich von der Provinz Trient, der Gemeinde Trient und der Gemeinde Rovereto getragen. Daneben sind auch private Investoren beteiligt, darunter Equitix mit 5 Prozent, die Fondazione Caritro mit 5,4 Prozent und das Istituto di Sviluppo Atesino (Isa) mit 4,2 Prozent.<h3> Pläne nicht unumstritten</h3>Unumstritten ist der geplante Börsengang im Trentino nicht. Gewerkschaften und Teile der Politik fordern verbindliche Garantien für die öffentliche Kontrolle; Umwelt- und Bürgerinitiativen warnen vor einer schleichenden Privatisierung von Wasser und Wasserkraft. Jüngst bremste sogar die Trentiner Landesregierung, also der Hauptgesellschafter, und drängte auf eine breite politische Abstimmung.<BR /><BR />Dolomiti Energia zählt zu den wichtigsten Energieunternehmen Norditaliens. Der Konzern ist der viertgrößte Wasserkraftproduzent Italiens und betreibt 39 Standorte. Rund 98 Prozent der eigenen Stromproduktion stammen aus erneuerbaren Quellen. Neben der Energieproduktion ist die Gruppe auch in der Strom- und Gasverteilung, im Vertrieb sowie in der Abfallwirtschaft tätig.<BR /><BR />Zuletzt erzielte Dolomiti Energia rund 2,3 Milliarden Euro Umsatz im Jahr, ein Ebitda von 491 Millionen Euro und verfügte über ein Eigenkapital von knapp 1,5 Milliarden Euro. Die Investitionen beliefen sich auf 324 Millionen Euro, die Nettofinanzverschuldung auf 601 Millionen Euro.<h3> Frisches Geld für Milliardeninvestitionen</h3>Der Konzern will weiter wachsen. Bis 2030 soll das operative Ergebnis auf 600 Millionen Euro steigen. Dafür ist ein Investitionsplan von insgesamt 2,1 Milliarden Euro vorgesehen. Das Geld soll unter anderem in die Modernisierung der Netze, in digitale Systeme und in den Ausbau grüner Energieanlagen fließen.<BR /><BR />Ein erster Test am Kapitalmarkt verlief bereits erfolgreich. Im vergangenen Oktober platzierte Dolomiti Energia einen Green Bond über 300 Millionen Euro mit fünfjähriger Laufzeit und einem Fixzins von 3,5 Prozent. Konzernchef Stefano Granella bezeichnete die Anleihe damals als eine Art „Generalprobe“ für einen möglichen Börsengang. Eine Börsenöffnung bringt Eigenkapital – und damit die Möglichkeit, Milliardeninvestitionen zu finanzieren, ohne die Bilanz immer weiter zu belasten.<BR /><BR />Für Südtirol ist die Entwicklung auch deshalb interessant, weil Alperia den Kapitalmarkt in den vergangenen Jahren ebenfalls bereits mehrfach genutzt hat. Der öffentliche Green Bond von 2023 über 500 Millionen Euro richtete sich an qualifizierte Investoren. 2024 folgte ein weiterer Green Bond über 250 Millionen Euro, der auch Privatanlegern offenstand. Was Dolomiti-Chef Granella als „Generalprobe“ für einen Börsengang bezeichnete, hat Alperia in ähnlicher Form also bereits hinter sich.<BR /><BR />Es gibt zudem konkrete Berührungspunkte zwischen den beiden Energiegruppen: Alperia und Dolomiti Energia betreiben gemeinsam das Elektromobilitäts-Joint-Venture Neogy; außerdem halten beide jeweils 50 Prozent an SF Energy, der Gesellschaft hinter dem Wasserkraftwerk St. Florian in Neumarkt.<BR /><BR /><embed id="dtext86-74729809_quote" /><BR /><BR />Für Alperia-Generaldirektor Luis Amort sind die Trentiner Pläne allerdings nicht ohne Weiteres auf Südtirol übertragbar. „Man muss wissen, in welchem Kontext man sich bewegt“, sagt Amort. Eine Öffnung der Alperia über die Börse – etwa durch die Platzierung von 10, 15 oder 20 Prozent der Anteile – wäre mit Blick auf die heutigen Eigentümer „schwer vorstellbar“. <BR /><BR />Damit würde man in einen besonders sensiblen Bereich eingreifen, nämlich in die Eigentümerstruktur. Aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht hätte ein solcher Schritt zwar durchaus Vorteile, räumt Amort ein. Alperia sei aber keine beliebige Aktiengesellschaft, sondern ein strategisches Unternehmen in öffentlicher Hand.