Dienstag, 22. Dezember 2020

Trotz Coronakrise heuer mehr Börsengänge als im Vorjahr

Trotz der Coronapandemie, die weltweit für Einbrüche der Konjunktur gesorgt hat, hat es heuer mehr Unternehmen an die Börse gezogen als im Vorjahr. Mit 1322 Firmen feierten weltweit um 15 Prozent mehr Unternehmen ihr Börsendebüt als 2019.

Der chinesische Online-Händler JD.com ging heuer an die Börse.
Der chinesische Online-Händler JD.com ging heuer an die Börse. - Foto: © APA (AFP) / WANG ZHAO
Auch das Emissionsvolumen stieg um 26 Prozent auf 263 Milliarden Dollar (214,5 Milliarden Euro). Vor allem in China und den USA gab es starke Zuwächse. Neben Technologiekonzernen dominierten vor allem Firmen aus dem Gesundheitssektor.

„Auf den ersten Blick erscheint es ungewöhnlich, dass in einem so schwierigen Jahr wie 2020 Börsengänge derartig boomen“, sagte Gerhard Schwartz, Partner bei EY Österreich. „Allerdings ist ein wichtiger Treiber des IPO-Geschehens nach wie vor die enorm hohe Liquidität, die im Markt ist und nach Anlagemöglichkeiten sucht.“

Die Zahl der Börsengänge sage überdies weniger über die Gegenwart und mehr über die Zukunft aus, so Schwartz. Die Pandemie verleihe der Digitalisierung und damit Technologieunternehmen eine gewaltigen Schub und beschleunige die Entwicklung vieler anderer Branchen, die sonst sehr viel länger brauchen. „In diesem Jahr haben einige Trends enorm an Bedeutung gewonnen - und damit auch vielversprechenden Börsenkandidaten zu neuen Wachstumschancen verholfen“, sagte Schwartz.

Zuwachs vor allem bei Technologie- und Gesundheitssektor

Neben Technologiekonzernen, deren Börsengänge ein Drittel der weltweiten Emissionserlöse und knapp ein Viertel aller IPOs ausmachten, dominierten vor allem Firmen aus dem Gesundheitssektor. Diese waren für 17 Prozent der weltweiten Börsengänge und 19 Prozent der Erlöse verantwortlich.

Die größte Transaktion war das Debüt des chinesischen Chip-Herstellers Semiconductor Manufacturing International, der 7,6 Milliarden US-Dollar einbrachte. An 2. und 3. Stelle rangieren ebenfalls chinesische Unternehmen, nämlich der Online-Händler JD.com (Volumen: 4,5 Milliarden Dollar) und der Hochgeschwindigkeitsbahnbetreiber Beijing-Shanghai High Speed Railway (Volumen: 4,4 Milliarden Dollar). Insgesamt gab es in China heuer 514 Börsengänge (plus 41 Prozent zum Vorjahr) mit einem Emissionsvolumen von insgesamt 116 Milliarden Dollar (plus 51 Prozent).

In den USA stieg die Zahl der Transaktionen um 32 Prozent auf 222 und das Emissionsvolumen um 69 Prozent auf 867 Milliarden Dollar. Mit weit schwächeren Wachstumsraten zeigte sich Europa mit 176 Börsengängen (plus 17 Prozent) und einem Emissionsvolumen von 27 Milliarden Dollar (plus 9 Prozent).



apa