Freitag, 02. März 2018

Trump kündigt Strafzölle an: Sorge vor Handelskrieg

Nach der Ankündigung von Strafzöllen auf Importe von Stahl und Aluminium durch US-Präsident Donald Trump wächst die Sorge vor einem Handelskrieg. Wie der Präsident am Donnerstag mitteilte, sollen die Zölle für Stahl bei 25 Prozent und für Aluminium bei zehn Prozent liegen. Die EU kündigte eine „entschlossene” Reaktion an, Kanada nannte Strafzölle „inakzeptabel”. Die US-Börse ging auf Talfahrt.

Trump will die Strafzölle kommende Woche verhängen Foto: APA (AFP)
Trump will die Strafzölle kommende Woche verhängen Foto: APA (AFP)

Bei einem Treffen mit US-Branchenvertretern sagte Trump, er wolle die Strafzölle kommende Woche verhängen. Sie sollten für eine lange Zeit gelten. Er nannte es „schändlich”, dass die heimische Branche über Jahrzehnte hinweg durch die ausländische Konkurrenz beschädigt worden sei. Durch die Schutzzölle könnten die US-Unternehmen deutlich wachsen und neue Jobs schaffen.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker erklärte daraufhin, die Europäische Union werde entsprechend reagieren, „um ihre Interessen zu verteidigen”. Die Kommission werde in den kommenden Tagen einen Vorschlag für Gegenmaßnahmen vorlegen. Diese sollten im Einklang mit den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) stehen.

Eine scharfe Reaktion kam auch aus Kanada: Handelsminister Francois-Philippe Champagne nannte mögliche US-Strafzölle für Stahl oder Aluminium aus Kanada „inakzeptabel”. Außenministerin Chrystia Freeland betonte, Kanada kaufe mehr Stahl aus den USA als jedes andere Land der Welt.

Trump sprach am Donnerstag auch mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, verlautete aus dem Weißen Haus. Außerdem seien „aufrichtige und konstruktive” Gespräche mit dem Wirtschaftsberater des chinesischen Präsidenten Xi Jinping, Liu He, geführt worden. Die US-Seite, angeführt von Finanzminister Steven Mnuchin, habe dabei die Bedeutung von „fairen und wechselseitigen Handelsbeziehungen” unterstrichen.

In Brasilien und Mexiko wurde die Ankündigung der Strafzölle mit Sorge aufgenommen. „Sollte sich das bestätigen, würde das einen Effekt auf die Exporte in beiden Sektoren haben”, teilte die brasilianische Regierung am Donnerstag mit. „Die brasilianische Regierung schließt nicht aus, ergänzende Maßnahmen auf multilateraler oder bilateraler Ebene zu ergreifen.” Brasilien ist der zweitwichtigste Stahlimporteur in die USA.

Der mexikanische Verband der Stahlindustrie erklärte seinerseits, er erwarte sofortige Gegenmaßnahmen, sollten die Vereinigten Staaten Stahlimporte aus Mexiko tatsächlich mit einem Zoll in Höhe von 25 Prozent belegen. Mexiko steht gemeinsam mir Russland an vierter Stelle der größten Stahlimporteure in die USA. Allerdings exportieren die Vereinigten Staaten mehr Stahl nach Mexiko als umgekehrt.

An der US-Börse fiel der Leitindex Dow nach Trumps Ankündigung um 2,3 Prozent - aus Sorge vor einer höheren Inflation wegen Strafzöllen und möglichen Vergeltungsmaßnahmen von Handelspartnern. Er schloss bei 24.610 Punkten mit 1,7 Prozent im Minus. Zu den Verlierern gehörten exportorientierte Unternehmen wie Boeing und General Motors sowie Technologiekonzerne wie Apple und Cisco Systems. Zu den Gewinnern gehörten die Firmen Century Aluminium und US Steel.

Weitere Einzelheiten zu den Strafzöllen hatte Trump zwar noch nicht genannt. Damit blieb unklar, ob es eventuell Ausnahmen für Importe aus bestimmten Ländern geben könnte. Allerdings schienen die Äußerungen des Präsidenten darauf hinzudeuten, dass die Strafzölle pauschal für alle Importe gelten könnten. Dies würde die europäischen und deutschen Exporteure empfindlich treffen.

Der wichtigste österreichische Stahlproduzent voestalpine reagierte gelassen. Die voestalpine sei „mit dem Großteil ihrer Aktivitäten von den geplanten Maßnahmen nicht berührt”, teilte CEO Wolfgang Eder am Donnerstagabend der APA mit. Voestalpine tätige nämlich etwa zwei Drittel der US-Umsätze von rund 1 Mrd. Euro als lokaler Erzeuger in den USA, wo auch 3.000 einheimische Mitarbeiter beschäftigt werden.

Die deutsche Metallbranche appellierte an die EU, „rasch” zu handeln. Die USA verstießen mit den von Trump angekündigten Zöllen eindeutig gegen die WTO-Regeln, erklärte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff. Die EU müsse „konsequent mit den Instrumenten dagegen vorgehen, die die WTO hierfür bereitstellt”.

Toyota warnt 

Der weltgrößte Autohersteller Toyota warnte indes vor höheren Autopreisen in den USA durch die Strafzölle. Autohersteller, Zulieferer und Konsumenten würden durch die Entscheidung benachteiligt, teilte das japanische Unternehmen am Freitag mit. Toyota selbst bezieht 90 Prozent des Stahls und Aluminium für seine in den USA produzierten Fahrzeuge aus dem Land.

Handelsminister Wilbur Ross hatte Mitte Februar eine Reihe von Vorschlägen an den Präsidenten veröffentlicht, wie die Stahl- und Aluminiumimporte in die USA reduziert werden können. Die EU wie auch China hatten deshalb bereits im Vorfeld von Trumps Ankündigung mit Gegenmaßnahmen gedroht.

Offiziell begründet die US-Regierung die protektionistischen Maßnahmen mit einem bisher kaum angewendeten Gesetzesartikel, der den Schutz der heimischen Produktion aus nationalen Verteidigungsinteressen vorsieht. Die Argumentation lautet, dass Stahl und Aluminium für das US-Militär und die Infrastruktur von zentraler Bedeutung seien und sich die USA deshalb nicht von der Produktion anderer Länder abhängig machen dürften.

Ross hatte drei alternative Vorschläge gemacht: pauschale neue Zölle für Importe aus allen Ländern, besonders hohe Zölle auf Einfuhren aus einer Gruppe ausgewählter Länder oder Einfuhrquoten statt Strafzöllen für sämtliche Importe. Trump hat sich nun offenbar für die erste Variante entschieden.

apa/ag.

stol