Dienstag, 26. Juni 2018

Trump rügt Harley-Davidson für Flucht vor Zöllen

Der US-Motorradhersteller Harley-Davidson verlagert wegen der EU-Vergeltungszölle auf amerikanische Waren einen Teil seiner Produktion aus den USA ins Ausland. US-Präsident Donald Trump reagierte in der Nacht auf Dienstag irritiert. Für Trump ist der Schritt des weltbekannten Motorradherstellers ein Rückschlag.

Harley will dem Präsidenten den Rücken zukehren Foto: APA (AFP)
Harley will dem Präsidenten den Rücken zukehren Foto: APA (AFP)

Eines der erklärten Ziele von Trumps Wirtschaftspolitik ist es, Unternehmen dazu zu bewegen, vermehrt in den USA zu produzieren und neue Jobs zu schaffen. „Überrascht, dass Harley-Davidson von allen Unternehmen als erstes die weiße Flagge hisst”, twitterte er nun.

Das Unternehmen hatte erklärt, durch den Schritt solle eine Preiserhöhung für Kunden in Europa vermieden werden. Dass Harley-Davidson nun wegen des vom US-Präsidenten initiierten Handelskonflikts Teile der Produktion ins Ausland verlagern will, konterkariert die Strategie des Weißen Hauses.

Nichtsdestotrotz zeigte sich Trump optimistisch, dass Harley-Davidson am Ende der Verhandlungen gar keine Zölle auf Verkäufe an Kunden in der EU zahlen werde. Das Unternehmen hatte argumentiert, die Anhebung der EU-Zölle von bisher 6 auf 31 Prozent mache ein Motorrad von Harley-Davidson in Europa im Schnitt um 2200 Dollar teurer. Bis die Verlagerung der Produktion binnen 9 bis 18 Monaten über die Bühne geht, werde Harley-Davidson diese Kosten selbst tragen. Das bedeute allein für den Rest dieses Jahres eine Belastung von voraussichtlich 30 bis 45 Millionen Dollar.

Werke außerhalb der USA hat Harley-Davidson derzeit in Brasilien, Indien und Thailand. Diese Fabriken sollen nun ausgebaut werden. Harley-Davidson machte keine Angaben dazu, welche genauen Folgen die Verlagerung für Beschäftigtenzahlen und Standorte in den USA haben werde.

Mit den am vergangenen Freitag in Kraft getretenen Vergeltungszöllen für US-Produkte wie Whiskey, Jeans, Reis, Mais und Motorräder reagierte die EU auf zuvor von Trump verhängte Sonderabgaben auf Stahl- und Aluminiumeinfuhren aus Europa. Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire kündigte nun auch Gegenreaktionen Europas bei US-Zöllen auf Autos an. „Wenn die USA uns erneut mit einer Zollerhöhung um 20 Prozent auf Autos treffen, werden wir wieder reagieren”, sagte er am Montag. „Wir wollen keine Eskalation, aber wir sind die, die angegriffen werden.”

apa/dpa/ag.

stol