Mittwoch, 07. März 2018

UBS-Präsident Weber warnt vor „Eigentoren“ beim Brexit

Der Präsident der Schweizer Großbank UBS, Axel Weber, warnt vor einem Abzug des Euro-Clearings aus London. „Wir müssen sehr aufpassen, dass wir beim Thema Brexit keine Eigentore schießen“, sagte Weber am Mittwochabend auf einer Veranstaltung der „Börsen-Zeitung“ in Frankfurt. „Frankfurt dürfte vom Brexit zwar profitieren, aber der Hauptprofiteur könnte New York sein.“

Der Präsident der Schweizer Großbank UBS, Axel Weber, warnt vor einem Abzug des Euro-Clearings aus London.
Der Präsident der Schweizer Großbank UBS, Axel Weber, warnt vor einem Abzug des Euro-Clearings aus London. - Foto: © shutterstock

Wenn die Abwicklung von Derivaten aus London abgezogen werde, würde sich der Markt zum Nachteil aller zersplittern, warnte der ehmalige Bundesbank-Präsident.

Stattdessen plädierte er dafür, dass die Europäische Union und die Europäische Zentralbank in London die Abwicklung von auf Euro lautenden Derivategeschäften überwachen können. Der hessische Finanzminister Thomas Schäfer hält das nicht für realistisch, Großbritannien sei nicht bereit, der EU nach dem Brexit irgendwelche Kontrollkompetenzen zuzugestehen. „Wenn es Zugriffsrechte für europäische Aufsichtsbehörden gibt, dann ist der Vorschlag diskussionswürdig“, sagte Schäfer.

Insgesamt werden pro Tag Derivate-Transaktionen in einem Volumen von einer Billion Euro verrechnet, ein Großteil davon in London. Die Konkurrenten in der EU-27 setzen darauf, dass nach dem Brexit zumindest ein Teil des Clearings nach Kontinentaleuropa abwandern wird. Die Deutsche Börse, die in dem Geschäft bisher nur eine Nebenrolle spielt, will ihren Marktanteil bis Ende kommenden Jahres auf 25 Prozent steigern.

Fehlende Fortschritte zwischen EU und Brexit

Weber bemängelte die fehlenden Fortschritte bei den Verhandlungen zu den künftigen Beziehung zwischen der EU und Großbritannien. Großbritannien verachte die Brenzligkeit der Situation, die EU wiege sich noch zu stark in Sicherheit, dass am Ende doch noch ein Kompromiss gelingen wird. „Wir hoffen auf massive Fortschritte in den nächsten Monaten“, sagte der UBS-Präsident.

Goldman Sachs bereite sich beim Brexit auf den „Worst Case“ vor, dass sich die EU und Großbritannien nicht auf eine Übergangsperiode einigen könnten. Daher fange die Bank an, die Infrastruktur in der EU aufzubauen und hochrangige Banker nach Frankfurt zu ziehen. Neben Frankfurt dürfte Paris von den Verlagerungen bei Goldman Sachs profitieren. „Die zwei Städte auf die wir am meisten schauen, sind Frankfurt und Paris“, sagte der Deutschland-Co-Chef von Goldman, Jörg Kukies. Insider hatten der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, mehr als einem Dutzend Angestellten von Goldman Sachs mit deutschen Kunden sei mitgeteilt worden, dass ihr Geschäft nach Frankfurt verlegt werde. Der Umzug in die Frankfurter Büros solle bis Ende Juni erfolgen.

apa/reuters

stol