Mittwoch, 24. Mai 2017

„Über Mittag zu öffnen, ist ein Muss“

Im eigenen Dorf einkaufen oder doch im Shoppingcenter am Stadtrand oder aber online: Der Kunde hat heute viele Möglichkeiten. Umso wichtiger ist es, ihn mit einem attraktiven Angebot und ideal abgestimmten Öffnungszeiten zu locken, so der hds-Präsident im STOL-Interview. Vor allem die kleinen Geschäfte sind gefragt.

Walter Amort, hds-Präsident.
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Walter Amort, hds-Präsident.

Handel und Ortskerne - quo vadis? Unter diesem Titel findet am Mittwochabend die Hauptversammlung des Verbandes statt. STOL hat bereits vorab nachgefragt.

Südtirol Online: Jedes kleine Dorf hat bald eine Ortsumfahrung. Ist das für den Handel nicht kontraproduktiv?

Walter Amort, hds-Präsident: Wir haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Wenn sich Ortskerne klar positionieren, können sie an Attraktivität gewinnen, auch wenn Verkaufswege verschoben werden. Wenn Konzepte entwickelt werden, Parkplätze realisiert, verkehrsberuhigte Zonen ausgewiesen, dann können die Orte gewinnen.

STOL: Wie steht es mit den Öffnungszeiten der Geschäfte?

Amort: Dabei muss man differenzieren: Dass die großen Lebensmittelkonzerne sonntags aufmachen, finde ich nicht ideal als Entwicklung, da es eine Verschiebung bedeutet. Nicht so sehr, dass die anderen unter der Woche weniger Geschäft machen, als die Verlagerung auf den Sonntag. Das ist ein Problem, dem wir durch die Gesetzgebung momentan nichts entgegensetzen können. Wichtig wird indes, über Mittag offen zu halten oder die Mittagspause so kurz wie möglich zu halten – und die Öffnungszeiten maximal an die Kunden anzupassen. Es geht nicht, dass ich meine strikten Öffnungszeiten bis 12 und von 15 bis 19 Uhr stur beibehalte. Da müssen die Kleinen sich auch bewegen und das geht auch durch Verschiebung und mehr Flexibilität. Es ist schwieriger für kleine Geschäfte, aber ein Muss.

STOL: Wie steht es mit Angeboten wie etwa langen Einkaufsabenden?

Amort: Das sind nette Geschichten, die im Sommer durchaus Attraktivität haben. Das sind jedoch nicht die umsatzstärksten Aktionen. Einzelne Aktionen sind durchaus unterstützenswert, doch übertriebene Öffnungszeiten werden irgendwann nicht mehr handelbar.

STOL: Und in Sachen Preise?

Amort: Wenn ein Betrieb mit dem Preis nicht konkurrieren kann, ist er nicht überlebensfähig. Wenn der Preis nicht passt, verkauft kein Geschäft mehr gut. Der Vergleich ist heute über Internet überall möglich. Rein von dem her ist das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht mehr so ein großes Thema, wie es einmal war.

STOL: Landeseinkaufszentrum da, Benko-Kaufhaus dort:  Wie geht man mit dieser Entwicklung um?

Amort: Grundsätzlich sind Bereicherungen in den Städten positiv. Wir sind dagegen, wenn künstliche Zentren außerhalb entstehen. Denn wir haben die Erfahrung gemacht, dass solche Zentren eine relativ kurze Überlebensdauer haben. Nach 10 Jahren sind sie überholt. Die Altstadt hingegen wird zunehmend wertvoller durch die Vielfältigkeit der verschiedenen Akteure, das Zusammenspiel mit Gastronomie und Dienstleistungen, die Ämter und kulturellen Angebote. Die Investitionen in den Orten sind zwar etwas anstrengender, weil sie auf höhere Kosten und limitiertere Räumlichkeiten stoßen, aber man kauft sich die Präsenz mit ein, man muss sie nicht extra generieren. Das ist sowohl die richtige Antwort auf die Onlinekäufe als auch auf die Einkaufsflucht. Attraktivität in den Ortszentren ist ein Grundbedürfnis der Kunden. Ich glaube, dass wir damit punkten können.

STOL: Der hds will sich als Kompetenzzentrum für Orts- und Stadtentwicklung etablieren…

Amort: Es geht vor allem darum festzulegen, wo die besten Entwicklungsstandorte für den Einzelhandel sind. Um Vielfalt und Attraktivität in die Ortschaften zu bringen, und so eine verstärkte Strahlkraft und damit ein stärkeres Interesse zu generieren. Dahinter stehen wirtschaftliche Überlegungen, um die Qualität des Lebensraums Südtirol zu verstärken. Der hds will Kompetenzen aufbauen und die effektive Attraktivität der Ort unserer Partner messen und dann in der Lage sein, den Entscheidungsträgern, Betrieben aber auch Gemeinden, für die Entwicklung faktische Entscheidungsgrundlagen zu liefern, in welche Richtung sich die Attraktivität bewegt.

Interview: Petra Kerschbaumer

stol