4 Mal im Jahr hört sich das AFI in Südtirol um, um die Stimmung bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu erfassen. Konkret befragt es sie unter anderem zur eigenen finanziellen Lage und zu den Erwartungen an die Südtiroler Wirtschaft. <h3> 4 von 10 kommen mit dem Geld nicht ans Monatsende</h3>Wie schon bei vergangenen Befragungen bestätigte sich auch diesmal das Problem des Kaufkraftverlustes. 40 Prozent der Befragten gaben laut AFI an, nur mit Mühe über die Runden zu kommen, da das Geld nicht bis zum Monatsende reicht (für 7 Prozent ist dies „sehr schwierig“, für 33 Prozent „schwierig“). Mit einem Indexwert von minus 14 bewegt sich dieser Indikator in der Nähe seines historischen Tiefs. Besonders prekär Beschäftigte und Personen mit niedriger Qualifikation seien hiervon betroffen. <BR /><BR />Ähnlich kritisch gestaltet sich die Einschätzung der Sparmöglichkeiten in den nächsten 12 Monaten: Während 52 Prozent davon ausgehen, etwas Geld zurücklegen zu können, befürchten 48 Prozent dies nicht zu schaffen. „Die Leidtragenden sind auch hier einmal mehr prekär Beschäftigte und Niedrigqualifizierte.“ <BR /><BR />AFI-Direktor Stefan Perini sieht darin nicht nur ein soziales Problem, sondern auch ein rein wirtschaftliches: „Eine überzogene Lohnzurückhaltung von Seiten der Arbeitgeber birgt das Risiko, dass der Südtiroler Arbeitsmarkt mittelfristig ausgetrocknet wird.“ <h3> Keine Angst, den Job zu verlieren</h3>Mehr Zuversicht scheint bei Südtirols Arbeitnehmern bei den Themen Konjunktur und dem eigenen Arbeitsplatz durch. Ihre Erwartungen hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung in den kommenden 12 Monaten bleiben verhalten optimistisch (Indexwert: plus 6). Die Arbeitslosigkeit dürfte weiter zurückgehen, und das Risiko, den Arbeitsplatz zu verlieren, wird von den Befragten als kaum präsent wahrgenommen. „Die Perspektiven für wechselbereite Personen, eine gleichwertige Anstellung zu finden, bleiben gut, wenn auch nicht mehr auf dem Niveau unmittelbar nach der Corona-Pandemie.“<h3> Der Wachstumsausblick des AFI</h3>Die Forscher des Arbeitsförderungsinstituts (AFI) rechnen 2025 mit einem Wachstum der Südtiroler Wirtschaft um 1,0 Prozent. Zum Vergleich: Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) der Handelskammer Bozen geht laut Prognose von vergangener Woche von 1,2 Prozent aus (wir haben berichtet).<BR /><BR />Die wichtigsten Handelspartner Südtirols, Deutschland (BIP-Prognose 2025: plus 1,2 Prozent) und Österreich (plus 1,1 Prozent), tragen voraussichtlich zur Stabilität bei. Trotz der Zinswende bleiben die Finanzierungskosten laut AFI für Kreditnehmer hoch, weshalb ein signifikanter Investitionsschub oder eine dynamische Entwicklung des Wohnungsmarkts unwahrscheinlich sind. <h3> „Weiter schwächelnde Lohndynamik“</h3>„Zudem bleibt das Szenario einer anhaltend schwächelnden Lohndynamik aufrecht, da das Anreizsystem für die IRAP-Reduzierung aktuell nicht an seriöse Lohngegenleistungen im Sinne von Lohnerhöhungen gekoppelt ist“, meint Perini (siehe auch nebenstehendes Interview). Andererseits sei ein mit 7,92 Milliarden Euro gut dotierter Landeshalt mit „sozialem Antlitz“ ein wichtiger Stabilitäts- und Ausgleichsfaktor.