Betroffen sind vor allem Initiativen, die über reine Betreuung hinausgehen und Kindern besondere Bildungs- und Erfahrungsangebote ermöglichen. Kritik kommt unter anderem vom Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister lvh. <BR /><BR />Dessen Vizepräsident Hannes Mussak verweist auf einen Zielkonflikt: Einerseits werde von politischer Seite mehr Engagement der Wirtschaft für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eingefordert, andererseits würden entsprechende Initiativen durch die neuen Förderkriterien benachteiligt.<h3> „Diese Änderung verändert die Finanzierungsfrage für unser Projekt komplett“</h3>Als konkretes Beispiel nennt Mussak die „Kids Academy“ des lvh. Das Sommerprojekt ermöglicht Kindern, handwerkliche Berufe spielerisch und altersgerecht kennenzulernen. Über acht Projektwochen hinweg arbeiten die Teilnehmenden unter Anleitung von Fachkräften aus dem Schul- und Handwerksbereich an individuell konzipierten Projekten.<BR /><BR /> Dabei entstehen unter anderem kleine Möbelstücke, Gartenhäuschen oder kreative Werkstätten, die die Kinder am Ende auch mit nach Hause nehmen können. Insgesamt nehmen jährlich mehr als 200 Kinder teil.<h3> „Momentan ist alles gestoppt“</h3>Mit der Umstellung der Förderkriterien hätten sich jedoch die finanziellen Rahmenbedingungen grundlegend verändert. Verwaltungs-, Struktur- und Sachkosten sowie Honorare für externe Expertinnen und Experten würden nun in einer sogenannten Restkostenpauschale zusammengefasst, die auf 350 Euro pro Gruppe und Woche begrenzt ist. Zusätzlich liege die Verpflegungspauschale für das Mittagessen bei fünf Euro pro Kind.<BR /><BR /> Nach Angaben des lvh reiche dieser Betrag insbesondere dann nicht aus, wenn kein Zugang zu einer Gemeindemensa besteht und auf externe Cateringdienste zurückgegriffen werden muss.<BR /><BR />„Diese Änderung verändert die Finanzierungsfrage für unser Projekt komplett“, erklärt Mussak. Die Planungen für die Ausgabe 2026 seien bereits im Herbst angelaufen, könnten unter den neuen Bedingungen jedoch nicht weitergeführt werden. „Momentan ist alles gestoppt.“<h3> „Wir sind bereit, über jede mögliche Lösung zu reden“</h3>Zwar bestehe die Möglichkeit, dass Gemeinden bei lokalen Projekten zusätzliche Mittel bereitstellen, doch sei dies nicht überall realistisch. Für die Kids Academy sei die Förderung über die Familienagentur bislang die zentrale finanzielle Säule gewesen. Eine inhaltliche Anpassung an die neuen Kriterien würde nach Ansicht des lvh das Konzept so stark verändern, dass eine Umsetzung nicht mehr sinnvoll erscheine.<BR /><BR />Mussak sieht zudem einen Widerspruch zwischen den erklärten Zielen der Förderung – der Unterstützung qualifizierter sozialpädagogischer Maßnahmen im Sinne der Familienförderung – und den tatsächlichen Auswirkungen auf Projekte mit zusätzlichem Bildungs- und Gesellschaftsmehrwert. Der Verband hofft nun auf eine politische Lösung. Gespräche zu den neuen Förderkriterien hätten bereits stattgefunden, zudem sei ein Termin mit der zuständigen Landesrätin Rosmarie Pamer angefragt worden.<BR /><BR />Ziel sei es, nicht nur die eigene Initiative vorzustellen, sondern auch auf strukturelle Auswirkungen hinzuweisen, die andere Organisationen in ähnlicher Weise betreffen könnten. „Wir sind bereit, über jede mögliche Lösung zu reden“, so Mussak. Er zeigt sich zugleich zuversichtlich, dass ein Ausgleich gefunden werden könne, der sowohl den administrativen Zielen der Reform als auch der Vielfalt außerschulischer Angebote gerecht wird.