Donnerstag, 29. Juni 2017

Unternehmen planen trotz Klimaabkommens neue Kohlekraftwerke

Ungeachtet des Klimaabkommens von Paris planen Unternehmen weltweit den Neubau von mehr als 1.600 Kohlekraftwerken. Ein Teil dieser Anlagen sei bereits im Bau, heißt es in einer am Donnerstag in Berlin veröffentlichten Studie der Umweltschutzorganisation Urgewald.

Ungeachtet des Klimaabkommens von Paris planen Unternehmen weltweit den Neubau von mehr als 1.600 Kohlekraftwerken.
Ungeachtet des Klimaabkommens von Paris planen Unternehmen weltweit den Neubau von mehr als 1.600 Kohlekraftwerken. - Foto: © shutterstock

Würden alle diese Anlagen tatsächlich gebaut, würde dies demnach die derzeitige Kapazität von Kohlekraftwerken weltweit um mehr als 840.000 Megawatt oder rund 42,8 Prozent erhöhen.
„Wenn diese Kraftwerke gebaut werden, werden wir die Klimaschutzziele nicht erreichen“, sagte die Geschäftsführerin von Urgewald, Heffa Schücking, dazu dem „Handelsblatt“. „Selbst wenn nur ein Teil der Projekte umgesetzt wird, ist das Abkommen von Paris wertlos“, warnte Schücking weiter. Sie hob hervor, die weltweiten Klimaschutzpläne ließen sich nur umsetzen, wenn der Anteil von Kohle an der Stromerzeugung deutlich verringert werde.

Auch in Deutschland wird gebaut

Die Neubaupläne betreffen der Studie zufolge 62 Länder. Auch Projekte in Deutschland wie das neue Steinkohlekraftwerk in Datteln sind enthalten. Urgewald listet in der Veröffentlichung auch auf, welche Unternehmen hinter diesen gewaltigen Kohle-Expansionsplänen stecken. Diese Unternehmen seien „eine Bedrohung für die Menschheit, da sie uns alle Chancen nehmen, die Erderwärmung deutlich unter der wichtigen Schwelle von zwei Grad zu halten“, kritisierte Schücking bei der Vorstellung der Daten.

China setzt auf Kohle

In einer Datenbank auf der neu eingerichteten Website www.coalexit.org werden die 120 größten und wichtigsten Kohlekraftwerks-Entwickler genannt. Diese allein seien für etwa zwei Drittel der Neubaupläne mit einer geplanten Gesamtkapazität von 550.000 Megawatt verantwortlich. Die größten Einzelinvestitionen plant demnach die National Thermal Power Corporation (NTPC) mit Sitz in Indien, auf den nächsten Plätzen folgen mehrere chinesische Unternehmen. Letztere zeichnen zusammen für 43 Prozent der insgesamt geplanten Anlagen verantwortlich, von denen ein Teil außerhalb Chinas entstehen soll.

Norwegen ist Vorreiter

Auch auf Drängen von Urgewald und weiteren Umweltorganisationen hatten große Investoren wie der Allianz-Konzern oder der Norwegische Pensionsfonds ihren Rückzug aus Kohlekraft-Projekten angekündigt. Der Studie zufolge bleibt dies allerdings häufig wirkungslos, da es sich bei vielen der Kohlekraftwerks-Entwickler um große Mischkonzerne handle, bei denen der Umsatzanteil der Kohle unter 30 Prozent liege. Damit würden sie von den Ausschlusskriterien der Investmentfonds nicht erfasst.

apa/afp

stol