Sonntag, 10. Januar 2016

Unternehmer-Chef Pan: „Wir brauchen ‚fliegende Autobusse‘“

Der Veranstaltungsort kein Zufall. Am Montagabend ruft Stefan Pan seine 500 Mitglieds-Firmen zum Bozner Flughafen. Warum auch ein Bauer aus dem Ahrntal den Flughafen braucht. Und warum wir „fliegende Autobusse“ bekommen sollen. Der UVS-Präsident im STOL-Gespräch.

Stefan Pan ist überzeugt: Südtirol sei kein Land der Nein-Sager und Bremser.
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Stefan Pan ist überzeugt: Südtirol sei kein Land der Nein-Sager und Bremser. - Foto: © D

Südtirol Online: Montagabend, Unternehmerempfang am Bozner Flughafen. Der Veranstaltungsort ist wohl nicht zufällig gewählt.
Stefan Pan, Präsident des Unternehmerverbandes (UVS): Der Austragungsort des Unternehmerempfangs ist immer ein Zeichen. Heuer lautet die Botschaft: Südtirol ist ein offenes Land. Und um ein offenes Land sein zu können, ist Erreichbarkeit essentiell. Erreichbarkeit, in den verschiedensten Formen: über moderne Datenautobahnen, über den Ausbau der Schiene, aber ganz wesentlich auch über einen funktionierenden Flughafen.

Immer wieder wird über Sozialleistungen debattiert. Über Krankenhäuser, Sanitätsreform. Die Gesundheit braucht viele Ressourcen. Und von irgendwo müssen die herkommen. Wir werden die Ressourcen nur bereitstellen können, wenn wir intelligent, vernetzt produzieren. Wenn wir unser Potential ausspielen können. Ein exportierendes Unternehmen zahlt im Schnitt 40 Prozent höhere Gehälter aus. All das sorgt am Ende dafür, dass der Landeshaushalt gut bestückt wird.  

STOL: Bleiben wir beim Flughafen. Herr Pan, würden Sie sich als Naturfreund bezeichnen?
Pan: Natur, Nachhaltigkeit und Wirtschaftsfähigkeit gehören zusammen. Südtirol geht beispielhaft mit Grund und Boden um: Wäre Südtirol ein Fußballfeld, dann benötige die Industrie nur jene Fläche, die hinter einem Tormann im Tor zu finden ist. Mit diesem Flecklein schaffen wir 23 Prozent am gesamten Bruttosozialprodukt.

Im Bereich der Flugzeugindustrie gibt es hochinteressante Entwicklungen: Turbinen die im 3D-Drucker entstehen, sind viel leichter – und senken den Energiekonsum geradezu dramatisch. Und das bei höherer Leistung. Sie sehen: Intelligente Industrie ist gleichzeitig eine nachhaltige, umweltschonende Industrie.

STOL: Stichwort Ausbau der Schiene. Ist mit dem BBT nicht schon genug Erreichbarkeit für Südtirol in Griffnähe?
Pan: Wir brauchen eine Vielfalt an Erreichbarkeit. Ist ein Land auf mehreren Säulen aufgestellt, ist es stabiler.

STOL: Es leuchtet ein, dass sich die Wirtschaft einen Flughafen wünscht. Wie überzeugen Sie einen Bauern in St. Jakob im Ahrntal von der Notwendigkeit des Bozner Flughafens?
Pan: Der größte Arbeitgeber im ländlichen Bereich ist die Industrie. Man weiß es nur vielleicht nicht.

STOL: Das müssen Sie erklären.
Pan: In 40 Prozent der ländlichen Gemeinden ist die Industrie der größte Arbeitgeber. Denken Sie daran, wie viele Bauern im Nebenerwerb in der Industrie arbeiten und dadurch die Möglichkeit bekommen, den Hof zu bestellen. Und auch der Bauer aus dem hintersten Ahrntal braucht eine Förderung für seinen Bergbauernhof oder ein gutes Krankenhaus. Das Land muss all das finanzieren. Dabei helfen der Tourismus, das Handwerk, aber auch – ganz wesentlich sogar – die Industrie.

STOL: Herzstück des neuen Konzepts ist eine Verlängerung der Start- und Landebahn. Löst sich mit 168 Metern mehr wirklich das Problem des Bozner Flughafens?
Pan: Der Bozner Flughafen kommt in seiner heutigen Form aus dem Stottern nicht heraus. Nur größere Maschinen rechnen sich. Größere Maschinen sind wie Autobusse: Sie transportieren mehr Personen, wobei es immer nur einen Chauffeur braucht. Wir brauchen „fliegende Autobusse“, damit sich’s rechnet. Das sehen wir in Innsbruck und in Salzburg.

STOL: Was sagen Sie der Bevölkerung im Unterland, die bisher nur fliegende 500er gewohnt ist?
Pan: Ich habe mein Büro in Leifers, unter der Einflugschneise. Ab und zu gelingt es mir, die landenden Flieger zu sehen. Aber ich höre sie nicht. Alles andere sind Märchen.

STOL: Kritiker befürchten, fliegende Autobusse könnten mehr Lärm machen.
Pan: Ganz kurz. Wenn ich in Innsbruck am Universitätsplatz stehe, und ein Autobus und ein Flugzeug kommen vorbei, dann macht der Autobus mehr Lärm.

STOL: Wie stehen Sie zu Billigfliegern?
Pan: Die beste Lösung ist ein Flughafen, der für alle zugänglich ist. Das wiederum hängt natürlich auch mit der Erschwinglichkeit der Tickets zusammen.

STOL: Ihr Verband fordert mehr Erreichbarkeit, mehr Export, mehr Vernetzung. Wann hat der UVS genug?
Pan: Wann haben wir genug an Sozialleistungen? Wachstum bedeutet, sich immer wieder neu zu erfinden. In einem Wald, in dem immer wieder neue Bäume entstehen, wächst kein Baum in den Himmel. Wir bemühen uns, immer wieder neue Bäume in allen Größen wachsen zu lassen, damit der Wald vielfältig bleibt und sich regeneriert. Das ist nachhaltiges Wachstum.

STOL: Ihren Kreis haben Sie schön geschlossen. Aber was, wenn am Ende das Volk „Nein“ sagt?
Pan: Südtirol ist ein Land, das positiv denkt, das in die Welt hinausgeht. Südtirol kommt auf eine Exportleistung von über 4 Milliarden Euro. Selbst in der Krise konnten wir die Exporte steigern. Hätte sich Südtirol nicht nach außen orientiert, wären viele Arbeitsplätze verloren gegangen. So allerdings konnten wir die Krise abfedern.

Ich bin überzeugt, dass Südtirol nicht ein Land der Neinsager, der Bremser ist. Nein, Südtirol hat gezeigt, dass es sich als einst armes Land – durch das Zusammenspiel aller Sektoren – sehr gut entwickeln konnte.

STOL: Sind Grüne, Umweltschützer Ewiggestrige?
Pan: Der Dialog ist die Zukunft. Zum Dialog gehört es, sich mit allen Positionen auseinanderzusetzen. Grüne sprechen Bedenken aus, die viele Menschen haben. Darauf müssen wir gemeinsam Antworten finden.

STOL: Riccardo Dello Sbarba forderte vor einigen Wochen Arno Kompatscher möge die Wirtschaftsagenden abgeben, weil er sonst als Landeshauptmann zu wirtschaftslastig sei. Eine Konstellation, die Ihnen in die Hände spielt?
Pan: Diese Konstellation gibt Südtirol die Möglichkeit zu erkennen, dass Wirtschaftspolitik immer nur dann gut ist, wenn sie zugleich gute Sozialpolitik ist. Und umgekehrt. Sozialpolitik braucht Ressourcen. Es müssen die Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden, dass diese Ressourcen generiert werden können. Einen Landeshauptmann zu haben, der die Wichtigkeit der Wirtschaftsagenden erkannt hat, hilft dem ganzen Land.

STOL: Arno Kompatscher ist nun 2 Jahre im Amt. Zufrieden mit dem Landeshauptmann, dem Wirtschaftslandesrat?
Pan: Einige Meilensteine sind erreicht worden. Wichtige Weichenstellungen folgen noch. Ich wünsche mir Mut, damit die Reformen so durchgezogen werden, wie sie angefangen worden sind. Jetzt ist Halbzeit, das Spiel schaut gut aus. Nun müssen wir weiterspielen.

Interview: Petra Gasslitter

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Der Unternehmerempfang beginnt am Montagabend, 18.30 Uhr am Flugplatz Bozen. Flugplatz-Gegner haben eine Kundgebung angekündigt.

stol