Donnerstag, 02. Juli 2015

Urlaub, ja – aber nicht hier

Sonne tanken, schwimmen, relaxen am Strand. Bei Temperaturen wie diesen werden Gedanken an den nächsten Urlaub besonders aufdringlich. Die Lust die Koffer für Tunesien zu packen, ist vielen Südtirolern nach dem vergangenen Freitag allerdings abhandengekommen.

Verlassener Strand in Tunesien: Nach dem Attentat vom Freitag ist die Lust am Urlaub vergangen.
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Verlassener Strand in Tunesien: Nach dem Attentat vom Freitag ist die Lust am Urlaub vergangen. - Foto: © APA/EPA

„Mehr oder weniger alle haben ihre Buchungen storniert.“ Peter Plaickner, der Chef des Reisebüros Mundus in Bozen, kann die Sorge der Urlauber verstehen. Nachdem am Freitag bewaffnete Hotelgäste im Badeort Sousse angegriffen und 38 Touristen getötet haben, wolle „jetzt so und so niemand mehr dorthin fahren“.

Bereits im Vorfeld des Attentats hätten sich die Buchungen für die nordafrikanischen Länder arg in Grenzen gehalten, berichtete Plaickner im Gespräch mit Südtirol Online zu Beginn der Woche. „Nur rund 1 Prozent der Buchungen dieses Jahres entfielen auf Marokko, Tunesien und Ägypten.“ Dazu habe auch der Anschlag auf das Nationalmuseum in Tunis im März dieses Jahres beigetragen.

Auch das Reisebüro Idealtours verzeichnete dieses Jahr ein leichtes Minus bei den Buchungen nach Tunesien. „Tunesien wird bei uns eher für die Wintermonate gebucht“, hieß es aus Sterzing. „Wir haben beispielsweise Buchungen für Oktober und November. Diese Urlauber haben sich bisher nicht wegen möglicher Stornierungen gemeldet.“

„Verunsicherung ist zu spüren“

Anderes Bild bei Alpina Tourdolomit: „Ja, einige Leute haben auch bei uns ihre Reisen annulliert“, erklärte Beraterin Lisa Aichner STOL. „Da ist schon Verunsicherung zu spüren.“

Die Buchungen für Ägypten und Tunesien seien bisher zwar recht gut gewesen, meinte Aichner. Allerdings seien sie, verglichen mit dem Vorjahr, rückläufig. Dabei habe man den Interessierten nicht vor Reisen in den nordafrikanischen Raum abgeraten: „Die Länder sind preisgünstig, die Anlagen gut und für Familien ideal und bisher war es dort relativ ruhig.“

Mit dem Preis kommen die Scheuklappen

Von den guten Preisen, die Nordafrika bietet, kann auch Plaickner vom Reisebüro Mundus ein Lied singen: Natürlich mache es Eindruck, wenn Urlaub „in Spanien 1000 Euro, in Griechenland 800 Euro und in Tunesien nur 400 Euro kostet“. „Sobald’s um den Preis geht, setzen manche Menschen einfach Scheuklappen auf.“

Nun gelte es, jenen Personen, die von der gebuchten Reise zurücktreten wollen, zur Seite zu stehen: „Inwiefern das möglich ist, hängt aber vom Veranstalter ab. Deutsche Reiseanbieter zeigen sich wesentlich kulanter als italienische“, erklärte Plaickner. „Ich persönliche finde die Situation für die Länder selbst sehr bedauernswert. Die ganze Nation lebt hauptsächlich vom Tourismus. Diese Grundlage wird durch Anschläge kaputt gemacht.“

stol

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