Dienstag, 16. Juni 2020

US-Einzelhändler profitieren von „aufgestauter Konsumwut“

Die US-Einzelhändler haben sich nach dem Abklingen der Coronakrise mit einem Umsatz-Rekordplus zurückgemeldet. Sie nahmen im Mai 17,7 Prozent mehr ein als im Vormonat, wie das Handelsministerium in Washington am Dienstag mitteilte. Dies ist der höchste Wert seit beginn entsprechender Statistiken im Jahr 1992.

Besonders die Autoindustrie scheint in den USA wieder zu florieren.
Besonders die Autoindustrie scheint in den USA wieder zu florieren. - Foto: © shutterstock
Insbesondere die Autobranche konnte sich über einen Zuwachs von 44,1 Prozent bei Pkws und Fahrzeugteilen freuen. Im April hatten die US-Einzelhändler allerdings einen Rekord-Einbruch erlitten – revidierten Zahlen zufolge um 14,7 Prozent.

Von Reuters befragte Ökonomen hatten für Mai lediglich mit einem Plus von 8,0 Prozent gerechnet. „Die Erholung der Einzelhandelsumsätze nach dem Tiefschlag im April fällt viel deutlicher aus als erwartet und das absolute Niveau des Monats März konnte wieder erreicht werden“, meint Ökonom Ralf Umlauf von der Helaba. „Die US-Verbraucher ließen es nach den Eindämmungsmaßnahmen krachen. Man kann fast schon von aufgestauter Konsumwut sprechen“, so Chefökonom Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank.

Der private Konsum macht mehr als 2 Drittel der US-Wirtschaftsleistung aus. Die Coronakrise hat in den USA Vollbeschäftigung in Massenarbeitslosigkeit umschlagen lassen: Mehr als 20 Millionen Amerikaner verloren im April ihren Job, bevor im Mai ein vorläufiges Ende des Abwärtstrends einsetzte und wieder 2,5 Millionen Jobs geschaffen wurden.

Die US-Notenbank Fed geht im Mittel davon aus, dass die Arbeitslosenquote zum Jahresende noch bei 9,3 Prozent liegen wird. Auch Ökonomieprofessor Sung Won Sohn von der Loyola Marymount University in Los Angeles erwartet, dass es trotz des jüngsten Umsatzanstiegs bei den Einzelhändlern „noch eine geraume Zeit“ dauern wird, bis die Konjunktur zumindest das Niveau vom Jahresanfang wieder erreicht haben wird.

apa/reuters

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