Dienstag, 30. August 2016

USA: Studienkredite bedrohen die Wirtschaft

Wer in den USA studiert, macht neben seinem Abschluss oft auch jede Menge Schulden. Schulden, die viele Amerikaner ein Leben lang begleiten. Einen billionenschweren und rasant wachsenden Berg von Studienkrediten schiebt das Land inzwischen vor sich her. Jetzt warnt die Ratingagentur Moody's: Die steigende Schuldenlast bedroht den US-Konsum und damit den wichtigsten Pfeiler der Volkswirtschaft.

Studienkredite bedrohen die US-Wirtschaft
Studienkredite bedrohen die US-Wirtschaft - Foto: © shutterstock

„Die Studienkredite in den USA betragen nun mehr als 1,3 Billionen Dollar und diese Zahl dürfte in absehbarer Zeit weiter zunehmen“, sagt Moody's-Analyst Charles O'Shea. „Studienkredite sind nach Hypotheken mittlerweile die zweitgrößte Schuldenquelle der US-Haushalte“, erläutert Expertin Susan Dynarski von der Brookings Institution. Sieben Millionen Kreditnehmer könnten ihre Schulden nicht mehr bedienen und Millionen mehr seien in Zahlungsverzug.

Sehr hohe Studienkredite

Das Hochschulsystem in den USA ist für Studenten deutlich teurer als etwa in Deutschland. 2015 wurden an privaten Colleges im Schnitt 32.405 Dollar pro Jahr an Gebühren fällig. Auch die öffentlichen Einrichtungen gehen ins Geld. Je nachdem, ob US-Bürger im eigenen Bundesstaat oder in einem anderen studieren, liegen die jährlichen Kosten durchschnittlich bei 9.410 oder 23.893 Dollar.
Diese Summen kann kaum ein Student aus eigener Tasche stemmen. Wer keine reichen Eltern hat, die bereit sind zu zahlen, nimmt deshalb in der Regel einen Kredit auf.

Pro Jahr werden 160 Milliarden Dollar fällig

Laut Experte O'Shea werden in den USA jährlich 160 Milliarden Dollar fällig, um diese Schulden abzubezahlen. Zum Vergleich: Das sind fast 50 Milliarden Dollar mehr als der letzte Jahresumsatz des weltgrößten Online-Händlers Amazon. Bei Konsumentenschulden gibt es zudem in keinem Bereich höhere Ausfallraten als bei den Studienkrediten.
Beunruhigend ist auch das Tempo, mit dem die Verschuldung zunimmt. Während die Einkommen von College-Absolventen in den letzten sieben Jahren im Schnitt um lediglich drei Prozent zugelegt hätten, seien die Schulden im gleichen Zeitraum um rund 53 Prozent geklettert, rechnet O'Shea vor.

Schuldenfalle lauert

Wer trotz Abschluss keine oder nur schlecht bezahlte Jobs findet, landet in der Schuldenfalle. Erschwerend hinzu kommt, dass der Markt für Darlehen als Becken voller Kredithaie gilt. Zwar übernimmt der Staat den größten Teil des Geschäfts. Er hat auch den Auftrag, möglichst vielen Leuten ein günstiges Studium zu ermöglichen. Abschreckend wirkt jedoch, dass der Fiskus bei Zahlungsproblemen starken Zugriff auf zukünftige Einnahmen hat. Es gibt zwar Programme zum Schuldenerlass, trotzdem öffnet der staatliche Sonderstatus beim Schuldeneintreiben privaten Anbietern die Tür. Bei denen sind die Zinsen aber in der Regel höher und es gibt etliche dubiose Kreditvermittler.

Volkswirtschaftliche Probleme befürchtet

Analyst O'Shea fürchtet, dass die angespannte Lage bei den Studienkrediten zum volkswirtschaftlichen Problem wird. Denn seit 2014 befänden sich diese Schulden nicht mehr hauptsächlich bei den jüngeren US-Bürgern, sondern bei der mittleren Generation der 30- bis 39-Jährigen. Die gibt eigentlich besonders viel Geld aus, an ihr hängt maßgeblich der US-Konsum. Die Studienkredite, die vielfach gar nicht in einem Berufsleben abbezahlt werden können und mit in die Rente genommen werden müssen, zehren aber am verfügbaren Einkommen.

Auswirkungen auf Konsumverhalten

„Es wird ohne Zweifel negative Folgen geben“, meint O'Shea. Durch die steigenden Schulden bleibe weniger Geld für den Konsum über. Größere Anschaffungen wie etwa Autos oder Hauskauf könnten deshalb aufgeschoben oder abgeblasen werden. Das träfe die USA ins Mark – denn die Verbraucherausgaben sind die treibende Kraft des Wachstums – über zwei Drittel der Wirtschaftsleistung hängen am Konsum.

apa

stol