Mit Blick auf die Ist-Situation sagte Rieper, dass Südtirol wirtschaftlich nach wie vor gut dastehe. Beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liege das Land europaweit auf Rang 13 und in Italien an der Spitze. Vollbeschäftigung und ein Rekordhaushalt von fast neun Milliarden Euro im Jahr 2026 seien Ausdruck dieser Stärke. „Dass wir uns heute fast 15.000 Euro pro Kopf leisten können, ist kein Zufall – es ist das Ergebnis der Leistung unserer Unternehmen und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“<h3> Für gemeinsame europäische Strategien </h3>Gleichzeitig warnte der UVS-Präsident eindringlich vor Selbstzufriedenheit. Die Welt befinde sich an einem Wendepunkt. „Was wir in den kommenden Monaten anstoßen, wird entscheidend für die nächsten Jahre sein“, sagte Rieper. Vieles sei im Umbruch, Althergebrachtes verliere an Bedeutung. Das berge Risiken – aber auch Chancen für jene, die aktiv gestalteten und langfristig dächten.<BR /><BR />Mit Blick auf die internationale Lage sprach Rieper offen über geopolitische Verschiebungen. Die USA hätten deutlich gemacht, dass sie kompromisslos ihre Interessen verfolgten. „Wir müssen aufhören, den Kopf in den Sand zu stecken und der Realität ins Auge blicken.“ Europa müsse darauf reagieren – wirtschaftlich und strategisch.<BR /><BR />Positiv bewertete Rieper das kurz vor der Unterzeichnung stehende Mercosur-Freihandelsabkommen. Es ermögliche Diversifizierung und sei eine richtige Antwort auf neue Zollschranken. „Freihandel ist kein Selbstzweck, sondern ein Instrument, um unsere Eigenständigkeit zu sichern.“ Gleichzeitig forderte er schnellere Entscheidungen auf europäischer, nationaler und lokaler Ebene: „Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren.“<BR /><BR />Europa habe in den vergangenen Jahren zentrale Bereiche ausgelagert – Sicherheit, Energie, Rohstoffe. Nun sei es Zeit, Verantwortung wieder selbst zu übernehmen. Nötig seien gemeinsame Strategien, ein integrierter Kapital- und Energiemarkt sowie moderne Infrastrukturen. „Europa hat gezeigt, dass es Außergewöhnliches leisten kann – diese Stärke müssen wir wieder nutzen.“<h3> Südtirols Baustellen </h3>Ein zentrales Thema war auch die Rolle der Industrie in Südtirol selbst. Rieper begrüßte ausdrücklich die Zusage des Landeshauptmanns, dass die Bozner Industriezone auch künftig eine Industriezone bleiben soll. „Das ist entscheidend“, sagte er. Industrie und industrienahe Dienstleistungen seien strategisch.<BR /><BR />Auch das Thema Löhne kam zur Sprache – ein Dauerbrenner der öffentlichen Debatte, nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Kaufkraftverlusts vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Südtirol in den vergangenen Jahren. Rieper mahnte dabei Sachlichkeit ein: „Die Diskussion muss auf überprüfbaren Daten beruhen, nicht auf Vorurteilen.“<BR /><BR />Die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen sei Voraussetzung für den finanziellen Spielraum des Landes. „Unser üppiger Landeshaushalt ist nicht selbstverständlich.“ Gute Zeiten müssten genutzt werden, um sich auf schwierigere vorzubereiten. Effizienz, Digitalisierung und schnellere Verfahren seien notwendig – in den Betrieben wie in der öffentlichen Verwaltung. „Digitalisierung ist kein Projekt, sie ist ein Mindset.“<BR /><BR />Auch zur Energiewende fand Rieper klare Worte. Dekarbonisierung sei notwendig, koste aber zunächst Geld. „Der Klimawandel ist nicht kostenlos.“ Nachhaltigkeit müsse langfristig zum Wettbewerbsvorteil werden. Alle technologischen Lösungen müssten zugelassen werden. In diesem Zusammenhang stellte er die Frage: „Können und wollen wir es uns wirklich leisten, auf ein Pumpspeicherwerk im Ultental zu verzichten?“<BR /><BR />Großen Raum nahm das Thema Arbeitsmarkt ein. Jährlich verließen rund 1.000 junge Menschen Südtirol, in den nächsten zehn Jahren drohe ein Verlust von etwa 30.000 Arbeitskräften. „Digitalisierung und Automatisierung werden das nicht ausgleichen.“ Rieper forderte mehr Erwerbsbeteiligung von Frauen, flexible Kinderbetreuung und gezielte Zuwanderung. Gemeinsam mit IDM arbeite man daran, Südtirol stärker als Arbeits- und Wirtschaftsstandort zu positionieren.<BR /><BR />Entscheidend sei auch leistbarer Wohnraum, vor allem zur Miete. „Arbeiten und Wohnen gehören in der Standortfrage unmittelbar zusammen.“ Erste Maßnahmen wie die Stiftung Wohnen seien bereits in Umsetzung.<h3> Leistung der Industrie sichtbarer machen </h3>Kritisch äußerte sich Rieper zur öffentlichen Wahrnehmung der Industrie. Obwohl sie fast ein Viertel zum Südtiroler BIP beitrage, werde das Land selten als Industriestandort gesehen. Gewerbezonen belegten nur 0,3 Prozent der Landesfläche. Die Löhne in den industriell organisierten Betrieben lägen im Schnitt rund 40 Prozent über dem Landesdurchschnitt – ermöglicht durch hohe Produktivität und Wertschöpfung.<BR /><BR />Das Bild der rauchenden Fabrik sei überholt. „Unsere Realität sind Hightech-Produktionen, automatisierte Prozesse und gelebte Nachhaltigkeit.“ Südtirols Unternehmen exportierten in über 170 Länder und erzielten trotz hoher Energiekosten Exportrekorde. Viele seien international führend – oft als „Hidden Champions“.<BR /><BR />Diese Leistungen müssten sichtbarer werden, forderte Rieper. „Wir müssen nicht lauter, aber klarer über unseren Beitrag sprechen.“ Daraus müsse eine ernsthafte Industriepolitik entstehen. Mit der Agenda 2025–2029 habe der UVS dafür eine Grundlage geschaffen.<BR /><BR />Am Ende stellte Rieper das Vertrauen ins Zentrum: zwischen Politik und Wirtschaft, zwischen Sozialpartnern und Generationen. „Wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Verantwortung stehen nicht im Widerspruch.“ Unter dem Leitmotiv „Enabling Performance. Securing the Future“ (Leistung ermöglichen. Zukunft sichern) rief er dazu auf, gemeinsam die Voraussetzungen für die Zukunft des Standorts Südtirol zu sichern.