<BR /><b>Die VZS gibt es seit 30 Jahren. Sie selbst sind seit 27 Jahren dabei und seit 2020 Geschäftsführerin. Welche Fälle sind in Erinnerung geblieben?</b><BR />Gunde Bauerhofer: Mir ist ganz aus der Anfangszeit ein Fall in Erinnerung geblieben, da hat eine Firma von Tür zu Tür Katzenfell-Decken verkauft, die angeblich gegen Rheuma hätten helfen sollen. Die Felle waren von fürchterlich schlechter Qualität. In einem Musterprozess haben wir schließlich Recht behalten und die Konsumenten haben ihr Geld zurückbekommen. Außerdem erinnere ich mich an die großen Sammelklagen, die wir gegen Volkswagen oder Meta eingereicht haben. <BR /><BR /><b>Dass die VZS auch nicht vor Großkonzernen zurückschreckt, ist bekannt.</b><BR />Bauhofer: Wir sehen das als Teil von unserer Aufgabe. Es ist wichtig, dass die Menschen in Südtirol einerseits bei kleinen Problemen eine Anlaufstelle haben, wie bei Telefonrechnungen, Steuerabschreibungen oder Kaufverträgen. Aber auf der anderen Seite ist es wichtig, dass auch die großen Konzerne zur Verantwortung gezogen werden, wie zuletzt Meta-Facebook.<BR /><BR /><b>Apropos Facebook. Sie haben wegen eines Datenlecks im April eine Sammelklage gegen das Unternehmen eingereicht. Was hat sich da getan?</b><BR />Bauerhofer: Wie erwartet wehrt sich Facebook mit Händen und Füßen gegen die Klage. Vergangene Woche gab es eine Anhörung. Im Moment geht es um die Frage, ob die Klage vom Mailänder Gericht für zulässig erklärt wird. Wenn ja, kann das Klageregister eröffnet werden, in welches sich die Leute dann eintragen können.<BR /><BR /><embed id="dtext86-72428870_quote" /><BR /><BR /><b>Haben sich die Anliegen der Verbraucher mit der Zeit verändert?</b><BR />Bauhofer: Alles, was den digitalen Raum betrifft, war lange nicht so dominant. Der ganze Bereich E-Commerce hat wirklich ganz stark zugenommen und gerade die großen Verkaufsplattformen verdienen ein besonderes Augenmerk. Da braucht es auch starke Zeichen von der Gesetzgebung, sei es aus Brüssel als auch aus Rom.<BR /><BR /><BR /><b>Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Was hat die VZS heuer beschäftigt?</b><BR />Bauhofer: Wir sind jetzt mittlerweile bei 50.000 Kontakten im Jahr. Ein großes Thema ist und bleibt die Liquidierung der Versicherungsgesellschaft FWU. Da sind Tausende Südtiroler betroffen. Was wir ebenfalls in letzter Zeit feststellen, sind auch immer mehr Phishing-Angriffe per Mail, aber auch betrügerisches Online-Trading. In diesem Zusammenhang setzen wir verstärkt auf Prävention.<BR /><BR /><embed id="dtext86-72428871_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Blicken wir in die Zukunft. Welche Themen werden wichtiger und wo will man sich stärker einsetzen?</b><BR />Bauhofer: Die ganzen digitalen Themen werden uns weiterhin beschäftigen. Wir haben jetzt gerade einen Kongress gehabt mit den Kollegen in Italien und wir sind uns einig, dass es eine Charta der algorithmischen Rechte braucht, damit auch im Umgang mit der künstlichen Intelligenz die Verbraucherrechte sichergestellt werden. Auch der Verbraucherschutz bei den Plattformmärkten muss endlich verankert werden. Aber auch nachhaltiger Konsum ist ein Thema, an dem wir weiterarbeiten müssen.<BR /><b><BR />Der Black Friday steht bevor. Haben Sie zuletzt noch 3 Tipps für Verbraucher?</b><BR />Bauhofer: Einkaufsliste schreiben, was man besorgen will. Dark Patterns, also Designelemente auf Webseiten, die zum schnellen Einkauf drängen, bewusst wahrnehmen. Nur weil irgendwo steht, dass nur mehr ein Produkt verfügbar ist, sollte man nicht schnell klicken. Und trotz Rabattwoche eventuell Preise vergleichen: Ist das wirklich das beste Angebot am Markt.