Montag, 21. November 2016

Verbraucherzentrale wirft Sparkasse Unregelmäßigkeiten vor

In einem Schreiben, das der Führungsriege und den Gesellschaftsorganen der Südtiroler Sparkasse geschickt wurde, hat die Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) alle in diesen Monaten ans Licht gekommenen Unregelmäßigkeiten in Bezug auf die Aktienplatzierungen bei den letzten beiden Kapitalerhöhungen aufgezeigt.

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Foto: © D

Die Vorwürfe der VZS gegen die Sparkasse sind mehrere:

Zum einen habe die Sparkasse seit 2008 den Finanzberatungsdienst auf ihren gesamten Privatkundenstock ausgedehnt. Dadurch musste die Bank beim Verkauf von Wertpapieren an ihre Privatkunden die Angemessenheit der einzelnen Transaktionen bewerten: Der Risikograd der Wertpapiere (hoch, mittel-hoch, usw.) musste mit der Risikoneignung des Anlegers (mittel, mittel-niedrig, usw.) übereinstimmen.

„Ist dies nicht der Fall, so wird den Anlegern empfohlen, die Anlage zu ‚meiden‘. Genau diese Empfehlung wurde vielen Kunden der Sparkasse in Bezug auf den Kauf der bankeigenen Aktien ausgesprochen. Doch kurz nach der Erteilung der Empfehlung wurden die Aktien dennoch an die Privatkunden verkauft, dabei wurde aber das sogenannte ‚execution only‘-Regime angewandt. Das heißt, dass sich die Bank darauf beruft, einen expliziten Auftrag der Kunden für eine Wertpapiertransaktion ‚lediglich durchzuführen‘“, schreibt die VZS in einer Aussendung.

Ein Großteil der Aktionäre, die in der VZS vorstellig wurden, hätte demnach angegeben, von diesem Prozedere keine Kenntnis gehabt zu haben. Nach Auffassung der Rechtsexperten verstoße dieses Verhalten der Bank jedoch gegen die Auflagen des Consob-Reglements Nr. 16190/2007. Die Aktionäre hätten bis zu 70 Prozent des von ihnen investierten Kapitals verloren. „Das ist nicht der Schutz, den der Art. 47 der Verfassung den Sparern zugesteht.“

Zum zweiten seien für viele Kunden anlässlich des Aktienverkaufs ein neues Risikoprofil erstellt worden, das sich vom vorherigen in Sachen Risikoneigung unterscheide. „Ein Risikoprofil soll jedoch sicherstellen, dass die Kunden für sie angemessene Wertpapiere kaufen, und nicht geändert werden, um die Risikoneigung dem Risikograd eines Wertpapiers, das die Bank verkaufen möchte, anzupassen“, so die Verbraucherzentrale Südtirol.

Aus den von der VZS untersuchten Unterlagen gehe hervor, dass ein solches Vorgehen äußerst weitläufig angewandt wurde, weil so der Aktienverkauf möglich wurde.

Ein dritter Punkt, den die Verbraucherzentrale der Sparkasse vorwirft, sei die Kapitalerhöhung von 2012. Dort werde im Informationsprospekt ein Rating des Niveaus BA1 angegeben. „Was jedoch nicht angesprochen wird, ist dass die Rating-Agentur Moody's die Sparkasse in wenigen Monaten von BAA2 (mittlere Qualität) um 2 Stufen herabgestuft hatte, auf BA1, was einem ‚spekulativen‘ Risikoniveau entspricht.“

Somit sei den Anlegern der sich abzeichnende negative Trend nicht aufgezeigt worden. Auch sei die Schieflage der Raetia SGR (kontrolliert von der Sparkasse) nicht angesprochen worden, die sich bereits 2012 negativ auf die Sparkasse auswirkte. 

In der VZS erhoffe man sich nun von der Sparkassenspitze umfassende Antworten auf die angesprochenen problematischen Aspekte und Unregelmäßigkeiten.

Sparkasse: Haben uns nichts vorzuwerfen

Die Sparkasse ließ die Vorwürfe der Verbraucherzentrale nicht unkommentiert. Im Zuge der von der Sparkasse im Jahre 2008 und 2012 durchgeführten Aktienverkäufen, die von der Verbraucherzentrale Südtirol angeführt werden, seien den Kunden alle vom Gesetz vorgeschriebenen Unterlagen vorgelegt und ausgehändigt worden. Außerdem seien die potentiellen Zeichner über alle sogenannten „preissensiblen“ Faktoren, die für die Bestimmung des Aktienwertes von Bedeutung sind, unterrichtet worden, so die Verantwortlichen.

Die erforderliche Dokumentation sei vollständig eingeholt und von den Kunden vorschriftsgemäß unterzeichnet worden. Dies gelte auch für die Informationen hinsichtlich Kenntnisnahme des Risikoprofils.

„Die Sparkasse ist deshalb der Überzeugung, die jeweils geltenden gesetzlichen Bestimmungen stets eingehalten zu haben. Alle bei der Sparkasse eingegangenen Beschwerden sind aufmerksam geprüft und bearbeitet worden.“

Bisher sei ein einziger Rekurs eingereicht worden. Der Banken-Ombudsman habe diesbezüglich mit Urteil vom 30.04.2015 der Sparkasse vollinhaltlich Recht gegeben und alle vom Rekurssteller eingebrachten Beanstandungen zurückgewiesen, mit der Begründung, dass die Bank gemäß den gesetzlichen Vorschriften sowohl in der Phase der Beratung (Information an den Kunden), als auch bezüglich Transparenz (Mitteilungen an den Kunden) gehandelt hat.

„Die Sparkasse ist jedenfalls bereit, spezifische Fälle einzeln zu überprüfen und, wo möglich, dafür Lösungen zu finden.“

stol

stol