Eines der wohl drängendsten Probleme des Landes ist, dass es zu wenig Wohnraum gibt, den die Südtiroler, mit dem, was sie verdienen, auch bezahlen können. „Die Erschwinglichkeit von Wohnraum kann sich auch auf das Wachstum der lokalen Wirtschaft auswirken. Eine geringere Erschwinglichkeit kann die Anziehungskraft eines Gebiets für Arbeitnehmer verringern und es für Unternehmen schwieriger machen, Arbeitskräfte zu finden. Darüber hinaus kann sie das soziale Gefüge verändern und die Ungleichheiten in den Lebensbedingungen der Wohnbevölkerung verstärken“, heißt es im Bericht. <h3> Wohnraum ist unerschwinglich geworden</h3>Wie problematisch die Situation hierzulande ist, offenbart der Erschwinglichkeitsindex, der als Verhältnis berechnet wird zwischen dem durchschnittlichen Kaufpreis pro Quadratmeter Wohnraum und dem Pro-Kopf-Einkommen. „Der Erschwinglichkeitsindex lag 2022 in Südtirol um 80 Prozent über dem italienischen Durchschnitt.“ Zur Erklärung: Ein höherer Wert drückt ein stärkeres Missverhältnis zwischen Wohnraumkosten und Einkommen aus; sprich Wohnen ist weniger erschwinglich. <BR /><BR />Von 2007 bis 2022 hat sich der Unterschied zwischen Südtirol und dem restlichen Italien laut Banca d'Italia sogar noch vergrößert – konkret um 30 Prozent. <h3> Starker Bevölkerungszuwachs</h3>Ein wichtiger Faktor dabei sei die demografische Entwicklung gewesen: „Von 2007 bis 2023 nahm die Bevölkerung in Südtirol um 10,1 Prozent zu, in Italien insgesamt um nur 0,8 Prozent. Dazu trugen sowohl die positive Geburtenbilanz als auch der relevante Zustrom durch In- und Auslandsmigration bei.“ Ebenfalls interessant: In 84 Prozent der Südtiroler Gemeinden gab es im untersuchten Zeitraum einen Bevölkerungszuwachs. „Dies ging mit einer Verschlechterung der Lage auf dem Wohnungsmarkt einher.“<BR /><BR />Betrachtet man die Wohnsitzverlegungen nur der italienischen Staatsbürger unter Berücksichtigung ihres Bildungsstandes, so verzeichnete Südtirol in den letzten 10 Jahren eine Abwanderung von Hochschulabsolventen vor allem ins deutschsprachige Ausland, wie im Bericht angeführt wird. „Die geringe Fähigkeit, Menschen anzuziehen und zu halten, insbesondere solche mit hohen Bildungsabschlüssen, kann sich auf die Akkumulation von Humankapital und damit auf die Entwicklung eines Gebiets auswirken“, merken die Autoren an.<BR /><BR />Laut Bankitalia steuere auch Südtirol auf eine demografische Falle zu: „Nach unseren Auswertungen wird sich die Erwerbsbevölkerung in Südtirol in 20 Jahren um etwa 4 Prozent gegenüber dem Stand von 2022 verringern.“<h3> Es wird weniger konsumiert als vor Corona</h3> Im Jahr 2023 ist das Bruttoeinkommen der Haushalte in Südtirol nominal um rund 4 Prozent gestiegen. Die Kaufkraft wurde jedoch real durch den Preisanstieg um fast 1,0 Prozent verringert. Pro Kopf betrug das verfügbare Bruttoeinkommen 28.500 Euro in Südtirol (Italien: 21.000 Euro). Was den Konsum angeht, beobachteten die Forscher eine deutliche Verlangsamung: Den Schätzungen zufolge lag dieser in Südtirol im Jahr 2023 um 2,3 Prozent niedriger als vor der Pandemie. <h3> Hohe Zinsen bremsen Ausleihungen </h3>Einen Dämpfer stellte Bankitalia auch im Kreditgeschäft fest: Die Ausleihungen an die Wirtschaft sanken um 5,3 Prozent. Der Rückgang intensivierte sich im ersten Quartal 2024 auf minus 6,1 Prozent. „Trotz der abgeschwächten Konjunkturlage und der gestiegenen Verschuldungskosten blieb die Finanzlage der Unternehmen insgesamt solide, begünstigt durch eine zwar rückläufige, aber im historischen Vergleich noch immer hohe Liquiditätsausstattung und eine von einem Großteil der Unternehmen als zufriedenstellend bezeichnete Ertragslage.“<BR /><BR />Die Ausleihungen an private Haushalte sanken laut Bericht im Jahr 2023 um 1,7 Prozent. Das Wachstum der Darlehen für den Erwerb von Wohnungseigentum, der überwiegenden Form der Verschuldung der privaten Haushalte, sei zum Erliegen gekommen. <h3> Wachstum von rund 1,0 Prozent</h3>Nach dem von Bankitalia errechneten Quartalsindex der regionalen Wirtschaft (ITER) lag der jährliche Zuwachs des BIP zu realen Werten 2023 in Südtirol bei knapp über 1,0 Prozent. Diese Entwicklung sei etwas besser gewesen als auf italienischer Ebene (0,9 Prozent). „Die Verlangsamung spiegelt die schwache Dynamik sowohl der Inlandsnachfrage, die unter dem Einfluss der geldpolitischen Straffung und der abnehmenden Kaufkraft der privaten Haushalte stand, als auch der Auslandsnachfrage wider, auf die sich die Schwierigkeiten der deutschen Wirtschaft auswirkten. Die Wachstumsaussichten für das laufende Jahr könnten ebenfalls durch diese Faktoren eingeschränkt werden“, urteilen die Forscher.