Wenn im Winter die Ware gekühlt und die Arbeiter gewärmt werden müssen, ist die energetische Belastung doppelt so hoch. Auch in Südtirol sind viele Betriebe dabei, sich so gut wie möglich auf die kommenden Monate vorzubereiten.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="824798_image" /></div> So setzt die Milchgenossenschaft Bergmilch Südtirol-Mila auf zweierlei Energiequellen: „In Bozen produzieren wir rund 55 Prozent unserer benötigten Energie über Blockheizkraftwerke (BHKW) selbst, in Bruneck sogar etwas mehr“, erklärt Geschäftsführer <b>Matthias Baumgartner</b> (im Bild). Allerdings seien die BHKW gasbetrieben: „Für 2022 hatten wir hier noch gute Verträge, während wir die Steigerung im Strompreis schon jetzt spüren. Den Schlag mit der Gasrechnung werden wir erst am 1. Jänner 2023 spüren“, so Baumgartner. In Bruneck setzte man außerdem bereits auf Fotovoltaikanlagen, auch für Bozen wird nun geprüft, ob und wie sich eine solche Anlage rentiert. Seit einiger Zeit behält zudem ein „Energiemanager“ den Überblick und kümmert sich um mögliche Einsparungen, etwa durch Wärmerückgewinnung. „Auch sensibilisiert er die Mitarbeiter dafür, nach schlecht isolierten Türen, Kälteverlust und dergleichen Ausschau zu halten. Jede noch so kleine Einsparung hilft.“ 30 Prozent der Energie werde für Kälte verwendet, „und das wird auch nicht weniger. Die Nachfrage ist weiterhin groß, die Milch wird nach wie vor geliefert und muss verarbeitet werden“, so Baumgartner. Bislang habe man die Mehrkosten an den Kunden weitergegeben – Tendenz weiter steigend. „Ich glaube aber, dass die Preissteigerung von 2021/22 höher war als jene, die bevorsteht. Es hat zumindest im Molkereisektor bereits deutliche Korrekturen gegeben“, schließt Baumgartner.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="824801_image" /></div> Auch in der Obstwirtschaft bereitet man sich auf die kommenden Monate vor: „Natürlich haben auch wir einen großen Energiebedarf, nicht nur bei der Kühlung, auch für Verpackungs- und Sortiermaschinen, selbst die Gabelstapler sind elektrisch“, unterstreicht <b>Georg Kössler</b>, Obmann im Verband der Südtiroler Obstgenossenschaften (VOG, im Bild). Auf den teilweise sehr großen Dächern der Genossenschaften habe man bereits Fotovoltaikanlagen installiert, mittels Einkaufsgemeinschaften sei es gelungen, mittelfristig Strom zu günstigen Preisen einzukaufen. „Diese Verträge laufen aber mit Ende des Jahres aus – und wir haben keine Ahnung, wohin sich der Preis entwickelt. Bislang hat sich die Steigerung in einem erträglichen Maß gehalten, aber die ersten 6 Monate von 2023 machen uns große Sorgen“, so Kössler. Man versuche jedenfalls, alle Möglichkeiten, die das Gesetz zulässt, auszuschöpfen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="824804_image" /></div> Bei Pan Tiefkühlprodukte erfolgte schon während der Covid-Pandemie ein energetisches Umdenken: „Damals haben wir begonnen, stromsparende Maßnahmen einzuleiten – mit Erfolg. Heute verbrauchen wir ein Drittel weniger als noch vor der Pandemie“, berichtet <b>Stefan Pan</b>, Präsident des Verwaltungsrates (im Bild). Außerdem habe man jede verfügbare Fläche für Fotovoltaikanlagen verwendet, um möglichst energieautark zu werden. „Wir haben viel getan, doch als Unternehmen allein kommt man eben nur ein Stück des Weges. Diese Krise ist nicht nur branchenübergreifend, sondern ein europäisches Problem – und bedarf deshalb auch einer europäischen Lösung“, so Pan. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="824807_image" /></div> Dass dringend eine Lösung her muss, betont auch der Obmann der Metzger im Wirtschaftsverband für Handwerker und Dienstleister (lvh), <b>Klaus Kofler</b> (im Bild). Musste ein Metzgereibetrieb im vergangenen Jahr 14.000 bis 18.000 Euro für Strom bezahlen, sind es heuer auch schon mal 50.000 Euro. „Zwar haben auch wir in unserem Betrieb in Fotovoltaik investiert, den gesamten Strombedarf können wir aber nicht abdecken“, so Kofler. Die Wintersonne sei schwächer, zusätzlich müsse geheizt werden: „Da gibt es keine Entlastung, wenn auch der Preis von Holzpellets steigt.“ <BR /><BR />Die Stimmung sei schlecht: „Man kann ja auch nicht die eigenen Kosten 1:1 auf den Kunden umrechnen. Wir können aber auch Geld nicht einfach selber drucken. Also versuchen wir, es zu verkraften. Ich weiß aber schon von Betrieben, die einige Kühlzellen abgeschaltet und die Regale halb leergeräumt haben. Es muss etwas getan werden.“ <BR />