Die Ursprünge der Vespa liegen in den schwierigen Nachkriegsjahren Italiens, als das Land vor der Herausforderung stand, seine Wirtschaft wieder aufzubauen und die Bevölkerung mobil zu machen. Enrico Piaggio, ein italienischer Industrieller, erkannte die Notwendigkeit eines preiswerten, sparsamen und einfach zu handhabenden Fahrzeugs.<BR /><BR /> Er wandte sich an den Flugzeugingenieur Corradino D'Ascanio, der ursprünglich Hubschrauber bauen wollte, und beauftragte ihn mit der Entwicklung eines praktischen Motorrollers. D'Ascanio entwickelte die Vespa, indem er die Technik um einen sitzenden Menschen herum anordnete – ein revolutionärer Ansatz, der dem Roller seine charakteristische Form gab.<BR /><BR />Als Piaggio den ersten Prototyp sah, soll er ausgerufen haben: „Er sieht aus wie eine Wespe!“ – daher der Name Vespa, was auf Italienisch „Wespe“ bedeutet. Der Roller, der in seiner ursprünglichen Form als „Vespa 98“ bekannt wurde und auch den Spitznamen „Paperino“ (Entchen) trug, war einfach zu bedienen, sparsam und dennoch elegant. Die Vespa war geboren und sollte schon bald die Straßen Italiens und der Welt erobern.<h3> Die Vespa als Symbol der Freiheit und Emanzipation</h3>In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Vespa zu einem unverzichtbaren Transportmittel in Italien. Ihre schlichte Bauweise und der geringe Preis machten sie für viele Menschen erschwinglich, und insbesondere Frauen nutzten die Vespa, um sich eine neue Form der Unabhängigkeit zu erobern. Die Möglichkeit, sich frei und unabhängig zu bewegen, symbolisierte eine neue Ära der Emanzipation. Die Vespa war mehr als nur ein Roller – sie stand für den Aufbruch in eine neue, moderne Welt.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1064181_image" /></div> <BR />1953 erreichte die Vespa dann ihren internationalen Durchbruch, als sie im Film „Ein Herz und eine Krone“ (Originaltitel: „Roman Holiday“) an der Seite von Audrey Hepburn und Gregory Peck auf der Leinwand erschien. In einer der berühmtesten Szenen des Films fahren Hepburn und Peck auf einer Vespa durch die Straßen Roms, was die Vespa endgültig zu einem globalen Symbol für Freiheit und Lebensfreude machte. Diese Szene ging als Liebeserklärung an die Vespa in die Filmgeschichte ein und prägte das Bild des italienischen „dolce vita“ weltweit.<h3> Preisentwicklung und Sammlerwert </h3>Seit ihrer Markteinführung hat sich die Vespa stetig weiterentwickelt, sowohl in technischer Hinsicht als auch im Design. Während die erste Vespa 98 mit 3,2 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h ausgestattet war, folgten bald leistungsstärkere Modelle, die immer neue Maßstäbe setzten. Besonders begehrt sind heute die frühen Modelle der Vespa, die aufgrund ihrer Seltenheit und ihres historischen Wertes bei Sammlern hohe Preise erzielen.<BR /><BR />Ein besonders bemerkenswertes Beispiel ist die Vespa V98 aus dem Jahr 1946, die zu den ersten Serienproduktionen des Rollers gehört. Bei einer Auktion im Jahr 2017 wurde eine dieser seltenen V98-Vespas für beeindruckende 182.000 Euro verkauft. <BR /><BR />Doch das war kein Einzelfall. Für Modelle der Serie „Faro Basso“ (Scheinwerfer unten), die ab der zweiten Hälfte des Jahres 1948 produziert wurden, werden auf Auktionen regelmäßig Beträge von über 10.000 Euro erzielt. Besonders begehrt sind die Vespas der ersten beiden Serien, da von 1946 bis Anfang 1948 nur rund 16.000 Einheiten produziert wurden – ein Umstand, der ihre Seltenheit und damit ihren Wert erheblich steigert.<BR /><BR />Ab dem Jahr 1954 wurde der Scheinwerfer in den Lenkkopf integriert. Diese Modelle, insbesondere die Vespa 150 Super (ab 1965), die in einer Auflage von rund 550.000 Exemplaren produziert wurde, und die Vespa 50N Special (ab 1972), gehören zu den meistgebauten Vespas. Die Preise für gut erhaltene Exemplare aus dieser Zeit liegen je nach Modell und Zustand bei 5000 bis 7000 Euro. Es zeigt sich, dass nicht nur das Baujahr, sondern auch die Position des Scheinwerfers und die Marktverfügbarkeit entscheidende Faktoren für den Sammlerwert einer Vespa sind.<BR /><BR /><embed id="dtext86-66225878_quote" /><BR /><BR /> Neben den genannten Faktoren gibt es noch weitere: „Es ist wichtig, dass die Vespa aus Originalteilen besteht und eine möglichst lückenlose Dokumentation vorliegt“, so Thomas Seebacher, Präsident des Vespa Club Meran. <BR /><BR />Apropos Dokumentation: Ende vergangenen Jahres ist ein Dekret des Verkehrsministeriums in Kraft getreten, wodurch Besitzer historischer Autos und Motorräder in Italien ihre Fahrzeuge neu registrieren (oder erstmals registrieren) und dabei originalgetreue Kennzeichen und Papiere erhalten, wie sie bei der Erstzulassung ausgestellt wurden. „Das war ein wichtiger Schritt für Halter von Vespas, deren Papiere verlorengegangen sind“, sagt Seebacher.<BR /><BR />Der Vespa Club Meran, dem er vorsteht, ist mit über 170 Mitgliedern der größte Südtirols. Knapp ein Dutzend Vespa Clubs gibt es hierzulande, mit insgesamt 800 Mitgliedern. Sie gehören alle dem italienischen Vespa Club an. Daneben gibt es noch Vespa-Vereine, die nicht der gesamtstaatlichen Gruppierung angehören, etwa die diversen Vespa-Freunde in mehreren Orten und Bezirken Südtirols. „Mit sicherlich noch einmal 800 oder mehr Mitgliedern“, erläutert Seebacher. „Die Vespa-Gemeinschaft ist jedenfalls sehr lebendig – und wächst ständig weiter.“ <h3> Die Vespa begeistert alle Altersgruppen</h3>Erstaunlich sei, dass sich die Faszination quer durch alle Altersgruppen ziehe: „Auch immer mehr Jugendliche entdecken die Vespa für sich und wollen einen Klassiker fahren“, weiß der Experte, der mittlerweile hauptberuflich mit historischen „Wespen“ handelt. Vor einigen Jahren habe er den Schwerpunkt vom Auto- auf den Vespa-Verkauf verlegt. „Die Nachfrage ist sehr hoch – auch aus dem Ausland. Ich verkaufe Vespas bis nach Skandinavien.“ <BR /><BR />Wie wurde Seebacher zum „Vespista“? Er habe – wie viele Südtiroler – in jungen Jahren eine Vespa besessen, in den 1990er-Jahren nach Einführung der Helmpflicht aber wieder verkauft. „Vor 15 Jahren habe ich die Vespa-Liebe wiederentdeckt und mir wieder ein Exemplar gekauft.“ Mittlerweile besteht seine Kollektion aus 15 Vespas. Seine wertvollste habe einen Wert von 20.000 bis 30.000 Euro. Aber verkaufen wolle er sie ohnehin nicht. <BR /><BR />„In den letzten 10 Jahren haben ältere Vespas einen Preiszuwachs von 10 Prozent im Jahr erfahren, in den letzten 3 Jahren waren es sogar 30 bis 40 Prozent pro Jahr.“ Eine Vespa als Anlageobjekt sei jedoch nur für jene geeignet, die sich damit auskennen und eine Leidenschaft dafür aufbringen. <BR /><BR />„Leidenschaft, Leidenschaft, Leidenschaft“ – antwortet auch Alberto Bonamonte vom Vespa Club Bozen, wenn er darauf angesprochen wird, was für ihn den Roller darstelle. Der Bozner Verein zählt rund 160 Mitglieder. Alle 2 bis 3 Wochenende nehmen wir an Vespa-Treffen teil. Oder sie organisieren selbst eines, wie im September, wenn der Vespa Club das zweite italienweite Vespa-Treffen in Bozen veranstalten wird. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1064184_image" /></div> <BR />Treffen spielen auch für den Vespa Club Meran eine wesentliche Rolle: „Man tauscht sich unter Gleichgesinnten aus, macht einen Ausflug und sitzt danach zusammen“, erzählt Seebacher. Ein Schwerpunkt der Tätigkeit des Meraner Clubs seien aber auch sogenannte Audax, also Gleichmäßigkeitsrennen. Hierbei gewinnt nicht der Schnellste, sondern derjenige, der einer vorgegeben Zeit am nächsten kommt. <BR /><BR />Was aber unterscheidet einen beim Vespa Club Italia eingetragen Verein von einem anderen Freizeitverein von Vespa-Liebhabern? „Es gibt eine Konvention eines Versicherers, dadurch können wir unsere Vespa günstiger versichern. Konkrete Vorteile gibt es ansonsten keine.“ Die Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen, dürfte also viel eher im Vordergrund stehen. <h3> Die Vespa als nationales Kulturerbe Italiens</h3>Angesichts ihres kulturellen, historischen und wirtschaftlichen Wertes setzt sich die italienische Regierung derzeit dafür ein, die Vespa als nationales Kulturerbe anzuerkennen. Ein entsprechender Gesetzentwurf wurde von der rechten Regierungspartei Lega unter der Führung von Verkehrsminister Matteo Salvini im Parlament eingebracht. Das Ziel ist es, die Vespa vor möglichen Verkehrsbeschränkungen zu schützen, die im Rahmen des europäischen „Green Deals“ aufgrund ihrer Emissionen drohen könnten.<BR /><BR />„Die Vespa in die Liste der Fahrzeuge von nationalem Interesse aufzunehmen, um sie vor jeder Art von Verkehrsbeschränkung zu bewahren, ist ein Vorschlag gesunden Menschenverstands“, erklärte Salvini. Er betonte, dass die Vespa ein „Erbe, ein Mythos und ein italienisches Symbol auf 2 Rädern“ sei, das es zu bewahren gelte. Die Vespa sei nicht nur ein Transportmittel, sondern eine „Ikone des Stils, der Freiheit und der Schönheit“, die in 83 Ländern vermarktet wird.<h3> Unterstützung von den Vespa Clubs</h3>Diese Initiative wird vom Vespa Club Italia offiziell mitgetragen, der mittels einer Unterschriftenaktion den Druck auf die Regierung zu erhöhen versucht. <BR /><BR /><embed id="dtext86-66226017_quote" /><BR /><BR />Was sagen die Vespa Clubs in Südtirol zu den Plänen? „Wir begrüßen das sehr“, so Bonamonte. „Dadurch würde man ausdrücken, dass eine Vespa mehr ist als ein Fortbewegungsmittel. Abgesehen davon, möchte ich schon die Frage aufwerfen, wie viel Emissionen diese älteren Vespas verursachen – gemessen am gesamten Schadstoffausstoß?“, fährt er fort.<BR /><BR /> Positiv bewertet auch Seebacher das Ansinnen, die Vespa zum Kulturerbe zu erheben. „Was mir daran nicht gefällt, ist lediglich, dass eine politische Partei daraus Kapital schlagen will. Politik und Vespas sollte man trennen. Wir Vespa-Liebhaber wollen uns nicht vereinnahmen lassen.“<h3> Eine Ikone für die Ewigkeit</h3>Fest steht: Wenn es nach der italienischen Regierung und den zahllosen Vespa-Enthusiasten geht, wird der Kult-Roller auch in Zukunft ohne Einschränkungen auf den Straßen unterwegs sein dürfen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1064187_image" /></div> <BR />Und wie denken die eingefleischten Vespa-Fans über die neuen E-Versionen? „Die Vespa symbolisiert auch den technologischen Fortschritt. Und zur Evolution gehört die Elektromobilität. Eines unserer Mitglieder fährt sogar eine E-Vespa.“