Freitag, 17. Juli 2020

Viele Südtiroler können Mieten nicht mehr zahlen

Der Lockdown ist vorbei, die meisten Betriebe sind wieder offen, und vieles an Unterstützung wird gewährt. Trotzdem haben viele Südtiroler Geldsorgen. Das berichtet das Tagblatt „Dolomiten“ in der Freitagsausgabe.

Rechnungen über Rechnungen und kein Geld mehr in der Brieftasche und auf dem Konto: Die Corona-Pandemie hat viele Südtiroler in finanzielle Schwierigkeiten gebracht.
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Rechnungen über Rechnungen und kein Geld mehr in der Brieftasche und auf dem Konto: Die Corona-Pandemie hat viele Südtiroler in finanzielle Schwierigkeiten gebracht. - Foto: © shutterstock
Viele Südtiroler haben nach dem Lockdown noch immer Schwierigkeiten, Mieten oder Kondominiumsspesen zu bezahlen, Strom- und Gasrechnungen zu begleichen und Lebensmitteleinkäufe zu tätigen.

Die Caritas-Schuldnerberatung hilft in solchen Fällen und hat nach wie vor alle Hände voll zu tun – ebenso die Patronate wie KVW-ACLI, wo um Unterstützungen angesucht wird.

„Wir hatten in den vergangenen Monaten viele Anfragen und haben auch viel mehr finanzielle Unterstützungen gewährt, um den Lebensunterhalt abzusichern“, berichtet der Leiter der Caritas-Schuldnerberatung, Stefan Plaikner. Von Ende März bis Ende Juni habe man heuer im Vergleich zu 2019 um über 30 Prozent mehr an existenzsichernden Unterstützungen ausbezahlt. Und die Situation sei „gleich bleibend“.



Zwar würden finanzielle Engpässe der Bürger häufig abgefangen durch die Unterstützungen der öffentlichen Hand. Aber oft gehe es darum, Zeit zu überbrücken, bis Covid-19-Unterstützungen eintreffen. „Aufgrund der großen Anzahl von Anfragen bei den öffentlichen Einrichtungen waren auch die Wartezeiten entsprechend“, erläutert Plaikner. Dadurch kämen die Bürger in Schwierigkeiten.

Viele Bürger fallen durchs Netz

Und: „Viele Bürger fielen durchs Netz.“ Bei den Essensgutscheinen der Gemeinden sei die Latte zu hoch gelegt worden. Da blieb nicht wenigen Bürgern der Zugang zu Unterstützungen verwehrt, weil sie für den Gutschein ein zu hohes Einkommen im Vormonat hatten. Einige Gemeinden hätten die Regelung dann gelockert. Die Caritas-Schuldnerberatung habe in vielen Fällen als Vermittler agiert. „Viele Bürger wussten auch nicht, an wen sie sich wenden können und ob sie die Voraussetzungen haben“, weiß Plaikner. „Oft haben sie bei ihren Anrufen bei den öffentlichen Einrichtungen, die sehr überlastet waren, auch niemanden erreicht.“

Klienten, die man als Schuldnerberatung schon vor der Coronakrise begleitet habe, weil sie sich in einer finanziell prekären Situation befanden, hätten jetzt noch größere Schwierigkeiten, ihre laufenden Kosten zu decken.

Nach wie vor kämen zudem Arbeitnehmer aus dem Gastgewerbe zur Caritas-Schuldnerberatung, denen ein Hotelier oder Gastwirt einen Arbeitsvertrag versprochen hatte, aber weil der Betrieb nicht aufsperrt, haben sie keinen Job. Für solche Arbeitnehmer – Einheimische und Ausländer – sei die Situation oft besonders schwierig, sagt Plaikner.

Vermieter machen Druck auf Zahlung der Mieten

Plaikner geht davon aus, dass Vermieter Zwangsräumungen durchführen lassen werden, sobald dies wieder möglich sein wird – wenn Mieten nicht mehr gezahlt werden können. Derzeit hätten viele Vermieter noch Nachsicht bei Zahlungsrückständen – aber nicht alle. Das WOBI habe eine Stundung der Mieten gewährt, das sei sehr hilfreich gewesen. Aber diese Mieten werden nicht geschenkt und müssten nachgezahlt werden.

20.000 Anfragen beim Patronat KVW-ACLI

Bei den Patronaten sind die Telefone in den vergangenen Monaten heiß gelaufen, häufig ging es dabei um Anfragen für finanzielle Unterstützungen: „Allein im Mai hatten wir fast 20.000 telefonische Kontaktaufnahmen“, berichtet Elisabeth Scherlin, Landesdirektorin des Patronats ACLI/KVW mit. Südtirolweit seien laut INPS über 40.000 Anträge gestellt worden um Covid-19-Bonusse: Diese bekamen z. B. Saisonangestellte im Tourismus, Selbstständige und „landwirtschaftliche Taglöhner“, sagt Scherlin. Allein beim Patronat KVW-ACLI habe man in 3 Monaten 4000 Anträge für neue Leistungen verfasst – davon 1800 Anträge für den Bonus Covid-19 (600 Euro bzw. 1000 Euro).

Hausangestellte nicht mehr erwünscht

Neben den fast 2000 Anträgen um Sonderelternzeit wurden noch fast 300 Anträge für Hausangestellte („badante“) eingereicht. „Sie waren bei den ersten Dekreten vergessen worden. Die Familien wollten oft keine fremden Familienmitglieder in den eigenen Räumen haben. Danach blieben sie oft ohne Arbeit, mussten Urlaub aufbrauchen oder unbezahlten Wartestand nehmen“, erklärt Scherlin. Sie können um eine einmalige Zahlung von1000 Euro ansuchen.

hof

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