Das Gesamtvermögen der Südtirolerinnen und Südtiroler von 189 Milliarden Euro wird vor allem von Immobilien getragen. 129,4 Milliarden Euro sind in Wohn- und Betriebsgebäuden gebunden – ein Wert, der Südtirol beim Sachvermögen pro Kopf um mehr als 100 Prozent über den gesamtstaatlichen Schnitt hebt. Auch das Trentino (199.800 Euro) liegt über dem Italienwert, bleibt aber hinter Südtirol zurück.<BR /><BR />Beim Finanzvermögen liegen Südtirols Haushalte ebenfalls vorne: 138.600 Euro pro Kopf gegenüber 96.500 Euro in Italien und 114.300 Euro in Trient. Laut Afi sind diese hohen Vermögenswerte jedoch „in erster Linie bilanzieller Natur“ – sie sagen wenig über die tatsächliche Liquidität der Haushalte aus.<h3> Hohe Vermögen, hohe Schulden</h3>Zum Gesamtbild gehört, wie das Afi betont, auch die Belastung der Haushalte: 27.400 Euro Schulden pro Kopf, rund 56 Prozent über dem italienischen Durchschnitt. Trient liegt mit 21.300 Euro ebenfalls über dem Italien-Schnitt. Die Hypothekenlast steigt – parallel zu den Immobilienwerten, aber nicht parallel zur Sparfähigkeit.<BR /><BR />Hier setzt das Afi besonders an: In seiner jüngsten Umfrage fand es heraus, dass sich nur 44 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den kommenden zwölf Monaten Geld auf die Seite legen können. 56 Prozent, also mehr als die Hälfte, geben an, dass Sparen nicht möglich sei. Für das Institut ein deutliches Zeichen, dass der Vermögensdurchschnitt stark durch wenige, sehr vermögende Haushalte verzerrt werde.<BR /><BR />Internationale Studien bestätigen diese Diagnose: Die eigentliche Ungleichheit entsteht weniger bei den Einkommen als bei den Vermögen. Vieles spricht laut Afi dafür, dass diese Dynamik auch in Südtirol ausgeprägt ist.<h3> Afi beklagt Datenlücken</h3>Ein weiterer Punkt, den das Afi hervorhebt, ist die unzureichende Datenlage. Die letzten verlässlichen Daten des Landesstatistikamtes Astat zur Einkommensverteilung stammen aus dem Jahr 2018, zur Vermögensverteilung gebe es praktisch keine offiziellen Analysen.<BR /><BR />„Es wäre wichtig, ein aktuelles Bild der Situation zu erhalten, auch in Hinblick auf die Reformbestrebungen der Südtiroler Sozialbeihilfen und als Wissensgrundlage für das Armutsnetzwerk Südtirol.“<BR /><BR />Gerade vor dem Hintergrund steigender Lebenshaltungskosten, so das Institut, sei eine realistische Analyse entscheidend – um jene Haushalte sichtbar zu machen, die trotz hoher Vermögenswerte im Land kaum finanziellen Spielraum haben.