Mittwoch, 01. August 2018

Volkswagen wagt ersten Schritt bei Batteriezell-Produktion

Mit einem Rekordgewinn im Rücken prescht Volkswagen bei der Elektromobilität vor. Die Deutschen kündigten am Mittwoch als erster großer Automobilkonzern an, das Riesenprojekt einer Fertigung von Batteriezellen der nächsten Generation anzugehen.„Wir dürfen uns langfristig nicht von wenigen asiatischen Herstellern abhängig machen“, sagte Konzernchef Herbert Diess am Mittwoch bei der Präsentation der Halbjahreszahlen in Wolfsburg.

Nun habe Volkswagen entschieden, sich beim nächsten Schritt selbst zu engagieren.
Nun habe Volkswagen entschieden, sich beim nächsten Schritt selbst zu engagieren. - Foto: © APA/AFP

VW werde in seinem Gemeinschaftsunternehmen mit dem kalifornischen Start-up Quantum Scape in den kommenden zwei bis drei Jahren erkunden, ob Feststoffzellen – ein technologischer Sprung zu den bisher verwendeten Lithium-Ionen-Batterien – industriell produziert werden könnten. Falls ja, sei eine Pilotfertigung 2022/23 vorstellbar und eine Serienfertigung dann ab 2024/25. Die technische Entwicklung sei bereits vielversprechend.

Batteriezellen sind das Kernstück von Elektroautos. Denn sie bestimmen, wie weit ein solches Fahrzeug mit einer Batterieladung fahren kann. Entscheidend ist auch ein Netz an Ladestationen, das erst aufgebaut wird. Die deutschen Autobauer kaufen die herkömmlichen Lithium-Ionen-Zellen bei Herstellern aus Japan, Korea und China ein. Doch das Zukunftsgeschäft mit den Batterien der nächsten Generation soll nicht allein den Asiaten überlassen werden, fordern Politiker und Gewerkschafter. Sie drängen die Hersteller, die Zellen selbst in großem Stil in Deutschland zu produzieren. Nun stellte Diess eine Fabrik für Feststoff-Batterien in Europa in Aussicht, unter Umständen sogar in Deutschland.

Enttäuschung beim Konzernchef

Der Konzernchef zeigte sich enttäuscht, dass sein Vorschlag für eine europäische Produktion von Batteriezellen der aktuellen Lithium-Ionen-Technik nicht aufgenommen worden sei. „Wir sind etwas zurückgescheut, weil das üblicherweise eine Aufgabe für Zulieferer gewesen wäre.“ Nun habe Volkswagen entschieden, sich beim nächsten Schritt selbst zu engagieren.

Der Autobauer hatte dazu unlängst ihre Beteiligung an dem Start-up Quantum Scape erhöht und investiert dort 100 Millionen Dollar (85 Millionen Euro). „Wir haben unser Geld ins Körbchen gelegt. Aber es ist ein Start-up, und nicht alle Start-ups schaffen es in die Serienproduktion“, dämpfte Diess Erwartungen an eine rasche Realisierung. Volkswagen werde jedoch „alles tun, damit sie es schaffen.“

Hoffnung auf gemeinsame Produktion in Europa

Die Hoffnung auf eine gemeinsame Zellfertigung für Lithium-Ionen-Batterien in Europa hat Volkswagen noch nicht aufgegeben. Die Ansätze dafür seien jetzt ganz gut. „Ich würde es nicht ausschließen, dass wir das ein oder andere europäische Konsortium anschieben können, weil wir eine europäische Fabrik brauchen.“ Der Österreicher Diess verwies in dem Zusammenhang auf den chinesischen Batteriezell-Produzent CATL, der eine erste Fabrik in Thüringen hochziehen will, um Autobauer wie Daimler, Volkswagen und BMW zu beliefern.

Volkswagen investiert in den nächsten Jahren insgesamt 34 Milliarden Euro in die Elektromobilität, autonomes Fahren und die Digitalisierung. Gleichzeitig müssen Milliarden in die Hand genommen werden, um die Klimaziele zu erreichen. Zudem müssen die Verbrennungsmotoren sauberer werden. Um diese gewaltigen Kosten zu stemmen und mit einer ansprechenden Rendite für Investoren interessant zu bleiben, will Diess die Kosten weiter deutlich senken. Er kündigte an, die Effizienz bis 2025 über alle Marken und Werke hinweg um 30 Prozent zu steigern.

Dank sprudelnder Einnahmen aus dem Autogeschäft ist Volkswagen derzeit in der Lage, kräftig zu investieren. Mit dem Hochfahren der Produktion von Elektroautos wird der Kraftakt in den nächsten Jahren jedoch größer. Hinzu kommen immer noch hohe Mittelabflüsse durch die Dieselkrise.

apa/reuters

stol