Mit jungen 20 Jahren gründete Maria Niederstätter 1974 das Service-Unternehmen. Wie es damals war, sich als Frau in einer von Männern dominierten Baubranche durchzusetzen, und warum ihr Bruder Anton sich dafür entschieden hat, im Unternehmen einzusteigen, erklären beide im Stol-Interview. <BR /><BR /><b>Frau Niederstätter, Sie haben mit 20 Jahren den Betrieb gegründet. Warum so früh?</b><BR />Maria Niederstätter: Dank unserem Vater. Er hatte damals ein Unternehmen, welches Gerätestiele, wie Schaufel und Pickel, an verschiedene Firmen lieferte. Unser Vater hatte eine enorme Weitsicht und schenkte uns früh das Vertrauen, den Betrieb zu übernehmen. Meine älteste Schwester, Helene, arbeitete damals in der Bank und war nicht interessiert. Ich aber, als Zweitälteste, habe zugesagt. Allerdings war ich erst 20 und durfte noch nicht in die Handelskammer eingetragen werden, da man damals erst mit 21 volljährig war. Deswegen musste ich aufs Gericht zum Richter. Der hat mich dann 20 Minuten lang geprüft und mich dann als volljährig erklärt. <BR /><BR /><embed id="dtext86-62780764_quote" /><BR /><BR /><b>Wie war es damals als Frau in einer von Männern dominierten Baubranche?</b><BR />Maria Niederstätter: Man hat sich sehr allein gefühlt. Egal, ob Mitbewerber, Kunden oder Banken, alle sagten zu mir, dieser Job sei nichts für eine junge Frau. Ich hätte keine Chance. Unser Vater war der Einzige, der uns das Vertrauen geschenkt hat. Das ging so weit, dass er auch in der Bank unterschrieben und mit seinem Hab und Gut für uns gebürgt hat. Ich konnte auch niemanden im Umfeld um Rat fragen, die Antwort war immer: „Das kannst du eh nicht“. Doch das habe ich nicht akzeptiert und weitergemacht nach dem Motto: Jetzt erst recht.<BR /><BR /><b>Bald kam dann Unterstützung vom Bruder…</b><BR />Maria Niederstätter: Ja. Als die Lkw, vollbeladen mit Nägeln oder Schubkarren, kamen, habe ich immer Toni um Hilfe gebeten. Wir mussten anfangs alles mit der Hand abladen. War es anfangs ein Lkw pro Woche, wurden es mit der Zeit immer mehr. Irgendwann sagte unser Vater, er solle sich entscheiden. Entweder bleibt er daheim und übernimmt den Hof, oder er steigt in den Betrieb mit ein. <BR /><BR /><b>Warum haben Sie sich für den Betrieb entschieden?</b><BR />Anton Niederstätter: Zum einen, um meiner Schwester zu helfen. Zum anderen, weil mich immer schon Maschinen fasziniert haben. Deswegen haben wir auch das Geschäft von Werkzeugen und kleinen Gerätschaften auf größere Maschinen ausgeweitet. Wir sind auf viele Messen gegangen und waren sehr bemüht, die besten Marken ins Haus zu holen. Eine der ersten großen Marken war das italienische Unternehmen „Dieci“.<BR /><BR />Maria Niederstätter: Ich kann mich noch erinnern, wie wir in Mailand am Firmensitz der Atlas Copco – einem riesigen Maschinenkonzern – vorbeigefahren sind und geschwärmt haben, wie großartig das wäre, diese Marke zu vertreten. Wir haben nichts unversucht gelassen, uns beworben und später den Zuschlag bekommen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-62780768_quote" /><BR /><BR /><b>Bekannte Marken im Sortiment zu haben, war also wichtig fürs Wachstum?</b><BR />Anton Niederstätter: Es war eine große Stütze. Jedes Mal, wenn wir eine wichtige Marke ins Haus gebracht haben, ist der Markt irgendwo auf den aufgesprungen. Und ebenfalls wichtig war, dass wir nicht nur auf Verkauf, sondern auch auf die Vermietung und Servicedienstleistungen gesetzt haben. Mittlerweile ist das Verhältnis zwischen Verkauf und Vermietung 40 zu 60. Außerdem ist der Gebrauchtmarkt ein wichtiges Geschäft, für welches unsere Schwester Hildegard zuständig ist. <BR /><BR />Maria Niederstätter: Neben der Kombination aus Verkauf, Vermietung und Service ist eine weitere wichtige Strategie, nicht nur von der Bauwirtschaft abhängig zu sein. Deswegen haben wir dem Modulbau beziehungsweise Containerbau eine große Bedeutung zugeschrieben. Das hat uns in den Jahren der Rezession geholfen. Baucontainer sind für alle Bereiche nutzbar. <BR /><BR /><b>Zum Beispiel für Schulen ?</b><BR />Maria Niederstätter: Ja. Dazu gibt es auch eine lustige Geschichte. Als vor vielen Jahren die Schule in Auer umgebaut wurde und Kinder zwischenzeitlich in die Container umsiedeln sollten, haben Eltern eine Unterschriftensammlung dagegen gestartet. Dann habe ich mir überlegt, wie könnte man von außen die Containerschule schöner gestalten. Also fragte ich Künstler, ob sie uns helfen können, die Fassaden zu gestalten. Das kam sehr gut an. 15 Jahre später gab es in Albeins bei Brixen wieder eine Unterschriftensammlung. Diesmal aber ging es darum, dass Kinder unbedingt in die Container einziehen sollen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="979573_image" /></div> <BR /><b><BR />Hat es Rückschläge in ihrer langen Tätigkeit gegeben?</b><BR />Anton Niederstätter: Rückschläge als solches nicht. Wir waren immer im Aufbau. Jeden noch so kleinen Erfolg haben wir groß gefeiert. Und wenn ein Verkauf mal nicht über den Tisch gegangen ist, haben wir immer geschaut, was wir verbessern könnten. Eine schwierige Zeit waren die Anfänge der 80er Jahre. Für eine kurze Zeit waren die Zinsen auf 25 Prozent gestiegen, das wäre auf längere Dauer nicht machbar gewesen. <BR /><BR /><b>Wie ist es zwischen Geschwistern zu arbeiten? Streitet man mehr oder weniger?</b><BR />Anton Niederstätter: Streiten ist Kultur. Der Respekt muss dabei im Mittelpunkt stehen. Die Richtung, wo wir mit dem Unternehmen hinwollen, die war bei uns immer die gleiche. Dass es dann Differenzen gibt, das ist normal. <BR /><BR />Maria Niederstätter: Wenn die Werte stimmen, der Respekt, die Wirtschaftlichkeit und Menschlichkeit, dann stimmts. Aber auch Frust freien Lauf zu lassen, braucht es. Ich denke, dass man lernen muss, viel Geduld aufzubringen. <BR /><BR /><b>Mittlerweile wurde im Unternehmen ein Generationswechsel vollzogen. Wie lange wurde daran gearbeitet und geplant ?</b><BR />Anton Niederstätter: Wir haben 8 Jahre an diesem Generationenwechsel gearbeitet. Letztes Jahr haben wir es dann meinen Kindern Manuel und Daniela übergeben. Die Kinder sind mittlerweile zwischen 35 und 40. Wann, wenn nicht jetzt, sollen sie übernehmen? Das Problem ist auch, wir kommen mit der neusten Technik nicht mehr nach. Es ist deswegen an der Zeit, die Jungen dran zu lassen. Sie sind motiviert und wir können sie weiterhin mit unserem Wissen und der Erfahrung unterstützen. <BR /><BR />Maria Niederstätter: Wir haben auch eine Betriebspsychologin mitaufgenommen. Die hat bei der Betriebsübergabe viel geholfen. Denn nach 50 Jahren unternehmerischer Tätigkeit von dieser Bühne wieder Abschied zu nehmen, das geht nicht von heute auf morgen. Sehr wichtig ist es auch, dass die ganze Firma mit allen Mitarbeitern mitgenommen wird. Denn auch die Mitarbeiter können nicht von heute auf morgen eine neue junge Führung akzeptieren. Und zuletzt: Wie bereits unser Vater es bei uns getan hat, ist es wichtig, den Jungen den Freiraum zu lassen und ihre Entscheidungen zu akzeptieren. <BR /><BR />