Dabei erzählte er, zu dieser ungewöhnlichen Art, Wein zu präsentieren, gekommen ist und auf was es heute im Wein-Business ankommt.<BR /><BR /><b>Das Weinmagazin „Vinum“ zählt Sie zu den wichtigsten deutschsprachigen Weinpersönlichkeiten, gerne werden sie von vielen auch als Wein-Influencer bezeichnet. Fühlen Sie sich als Influencer?</b><BR />Toni Askitis: Nein. Ich bin ein Meinungsmacher, klar, aber kein Influencer. Ich habe nicht grundsätzlich etwas gegen Influencer, nur bin ich eben nicht jemand, der mal das eine, mal das andere Produkt in eine Kamera hält und sagt, wie geil er es findet, nur weil, oder sagen wir lieber, auch weil er dafür bezahlt wird. So was gibt es bei mir nicht. Auch ich habe Kooperationspartner, aber darunter finden sich kaum Weinproduzenten, das heißt, was den Inhalt betrifft, bin ich frei und unabhängig. Alles andere wäre ja unglaubwürdig.<BR /><BR /><BR /><BR /><b>Bleiben wir kurz bei der Glaubwürdigkeit: Sie haben eine klassische Sommeliers-Ausbildung hinter sich, haben dann aber einen unkonventionellen Weg eingeschlagen. Wie kam es dazu?</b><BR />Askitis: Das hat bei mir eigentlich schon 2008 begonnen, als ich mein eigenes Restaurant mit Schwerpunkt Wein in Düsseldorf eröffnet habe. Da kam ich natürlich mit sehr vielen und sehr unterschiedlichen Gästen in Kontakt. Ich habe versucht, mich vom klassischen Bild des Sommeliers in Restaurants zu lösen und mein Ding zu machen. Das heißt, ich habe erstens genau darauf geachtet, wen ich vor mir habe und versucht, nicht jeden Gast mit Informationen und dem damals oft unter Sommeliers doch recht verbreiteten elitären bis arroganten Gehabe zu überfordern. Ich wollte, dass meine Gäste Bock auf Wein bekommen und nicht abgeschreckt oder eingeschüchtert werden. Das heißt, ich habe meine Gäste in einer einfachen Sprache für Qualitätsweine zu begeistern versucht. Mein Motto ist: Wein ist unkompliziert. Das kann er nämlich auch sein, nur verkomplizieren ihn viele. <BR /><BR /><b>Dreht sich die Weinwelt manchmal zu sehr um sich selbst?</b><BR />Askitis: Die Weinwelt auf einem gewissen Niveau, dazu zähle ich Produzenten, Sommeliers und Händler, haben sicherlich ein Mauerwerk um sich herum gebaut. Dieser exklusive Charakter mag bei älteren Semestern gut ankommen und auch etabliert sein, aber wenn man auch neue Menschen erreichen möchte, und das möchten die allermeisten, ist das der falsche Weg.<BR /><BR /><embed id="dtext86-54323141_listbox" /><BR /><BR /><b>Auf Instagram sind Sie als #asktoni unterwegs und haben zig-tausende Follower. Was denken Sie, schätzen die an Ihnen besonders?</b><BR />Askitis: Entstanden ist der Kanal #asktoni als Plattform für Weininteressierte, hauptsächlich sind es die 25- bis 40-Jährigen, die Fragen rund ums Thema Wein haben. Dabei ist mein Ansatz derselbe wie damals im Restaurant, das ich 2017 verkaufte: Jeder darf alles fragen und bekommt eine möglichst verständliche Antwort in einer einfachen Sprache. Dieselbe Frage taucht immer wieder auf? Kein Problem, dann beantworte ich sie eben 100 Mal. Ich bin mir nicht zu schade, das Einmaleins des Weines immer wieder zu erzählen.<BR /><BR /><b>Sie beantworten die Fragen in Kurzvideos… </b><BR />Askitis: Genau, meist sind es Stories auf Instagram. Ich habe maximal 15 Sekunden Zeit, um eine Frage zu beantworten. Das kann schon sportlich sein, wie Sie sich denken können. Aber bislang hat´s immer ganz gut geklappt. Ich beantworte aber nicht nur Fragen auf meinem Kanal, ich poste auch Videos und Fotos von Weinen, das heißt, ich setze Qualitätsweine in einen außergewöhnlichen Kontext. Und ich verkoste Weine und beschreibe meine Eindrücke nicht mit Worten, sondern mit Musik. Ich habe gemerkt, dass viele mehr Zugang über die Musik als über die Beschreibung zu dem Wein finden.<BR /><BR /><embed id="dtext86-54322639_quote" /><BR /><BR /><b>Wie klingt Ihr Lieblingswein?</b><BR />Askitis: Meine Musik ist Hip-Hop, aber im Laufe der Jahre habe ich mich sehr vielen Genres geöffnet. Je nach Stimmung höre ich von Klassik bis Minimal Techno alles. Entscheidend ist doch, welche Stimmung erzeugt wird, welche Erlebnisse damit verbunden werden usw. So ist es beim Wein auch. Um auf die Frage zu antworten: Ich habe sehr viele Lieblingssongs und sehr viele Lieblingsweine.<BR /><BR /><b>Welche Frage kommt denn von den Followern immer und immer wieder?</b><BR />Askitis: Die Frage, ob teure Weine grundsätzlich besser sind, wird mir sehr oft gestellt.<BR /><BR /><b>Und?</b><BR />Askitis: Man muss für guten Wein kein Vermögen ausgeben. Häufig unterscheiden Weininteressierte in erster Linie zwischen „schmeckt oder schmeckt nicht“. Das ist auf jeden Fall der Spirit, aber es gibt eine Hürde, die jeder nehmen muss. Und zwar die zum handwerklich hergestellten Wein. Also Finger weg von Industrieprodukten. Ich will, dass man Winzer unterstützt, die nicht das Land und die Natur für den größtmöglichen Profit ausnutzen, sondern das Geschenk ihres Weingutes anerkennen. Beherzigt man das, hat man den Kern eigentlich schon kapiert. Qualitätsweine laut dieser Definition findet man auch im Basissegment. Nur fehlt vielen Produzenten manchmal der Mut auch dieses nach vorne zu bringen, fast schämt man sich dafür, weil man doch viel lieber das Flaggschiff entsprechend promoten möchte. Das halte ich für keinen sonderlich klugen Ansatz. Entweder man produziert Qualität oder nicht.<BR /><BR /><b>Welche Weintypologien stehen bei Ihnen und damit auch den Followern hoch im Kurs?</b><BR />Askitis: Es sind vor allem trinkanimierende Weine. Ich mag keine ultraaromatischen, sehr üppigen und alkohollastigen Weine. Unabhängig von der Rebsorte, der Herkunft/Lage oder dem Ausbau. Letzthin entdecke ich auch immer mehr die Liebe zu Naturweinen oder generell „Low Intervention“-Weinen für mich. Interessant dabei ist, dass ich vielen meiner Follower erstmal erklären musste, dass nicht in jedem Wein nur Natur steckt.<BR /><BR /><b>Wie wichtig ist das Nachhaltigkeitsthema gerade für jüngere Weininteressierte?</b><BR />Askitis: Im Weinbereich stehen wir verglichen mit anderen Erzeugnissen noch eher am Anfang der Nachhaltigkeitswende. Das Thema Organic, also biologische und biodynamische Weine wird größer werden, und eben auch jenes der Naturweine. Bei Naturweinen geht es ja nicht nur darum, konventionelle Methoden im Weinberg abzulehnen, wie das die Bio-Szene macht, sondern darüber hinaus auch die zahlreichen önologischen Verfahren im Keller. Was man früher noch als „Fehler“ im Wein gesehen hat, zum Beispiel Trübanteile, steht im Naturwein für eine unverfälschte Qualität. <BR /><BR /><b>Viele Produzenten können sich mit Auszeichnungen schmücken, tun sich mit neuen Zielgruppen aber dennoch schwer, weil diese mit Weinführern wenig anfangen können oder sich heute anders informieren. Wie kommen sie an die neue Generation der potenziellen Weinliebhaber heran?</b><BR />Askitis: Wichtig ist erstmal zu wissen, dass es nach wie vor sehr viele Menschen gibt, die Lust auf Wein haben. Das heißt, die wichtigste Grundvoraussetzung ist erfüllt. Nur muss man sich dann fragen, wo sich diese jüngeren Menschen bevorzugt bewegen: hauptsächlich sind es die sozialen Netzwerke. Wichtig dabei ist, dass man sich traut, neue Wege zu gehen. Tradition und Qualität bieten viele, das reißt kaum mehr jemanden vom Hocker. Es braucht neue und frische Ideen, um auf Social Media wahrgenommen zu werden. Dabei sollte man nie Angst haben, eine Zacke aus der Krone zu verlieren. Wenn Produzenten zu mir sagen, dass diese oder jene Aktion zu revolutionär oder abgefahren für sie sei, antworte ich immer, dass sie im Weinbereich wohl nicht deshalb so erfolgreich geworden sind, weil sie alles immer auf dieselbe Weise gemacht haben. Irgendwann haben sie entschieden, etwas Neues auszuprobieren, so ist es bei Social Media und bei Veranstaltungen für Zielgruppen eben auch. Nur Mut!<BR />