Der Handel ist Wandel und er wandelt sich ständig. Diese Botschaft zog sich wie ein roter Faden durch das Tiroler Handelsforum 2026, das am 21. Mai im Congresspark Igls stattfand. Das jährliche Netzwerktreffen der Sparte Handel der Wirtschaftskammer Tirol und des Retail Lab der Universität Innsbruck stand heuer unter dem Titel Prozesse optimiert Marke tot! <BR /><BR /><BR /><BR />Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Handelsunternehmen ihre Abläufe effizienter gestalten können, ohne dabei ihre Marke, ihre Identität und vor allem den Menschen aus dem Blick zu verlieren. Bereits in den Grußworten wurde deutlich: Es gehe darum, über den Tellerrand zu schauen . Nicht der Prozess allein solle im Vordergrund stehen, sondern zunächst das Ergebnis: Was soll konkret erreicht werden? Erst danach seien Prozesse, Organisation und auch digitale Werkzeuge wie Künstliche Intelligenz sinnvoll auszurichten.<BR /><BR /><BR /><BR />Markus Webhofer vom Institute of Brand Logic in Innsbruck warnte in seinem Impuls davor, Effizienz zum Selbstzweck zu machen. Reine Effizienzorientierung führe zu nichts, entscheidend sei vielmehr der Customer Value. Während Effizienz häufig kurzfristig und nach innen gerichtet sei, sei Customer Value extern orientiert, strategisch und mit einem Entwicklungsdenken verbunden. Effizienz müsse daher intelligent gedacht werden. Im Zentrum einer Organisation müsse eine klare Idee stehen, zu der alle ihren Beitrag leisten können. Oder zugespitzt formuliert und frei nach dem Philosophen Byung-Chul Han: "Ohne Idee, ohne Sinnhorizont verkümmert das Leben zum Überleben." <BR /><BR /><BR /><BR />Ein starkes Praxisbeispiel lieferte Jakob Oberrauch von SPORTLER aus Bozen. Unter dem Titel Sportler wächst gegen den Trend zeigte er, wie sich das Südtiroler Unternehmen seit seinen Anfängen im Jahr 1977 entwickelt hat. Heute beschäftigt SPORTLER rund 1.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an 37 Standorten im Alpenraum. Jakob Oberrauch trat 2014 ins Unternehmen ein; seither ist SPORTLER sowohl online als auch stationär gewachsen. Der Fokus liegt klar auf Bike und Bergsport, zugleich wurde stark in Logistik und Nachhaltigkeit investiert.<BR /><BR /><BR /><BR />Besonders deutlich wurde: Online-Handel und stationärer Handel sind bei SPORTLER keine Gegensätze, sondern eng miteinander verbunden. Mehr als 60 Prozent der Umsätze gehen auf loyale Kundinnen und Kunden zurück. Den Unterschied mache nach wie vor der Mensch, betonte Oberrauch. Die Mitarbeiterzufriedenheit liege bei 4,7 von 5 Punkten. Entscheidend seien authentische und leidenschaftliche Menschen, die Sport nicht nur verkaufen, sondern selbst leben. Deshalb gebe es bei SPORTLER auch einen Sporttag für jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter.<BR /><BR /><BR /><BR />Oberrauch beschrieb Leistung als Summe von Ergebnis und Verhalten. Das Credo des Unternehmens laute: Wir machen die Welt sportlicher. Für den Handel sei es vermehrt wichtig, neugierig zu bleiben und zugleich demütig.<BR /><BR /><BR /><BR />Das Tiroler Handelsforum 2026 machte damit deutlich: Prozessoptimierung, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sind wichtige Instrumente. Doch sie entfalten erst dann Wirkung, wenn sie auf eine klare Idee, eine starke Marke und echten Kundennutzen ausgerichtet sind. Der Handel der Zukunft braucht Technologie aber er bleibt ein Geschäft von Menschen für Menschen.<BR /><BR /><BR /><BR />Auch aus Südtirol waren mehrere Vertreterinnen und Vertreter vor Ort. Neben Eurac Research als Kooperationspartner der Universität Innsbruck nahmen unter anderem Vertreter der Gemeinden Brenner und Schluderns sowie des Raiffeisenverbandes Südtirol teil. Das nächste Tiroler Handelsforum findet am 13. Mai 2027 erneut im Congresspark Igls statt.