Worauf es beim Christbaumzüchten ankommen – und was Christbaumschafe sind, lesen Sie auf s+.<BR /><BR />Das nächste Weihnachtsfest kommt bestimmt – denken sich manche Südtiroler Bauern und züchten deshalb Christbäume. Die meisten von ihnen tun das im Nebenerwerb. Im Burggrafenamt haben wir aber auch einen bäuerlichen Betrieb angetroffen, der sich auf Christbäume spezialisiert hat. <BR /><BR />Christbaumkugeln oder Christbaumkerzen sind jedem ein Begriff. Aber was um alles in der Welt sind Christbaumschafe? Es gibt sie tatsächlich, und es handelt sich nicht um jene, die mit den Hirten vor der Krippe stehen. Offiziell heißt die Rasse Shropshire. Sie stammt aus England, hat aber im Vergleich zu anderen Schafrassen eine besondere Eigenschaft: Shropshire-Schafe mögen keine Triebe von Nadelbäumen. Deshalb haben findige Christbaumzüchter sie vor vielen Jahren als Arbeitstiere für sich entdeckt. Statt den Unterbewuchs der Plantagen mit Chemie oder der Sense zu entfernen, überließen sie die Pflege der Christbaumkulturen den grasenden Schafen. Seither tragen diese den Spitznamen Christbaumschafe.<h3> Christbaumschafe als Rasenmäher</h3>Auch Markus Lunger beschäftigt 13 dieser vierbeinigen Rasenmäher, die noch dazu für eine natürliche Düngung des Bodens sorgen – und später herzhaftes Fleisch liefern. Der Nebenerwerbsbauer aus Steinegg hat die Tiere in Österreich entdeckt und sofort welche angeschafft. Markus Lunger ist ein erfahrener Christbaumzüchter. Sein inzwischen verstorbener Vater Luis hat ihm die Pflege von Baumkulturen quasi in die Wiege gelegt. Vor rund 45 Jahren verkaufte Luis Lunger zum ersten Mal Fichtenbäumchen auf dem Bozner Gerichtsplatz, weil sein Höfl zu wenig Geld abwarf. Gerade mal ein Dutzend Bäume pferchte er jeweils in den Tagen vor Weihnachten in seinen Fiat 500 und fuhr damit durch die Eggentaler Schlucht in die Stadt. <BR />Sohn Markus stand mit ihm an den Adventssonntagen auf dem Platz. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="841103_image" /></div> <BR /><BR />Und dort steht er ab dem nächsten Wochenende wieder, inzwischen mit seiner Tochter Nadja. Der Christbaumverkauf sei ein gutes Zubrot, sagt er, der den Haupterwerb als selbstständiger Handwerker erzielt. Die Arbeitsstunden, die er für die Aufzucht, das Schlagen und Verkaufen der Bäume aufwendet, dürfe man allerdings nicht berechnen. Für ihn ist die Christbaumzucht eher eine Art Ausgleich zum Beruf am Bau. <BR /><BR />So ähnlich wie Markus Lunger stellt sich die Situation für die meisten Christbaumzüchter in Südtirol dar. Die Aufzucht von Nadelbäumen ist in der Regel ein Nebenerwerb, von dem man auf den ersten Blick glauben möchte, dass viel Geld bei wenig Arbeit herausschaut. Tatsächlich aber brauchen Christbaumkulturen viel Aufmerksamkeit. Sind die Bäume noch klein, benötigen sie immer genügend Wasser. Werden sie größer, muss der Bauer darauf achten, dass sie genügend „Luft“ und Licht bekommen. Und sind keine Shropshire-Schafe vorhanden oder diese satt, muss der Unterbewuchs sorgfältig gemäht werden. Ab dem Spätherbst wechseln bei manchen Christbaumzüchtern bereits die ersten Prachtstücke den Besitzer – als Deko auf Märkten oder auf Dorfplätzen zum Beispiel. Und der Dezember ist ohnehin der heißeste Monat für die Züchter, die in der Regel auch die Verkäufer vor Ort sind. <h3> Die Antwort auf die Flut der Nordmanntannen</h3>Rund 2000 Fichten, Blaufichten, Weiß- und Nordmanntannen wachsen auf den insgesamt etwa 2000 Quadratmeter großen, relativ steilen Wiesenflächen und im Wald von Markus Lunger. Einige hundert davon wandern jeden Dezember zu den Kunden. Für die Nordmanntannen werden die Pflänzchen im Ausland gekauft. Die anderen Pflanzen erwerben Bauern wie er zum Selbstkostenpreis von der Forstbehörde, wobei sich Fichten in der Regel natürlich vermehren. <BR /><BR />Früher waren Nordmanntannen für die heimischen Bauern kein Thema, doch seit die Christbäume mit den buschigen Zweigen und satten Nadeln als Massenware im Handel verkauft werden, ziehen auch einige Züchter aus Südtirol nach. Markus Lunger erinnert sich: „Damals, Ende der 1990er-Jahre, als der Markt von importierten Nordmanntannen regelrecht überschwemmt wurde, wollte ich das Ganze schon aufgeben.“ Zu Schleuderpreisen seien die Bäume abgegeben worden, und kaum mehr jemand wollte die vergleichsweise bescheiden wirkenden Südtiroler Bäumchen haben. Später sei der Boom abgeflaut, der Preis für Nordmanntannen wieder gestiegen. Inzwischen teilt man sich den Markt friedlich auf. „Jeder hat so seine Stammkunden.“<BR /><BR />5 Euro kosten bei Markus Lunger die Mini-Christbäumchen. Danach steigt der Preis je nach Größe und Beschaffenheit auf durchschnittlich 20 bis 40 Euro. Rund 100 Euro und mehr zahlen Kunden für die 3- bis 4-Meter-Prachtstücke. Damit unterscheidet sich der Preis nicht wesentlich von jenen „von der Stange“. „Natürlich müsste ich oft mehr verlangen“, sagt Markus Lunger. Aber man müsse sich den Mitbewerbern anpassen. „Und bei den Kunden sitzt das Geld auch nicht mehr so locker …“ Positiv sei, dass die Wertschätzung der Kunden für einheimische Christbäume seit einigen Jahren gestiegen ist. „Das hat sicher auch mit dem gewachsenen Umweltbewusstsein zu tun.“ <h3> Mit den Mondphasen und ohne Chemie</h3>Er mag recht haben, denn Bäume aus Massenzüchtungen werden nicht nur hunderte Kilometer weit gefahren – Stichwort CO2 –, sondern normalerweise auch chemisch behandelt, damit sie regelmäßig wachsen und die Nadeln nicht schon vor Weihnachten verlieren. „Haarspray“ nennt Markus Lunger die letzte Behandlung vor dem Transport ironisch. So etwas kommt für ihn nicht in Frage, wie übrigens für keinen der vom „WIKU“ befragten Züchter. Stattdessen hält er sich strikt an die Mondphasen. „Je näher am Vollmond der Baum geschlagen wird, desto länger bleibt er frisch“, weiß er. Dieser Tage – morgen ist Vollmond – hat er also ziemlichen Stress. <BR /><BR />Vollmond, das ist auch das Stichwort für Klaus Mader. Der Bauer aus Sarns hat seinen Bio-Hof vergangenes Jahr auf biodynamische Wirtschaftsweise umgestellt und richtet sich deshalb beim Pflanzen, Düngen und Ernten nach den Mondphasen. Das gilt auch für seine kleine Christbaumwiese, auf der mehrere 100 Weißtannen gedeihen. „Das ist eine einheimische Pflanze, damit kann ich mich identifizieren“, betont der Biobauer. 60 bis 80 Tannen werden heuer an Weihnachten wieder in den Stuben seiner Kunden stehen. Vor 20 Jahren hat Klaus Mader mit seinem Vater überlegt, wie er denn diese eine, besonders steile Futterwiese wirtschaftlich besser nutzen könnte, und begann, dort Christbäume zu züchten. Mit Erfolg. „Die Kunden kommen mittlerweile aus ganz Südtirol hierher und suchen sich eine Tanne aus“, sagt er.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="841106_image" /></div> <BR /> Das mag auch daran liegen, dass die Christbäume vom „Roaner“, wie das Rainergut genannt wird, biozertifiziert sind, also von einer unabhängigen Kontrollstelle überprüft werden. Der Bauer bestätigt, dass zwar der größte Teil der Christbäume von Südtiroler Bauern unbehandelt sein dürfte. Die Zertifizierung sei aber ein Prädikat, eine Garantie. Einen höheren Preis als andere Bauern verlangt Klaus Mader für das Bio-Christbäumchen aber nicht. Ohnehin schaue bei diesem Nebenerwerb nicht mehr als ein Weihnachtstaschengeld heraus. Die Arbeitsstunden abgerechnet sei es „eine Nullnummer“. Dennoch hält er an seinem Nebenerwerb fest: Die Christbaumzucht passe gut in das Konzept des Hofes, der übrigens mit mehreren Besonderheiten aufwartet, etwa als Lernort für hochsensible Kinder. <h3> Wenn die Zucht zum Haupterwerb wird</h3>Keine Nullnummer ist das Geschäft mit den Christbäumen für Erich Gassebner. Gemeinsam mit seinem Sohn Stefan züchtet der Bauer vom Rafflerhof in Völlan Christbäume im Vollerwerb. Das bedeutet: Der Hof lebt ausschließlich von Weihnachten, und er lebt offenbar gar nicht schlecht davon. Denn Werbung brauche er nicht, erklärt Erich Gassebner auf die Interview-Anfrage des „WIKU“. Er habe genügend Stammkunden, sodass der Christbaumabsatz pro Jahr ziemlich genau planbar sei. <BR /><BR />Vor genau 50 Jahren, 1972, hat Erich Gassebner – auch er mit seinem Vater – im Advent erstmals Christbäume aus dem eigenen Wald verkauft. 6 Jahre später wurden die ersten Bäume gesetzt, und heute gedeihen auf rund 3 Hektar Fläche etwa 30.000 bis 40.000 Bäume. „Die Entscheidung, vom Obst auf Christbäume umzuschwenken, haben wir nie bereut“, beteuert Erich Gassebner. Er mache seinen Job liebend gern, Sohn Stefan würde ihn bald übernehmen. Sein kleiner Obsthof hätte sich früher immer Marktschwankungen und Genossenschaftsentscheidungen unterordnen müssen und sich deshalb schwer getan. Die Christbäume ermöglichen der Familie hingegen eine gute Kalkulation. <BR /><BR />Diese ist auch notwendig. Denn ein Nadelbaum braucht in der Regel mindestens 8 bis 10 Jahre, um „christbaumtauglich“ zu werden. „Deshalb erstellen wir ein 10-Jahres-Programm, nach welchem gepflanzt und geschlägert wird.“ <BR /><BR />Rund 3000 Bäume verkauft die Familie Gassebner jedes Jahr ab Hof und auf Märkten zu einem Durchschnittspreis von 20 bis 40 Euro. Bei größeren Bäumen steigt der Preis um 15 Euro pro Meter. Nennenswerte Einbußen aufgrund von ungünstiger Witterung oder Schädlingen wie den Borkenkäfer hatte der Burggräfler Bauer noch nicht. Sein Glück sei, dass der Hof an einem Nordhang liege und er fast ausschließlich robuste Nordmanntannen züchte. Makellose Schönheiten seien es nicht immer, dafür aber natürlich und nicht importiert. <h3> In Südtirol ein Nischengeschäft</h3>Wie viele Christbaumzüchter es in Südtirol gibt, ist nicht belegt. Überhaupt ist die Christbaumzucht für Südtirols Bauern kaum ein Thema, wie es vom Bauernbund heißt. Vor allem, weil einige Faktoren berücksichtigt werden müssen, damit das Geschäft mit den Bäumchen auch rentabel ist: die notwendige Fläche, der richtige Standort, die Höhe der Investitionen und nicht zuletzt der Pflegeaufwand über mehrere Jahre.<BR /><BR />Das ist in Österreich anders. Dort ist die Produktion und Vermarktung von Weihnachtsbäumen für zahlreiche bäuerliche Betriebe ein wichtiger Erwerbszweig, wie es vonseiten des Waldverbandes Österreichs heißt. Führend im Anbau ist übrigens das Bundesland Niederösterreich, wo rund 200 Bauern jedes Jahr etwa 1,1 Millionen Bäume verkaufen, das ist rund die Hälfte aller österreichischen Christbäume, und damit 22 Millionen Euro erwirtschaften.<BR /><BR /><BR />