Hannes Gamper, Geschäftsführer von Südtirols größtem Juwelier, Tiroler Goldschmied, erzählt, was eingeschmolzen und ausgezahlt wird und wie seine Branche mit den Rekordpreisen beim Gold umgeht. <BR /><BR /><b>Herr Gamper, sind Gold-Rekorde auch goldene Zeiten für Juweliere?</b><BR />Hannes Gamper: Wenn Sie darauf anspielen, dass der hohe Goldpreis auch unsere Gewinnspannen erhöht, dann sicherlich nicht. Viel eher stellt er uns vor gewisse Herausforderungen. Grundsätzlich beobachten wir tagtäglich, was auf den Goldmärkten passiert. Um nicht Gefahr zu laufen, am Höchststand einkaufen zu müssen, beziehen wir den Rohstoff aber für mehrere Monate im Voraus.<BR /><BR /><BR /><b>Die höheren Kosten im Einkauf dürften auch den Goldschmuck verteuert haben…</b><BR />Gamper: Sicherlich, wobei sich die Erhöhungen bei uns in Grenzen halten, weil der Materialwert im Schnitt nur rund 50 Prozent des Verkaufspreises ausmacht. Der Rest entfällt auf das Design und die professionelle Verarbeitung. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1154376_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Die Schmuckindustrie in Deutschland hat erst kürzlich darüber berichtet, dass Käufer aufgrund der hohen Goldpreise verstärkt auf Alternativen aus Platin und Silber ausweichen. Ist das bei Ihnen auch so?</b><BR />Gamper: Wer Gold haben will, kauft Gold, auch weil er weiß, dass er etwas kauft, das auf lange Sicht an Wert gewinnt. Ich kann mich noch erinnern wie mein Vater ein Kilogramm Gold zum damaligen Wert von 9 Millionen Lire kaufen konnte. Mittlerweile hat sich der Preis verzwanzigfacht. Eine andere Sache ist der Massenmarkt des industriell gefertigten Schmucks. Das ist aber nicht unser Geschäft. Dort beobachten wir schon, dass mehr mit niedrigen Goldanteilen oder anderen Edelmetallen gearbeitet wird, um preislich interessant zu bleiben. <BR /><BR /><BR /><b>Gold-Ankaufstellen haben derzeit wieder Hochkonjunktur, weil Besitzer ihren Schmuck zu Geld machen wollen. Spüren Sie davon auch etwas?</b><BR />Gamper: Natürlich. Die Goldpreis-Rallye macht sich in unseren Geschäften deutlich bemerkbar. <BR /><BR /><embed id="dtext86-69500436_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Was bringen die Goldbesitzer denn so alles vorbei?</b><BR />Gamper: Vom Goldkettchen, das jemand zur Taufe geschenkt bekommen hat, bis hin zur Sporttasche voller Erbschmuck ist alles dabei. Wobei ich betonen möchte, dass es in Italien seit einigen Jahren äußerst strenge Richtlinien fürs Einschmelzen von Altgold gibt und nur autorisierte Unternehmen den Goldankauf abwickeln dürfen.<BR /><BR /><BR /><b>Wie geht das vor sich?</b><BR />Gamper: Das Prozedere ist klar geregelt. Erstens, um die Rückverfolgbarkeit zu 100 Prozent zu gewährleisten. Zweitens, um auch die Qualität sicherzustellen. Den Schmuck unterziehen wir zuerst einer Vorprüfung, dann geht es weiter an sogenannte Scheideanstalten, die die Materialien einschmelzen und voneinander trennen, um am Ende Feingold zu erhalten. Der Kunde bekommt den Wert des Goldanteils im Schmuck, berechnet zu den tagesaktuellen Preisen für Altgold, die natürlich eng mit dem Goldpreis korrelieren. Davon werden die Kosten der Analyse und der Scheideanstalt abgezogen, die bei rund 10 Prozent des Wertes liegen können. <BR /><BR /><BR /><b>Von welchen Summen reden wir da, die für Besitzer herausschauen können?</b><BR />Gamper: Bei einem Taufkettchen in 750er-Gelbgold sind das vielleicht einige hundert Euro, die der Besitzer bekommt. Aber bei uns kommen auch Kunden mit größeren Schmuckbeständen vorbei, die dann bis zu 50.000 Euro oder mehr für ihr Altgold erhalten. Das hängt von Fall zu Fall ab – der Tageskurs, der Goldgehalt und die Menge sind entscheidend. <BR /><BR /><BR /><b>Auch weniger seriöse Goldankäufer werben aktuell mit besonders verlockenden Angeboten. Wie kann ich sie erkennen?</b><BR />Gamper: Seriöse Ankaufstellen und befugte Juweliere bieten alle ähnliche Preise fürs Altgold, da gibt es keine großen Ausreißer. Bei unseriösen ist das anders: Mir ist ein Fall eines Ankäufers bekannt, der damit warb 100 Prozent des Altgoldwerts zu zahlen. In der Praxis sah das dann so aus: Sein „Büro“ hatte er in einem Hotelzimmer und ausgezahlt hat er unterm Strich weit weniger als in jeder anderen Ankaufstelle. Wer mit etwas Hausverstand an die Sache herangeht, und sich nur an offizielle Anbieter wendet, muss aber prinzipiell keine Angst haben, ein schlechtes Geschäft zu machen. <BR /><BR /><BR /><b>Apropos Geschäft: Wie hat sich eigentlich Ihre Branche in den letzten Jahren verändert – spüren auch Sie die Konkurrenz durch den Online-Handel? </b><BR />Gamper: Online ist auch bei uns ein großes Thema. Schmuckkäufer setzen mittlerweile voraus, dass man digital sichtbar ist und die Produkte auch online kaufen kann. Dabei spielt es keine Rolle, ob man ein Juwelier mit einer Filiale ist oder ein globaler Schmuckkonzern – die Ansprüche des Kunden sind immer gleich hoch. Wir haben uns rechtzeitig auf diese Veränderung eingestellt; drei Mitarbeiter kümmern sich aktuell bei uns darum, sodass wir heute 10 Prozent unseres Umsatzes über diesen Kanal erwirtschaften. Wir sehen den Online-Auftritt als wichtige Filiale, nur eben digital statt physisch. <BR /><BR /><BR /><b>Gibt es Artikel, die online besonders gefragt sind?</b><BR />Gamper: Es wird fast alles online gekauft, sogar Verlobungsringe. Eine Ausnahme bilden nur Eheringe, bei denen beide Ehepartner ins Geschäft müssen. Wie gesagt: Es braucht heute beides – ein Geschäft und einen Onlineshop, und beides muss mit Professionalität betreut werden.<BR /><BR /><BR /><i><b>Zum Tiroler Goldschmied:</b><BR />Der Tiroler Goldschmied ist Südtirols größter Juwelier mit insgesamt 25 Mitarbeitern und 5 Filialen: in Schenna, Dorf Tirol, Meran, im Quellenhof Luxury Resort Passeier sowie in Rottach-Egern am Tegernsee (Bayern).</i>