Montag, 09. November 2015

VW-Skandal: Weit mehr größere Eingriffe nötig als vermutet

Allein in Deutschland sind bei 540.000 Fahrzeugen Technik-Änderungen nötig. Beim größten Rückruf der Firmengeschichte ab Jänner 2016 reicht ein reines Software-Update in vielen Fällen nicht aus.

Greenpeace-Aktivisten haben am Montag am VW-Hauptsitz in Wolfsburg in gewohnt auffälliger Weise gegen den Abgasskandal protestiert.
Greenpeace-Aktivisten haben am Montag am VW-Hauptsitz in Wolfsburg in gewohnt auffälliger Weise gegen den Abgasskandal protestiert. - Foto: © APA/AFP

Allein in Deutschland sind wegen des VW-Abgasskandals vermutlich bei 540.000 Diesel-Fahrzeugen größere technische Änderungen und nicht nur nur ein Austausch der manipulierten Software nötig.

Davon ist laut Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) derzeit auszugehen, teilte das Verkehrsministerium am Montag in Berlin mit. Die Rahmenbedingungen für diese Hardware-Änderungen soll VW den betroffenen Autohaltern mitteilen.

Hintergrund ist der vom KBA allein in Deutschland angeordnete verbindliche Rückruf für insgesamt 2,4 Millionen Fahrzeuge, der Anfang 2016 beginnen soll. Dabei geht es um verschiedene Modelle. VW hatte bereits mitgeteilt, dass für Autos mit 2,0 Litern Hubraum reine Software-Lösungen reichen sollen. Bei anderen Modellen sind darüber hinaus Anpassungen in der Motortechnik nötig – also Eingriffe nicht nur über die Programmierung.

Mitte Oktober hatte das KBA den VW-Konzern zu der zunächst als freiwillig geplanten Rückrufaktion verpflichtet. Europaweit sind insgesamt etwa 8,5 Millionen Dieselautos von der Affäre um geschönte Stickoxid-Emissionswerte betroffen, weltweit rund 11 Millionen. Die Großaktion soll laut dem deutschen Verkehrsminister Alexander Dobrindt im Jänner starten und dürfte sich bis zum Jahresende hinziehen.

Der Skandal hatte sich in der vorigen Woche noch ausgeweitet: VW teilte mit, dass es auch beim Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid (CO2) „Unregelmäßigkeiten“ gab. Unter den 800.000 Fahrzeugen mit falschen CO2-Werten sind nach Informationen Dobrindts auch 98.000 Benziner. „Sowohl das Vorgehen, das zu diesen Ergebnissen geführt hat, als auch die Ergebnisse selber sind inakzeptabel“, sagte er.

Bisher legte Europas größter Autokonzern 6,7 Milliarden Euro für das Stickoxid-Problem zurück. Die „wirtschaftlichen Risiken“ des CO2-Problems wurden zunächst auf weitere 2 Mrd. Euro geschätzt.

apa/dpa

stol