Schon Mitte März wurden die gesamtstaatlichen Kollektivverträge für den Bereich Handel erneuert. Darauf aufbauend sollte der Landeszusatzvertrag abgeschlossen werden – wie in anderen Branchen eben auch. „Jetzt Zusatzabkommen ausverhandeln“, hieß es damals vonseiten der heimischen Sozialpartner. <BR /><BR /> Doch daraus wurde bislang nichts. Die Gewerkschaften haben im Frühjahr die Verhandlungen mit dem Branchenverband hds abgebrochen: „Wir hatten keine andere Wahl, als den Verhandlungstisch zu verlassen. Der hds zeigte keinerlei Bereitschaft, unseren Forderungen nachzukommen und damit auch wenig Verständnis für die Lage der Beschäftigten, die in den letzten Jahren mit den hohen Inflationsraten erhebliche Kaufkraftverluste erleiden mussten“, so Alex Piras, Vorsitzender der Fachgewerkschaft Handel und Gastgewerbe im Autonomen Südtiroler Gewerkschaftsbund (ASGB). <BR /><BR />Mit dem Ergebnis, dass in der Hotellerie und Gastronomie rund einen Monat nach Erneuerung des gesamtstaatlichen Kollektivvertrags bereits der Landeszusatzvertrag vorliegt, während der Handel auch fast ein halbes Jahr später noch ohne dasteht. <h3> Knackpunkt lokales Lohn-Plus</h3>Wie soll es nun weitergehen? „Es wird wieder eine Annäherung geben. Die Fronten müssen aufgeweicht werden“, erklärt Piras gegenüber diesem Medium. „Das heißt nicht, dass wir unsere Anliegen über Bord werfen werden. Wir werden weiterhin darauf pochen, dass das provinziale Lohnelement erhöht wird. Zwar nicht in einem Male von heute auf morgen, aber deutlich in Richtung auf die von uns mittelfristig geforderte Höhe von 150 Euro. Es ist an der Zeit, ein klares Zeichen zu setzen. Dieses Lohnelement, das die Unterschiede in den Lebenshaltungskosten zwischen Südtirol und dem restlichen Italien abfedert, beläuft sich seit fast 2 Jahrzehnten auf nur 8 Euro brutto. Das kann so nicht bleiben; noch dazu in einem Sektor wie dem Handel, indem das Lohnniveau in Südtirol ohnehin eher niedrig ist“, bemängelt Piras. <h3> „100 oder 150 Euro sind nicht drin“</h3>Und was meint die Arbeitgeberseite? „Wir sind zuversichtlich, dass es im August bzw. spätestens Anfang September zu einer Einigung kommen wird. Unser erster Vorschlag bei den Verhandlungen im Frühjahr war, beim provinzialen Lohnelement von 8 auf 16 Euro raufzugehen. Zusätzlich hätten wir eine Ausweitung der Welfare-Leistungen angeboten. Den Gewerkschaften genügte das nicht und jetzt müssen wir eben einen neuen Versuch starten“, so hds-Direktorin Sabine Mayr auf Nachfrage. <BR /><BR />Der hds sei durchaus bereit, den Gewerkschaften entgegenzukommen. Bis zu einem gewissen Grad zumindest: „Ein wenig Spielraum könnte es beim Lohnelement schon noch geben, aber wir werden sicherlich weit unter 100 oder wie mittelfristig gefordert 150 Euro liegen. Eine Erhöhung in diesem Ausmaß wäre für unsere Betriebe einfach nicht tragbar. Das ist nicht drin.“ <h3> Treffen geplant</h3>Nun soll – immerhin - die Eiszeit beendet werden: Für kommende Woche ist ein Treffen zwischen den Sozialpartnern anberaumt. Aus Sicht der zig-tausend Beschäftigten im Südtiroler Handel bleibt zu hoffen, dass es bereits dann zu nennenswerten Fortschritten beim Landeszusatzvertrag kommt. Spannend wird sein, wo sich die Arbeitgeber- und die Arbeitnehmervertreter letztendlich treffen werden? Zumal zwischen den vom hds bislang angebotenen 16 Euro und den von den Gewerkschaften angepeilten dreistelligen Summen Welten liegen.