Donnerstag, 24. September 2020

Warten auf ein paar Hundert Euro

Gar einige Angestellte erleben am eigenen Leibe, wie es ist, wenn das bitter benötigte Geld von der Lohnausgleichskasse einfach nicht überwiesen wird. Das Ersparte – sofern vorhanden – geht irgendwann zur Neige, bald schon fühlt man sich machtlos, frustriert und schlichtweg abgehängt. Genau diese Erfahrungen hat auch die Verkäuferin Maria Corradini gemacht, denn seit Mai wartet sie auf die ihr zustehenden INPS-Beträge.

Viele Angestellte warten noch immer auf finanzielle Hilfe.
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Viele Angestellte warten noch immer auf finanzielle Hilfe. - Foto: © Shutterstock
Sie findet, das kann es in einem zivilisierten Land einfach nicht sein und schildert stellvertretend für viele andere – so auch für ihre Arbeitskolleginnen – ihre Erfahrungen mit Behörden und finanziellen Nöten.

Seit 30 Jahren lebt die aus München stammende Maria Corradini (56) mit ihrem Mann in Südtirol, hat 2 Kinder großgezogen und ist in einem Meraner Modehaus als Verkäuferin beschäftigt. Zu Zeiten des Corona-Lockdowns blieb das Geschäft im Zentrum der Passerstadt geschlossen, ab Mai wurde wieder geöffnet. Jedoch kamen weniger Kunden als vor Corona ins Geschäft, vor allem vermisste man in Meran die zahlungskräftigen Gäste.

„Von Pontius zu Pilatus ohne Erfolg“

„Es ist weniger Arbeit, und deshalb ist auch nachvollziehbar, wenn wir Verkäuferinnen mehr in die Lohnausgleichskasse überstellt werden. Nicht in Ordnung ist aber, dass wir seit Monaten keinen Cent von diesem Geld gesehen haben“, verdeutlicht sie ihre Lage. Sie präzisiert, dass sie die ersten beiden NISF/INPS-Raten von jeweils knapp über 400 Euro betreffend März und April regulär erhalten hatte, für die Beträge der Folgemonate aber sozusagen von Pontius zu Pilatus rennen müsse – bisher ohne jeglichen Erfolg.

Zuständigkeiten unklar

Arbeitgeber und Wirtschaftsberater hätten alle erforderlichen Unterlagen eingereicht, der zuständige Landesbeamte habe ihr erklärt, dass das Land das Geld zur Verfügung gestellt habe und laut Zuständigkeit vom gesamtstaatlichen Fürsorgeinstitut NISF/INPS verteilt werde.

Und genau dort, bei der NISF/INPS-Zentrale in Rom, hat sie immer wieder angerufen und auch die eine und andere Information bekommen – freundlich und sogar in deutscher Sprache. Ein klassischer kafkaesk anmutender Kampf gegen die Windmühlen.

„Das Geld geht schlichtweg aus“

„Es ist ja gut und recht, dass es Identifikations- und Protokollnummern und ähnliches mehr zur Bewilligung und Auszahlung braucht, aber irgendwann geht uns Angestellten schlichtweg das Geld aus“, bringt es die 56-Jährige auf den Punkt.

Monat für Monat vergeht, längst muss sie ihr Erspartes für elementare Besorgungen hernehmen. Die über 4000 Euro, die ihr mittlerweile fehlen, machen sich überall bemerkbar. Das allmächtige Bürokratiemonster, das ständig alle großmundig versichern, bekämpfen zu wollen, scheint den großen Apparat fest im Griff zu haben.

az