Derzeit zählt Südtirol 455 landwirtschaftliche Betriebe, die sich der Direktvermarktung verschrieben haben. Sie produzieren, verarbeiten und vermarkten eine große Palette verschiedenster Lebensmittel selbst, vom hofeigenen Käse über Fleischprodukte und Eier zu Obst und Wein. <BR /><BR />2019 erwirtschafteten sie einen Umsatz in Höhe von 44,7 Millionen Euro, durchschnittlich also 98.400 Euro je Betrieb: „Dieser sehr respektable Umsatz zeigt, dass Südtirols Hofstellen durch Direktvermarktung gut abgesichert werden können“, betonte Handelskammerpräsident Michl Ebner gestern bei der Vorstellung der Studie. Trotz steigender Energie- und Verpackungspreise sei es „immer ein guter Zeitpunkt, über Direktvermarktung zu sprechen“, so Ebner: „Wir als Handelskammer haben uns seit Jahren für Kilometer 0 und verkürzte Transportwege ausgesprochen – da gehört die bäuerliche Direktvermarktung absolut dazu.“ <BR /><BR />Wie aus der Studie hervorgeht, entfiel fast die Hälfte des Umsatzes (20,6 Millionen Euro) auf Wein und andere alkoholische Getränke, gefolgt von Käse und Milchprodukten mit 7,2 Millionen Euro und verschiedenen Produkten aus pflanzlichem Anbau mit 6,1 Millionen Euro. <BR /><BR />Der direkte Verkauf hofeigener Produkte sei als Ergänzung zu den Genossenschaften zu sehen, betonte der Obmann des Südtiroler Bauernbundes (SBB) Leo Tiefenthaler: „Wir haben in Südtirol ein sehr ausgeprägtes Genossenschaftssystem, das den Großteil der Wein-, Obst- und Milchproduktion vermarktet.“ Wer heute in die Direktvermarktung einsteigen will, sollte sich deshalb Nischen suchen, „etwa in Richtung Bierproduktion, auch die Fischzucht ist ein sehr interessantes Gebiet.“<BR /><BR /> Als wichtigste Gründe für den Einstieg in die Direktvermarktung gaben die Befragten hauptsächlich die Erhöhung der Wertschöpfung am Hof, die Freude an der Verarbeitung von Produkten und die betriebliche Unabhängigkeit an. Herausfordernd sei vor allem der sehr hohe Arbeitsaufwand, auch, weil sich die Kunden nicht nur eine konstant hohe Produktqualität, sondern auch schnelle Lieferzeiten erwarten: „Deshalb sollte man sich vor dem Einstieg sehr gut überlegen, ob man im Stande ist, die zusätzliche Arbeit der Verarbeitung und Vermarktung zu stemmen und ob es sich finanziell auszahlt. Hier helfen wir als Südtiroler Bauernbund gerne weiter, unter anderem mit Weiterbildungsangeboten wie der Direktvermarkter-Akademie“, betonte der SBB-Obmann. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="838409_image" /></div> <BR /><BR />Laut Studie planen 54,2 Prozent der Produzenten zukünftig den Ausbau der Direktvermarktung, vorwiegend durch Erhöhung der Produktionsmenge. 2 Drittel würden anderen Landwirten den Einstieg in die Direktvermarktung empfehlen: „Das Interesse ist groß, vielleicht zählen wir bald 600 bis 700 Betriebe, die ihre Produkte direkt vermarkten“, so Tiefenthaler.