Während in anderen EU Staaten im Jahr 2022 rund ein Drittel mehr Elektroautos gekauft wurden, sind die Verkaufszahlen in Italien um bis zu 40 Prozent zurück gegangen. Die Gründe dafür sind vielfältig.<BR /><BR />Der Weg zu der Entscheidung war heiß umkämpft und vor allem der Zeitplan für einen emmissionsfreien Verkehr in der EU wurde hart debattiert. Nun steht aber fest: Ab 2035 sollen nur noch reine Elektroautos auf europäischen Straßen zugelassen werden.<BR /><BR />Dieser Beschluss wird tiefgreifende Veränderungen mit sich bringen: für die Umwelt, den Automobilmarkt und für die Mobilität der Verbraucher. Bereits jetzt wirft er seine Schatten voraus. In ganz Europa lässt sich erkennen, dass der Wandel zum emissionsfreien Autofahren bereits 13 Jahre vor dem Stichdatum begonnen hat. Nur ein Land hinkt hinterher, wie eine Analyse der italienischen Wirtschaftszeitung „IlSole24Ore“ zeigt: Italien.<h3> Italien liegt im europäischen Vergleich meilenweit zurück</h3>Während in der EU der Verkauf von Elektroautos ind er ersten Jahreshälfte 2022 um rund 30 Prozent gestiegen ist, zeigt sich in Italien ein entgegengesetzter Trend. Dort wurden 17 Prozent weniger E-Autos verkauft. In den letzten Monaten hat sich dieser Negativtrend sogar noch verschärft: Im September bracht der Mark für E-Autos in Italien um 40 Prozent ein.<BR /><BR />Was bedeutet das in Zahlen: In Deutschland wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 167.000 Elektroautos zugelassen. In Großbritannien waren es 115.000 und in Frankreich 93.000. Italien liegt mit rund 25.000 Zulassungen weit abgeschlagen dahinter.<BR /><BR />Zudem gibt es Länder wie Spanien, die zwar noch hinter Italien liegen, wenn man auf die reinen Zahl der Neuzulassungen schaut (14.000), aber prozentual einen enormen Zuwachs verzeichnen (55 Prozent) und Italien damit schon bald im Rückspiegel betrachten könnten.<h3> Geringere Prämien sorgen für geringen Kaufanreiz</h3>Während in Europa das neue Zeitalter der Mobilität bereits angebrochen ist, scheint Italien den Anschluss zu verlieren. Doch die Uhr tickt. 2035 liegt auf den ersten Blick noch weit ind er Zukunft, doch der schein trügt. Denn der Umstieg auf E-Mobilität lässt sich nicht von einem Tag auf den anderen organisieren, sondern will von langer Hand vorbereitet sein. Warum hinkt Italien also hinterher?<BR /><BR />Geht man dieser Frage auf den Grund, stößt man auf verschiedene Aspekte, die einen Teil der Antwort liefern. Wie so oft muss man zunächst bei den rechtlichen Rahmenbedingungen anfangen, die den Markt für Elektroautos in Italien 3 Jahre lang begünstigt haben, in den vergangenen Monaten aber nicht mehr geholfen haben, um die Verkaufszahlen zu steigern.<BR /><BR />Staatliche Prämien sind ein bewährtes Mittel, um bestimmte Marksektoren, die noch in der Entwicklung stecken, anzukurbeln. In den Jahren zwischen 2019 und 2021 hat das in Sachen E-Autos in Italien auch funktioniert: Es gab zwischen 4000 und 6000 Euro als Prämie beim Kauf eines Elektroautos mit oder ohne Verschrottung eines Verbrenners. Im Jahr 2022 gab es nur noch 3000 (mit Verschrottung) bzw. 1500 Euro (ohne Verschrottung) als Prämie vom Staat.<BR /><BR />Die Halbierung der Prämien beim Kauf eines E-Autos dürfte einen starken Einfluss auf den Negativtrend in Italien haben. Das Ministrium für wirtschaftliche Entwicklung versucht dem nun zwar mit einigen neuen Bestimmungen entgegenzuwirken, ob eine Trendumkehr im Jahr 2022 aber noch möglich sein wird, ist zu bezweifeln.<BR /><BR />Ab dem 2. November können Bürger mit einem EInkommen von weniger als 30.000 Euro beim Kauf eines Elektroautos einen Beitrag in Höhe von 7500 (mit Verschrottung) bzw. 6000 Euro (ohne Verschrottung) in Anspruch nehmen. <BR /><BR />Zudem werden Beiträge in Höhe von 6000 bzw. 3000 Euro für Hybridfahrzeuge ausbezahlt. Vorgesehen ist ein Zuschuss von bis zu 80 Prozent bei der Installation von Ladestationen in Privathaushalten mit einer Obergrenze von 1500 Euro.<h3> Preisobergrenze bremst den Verkauf</h3>Während die Obergrenze beim Kauf eines E-Autos in Italien im Jahr 2021 bei 50.000 lag, wurde dieser Wert heuer auf 35.000 Euro abgesenkt. Italien hat damit die niedrigste Preisobergrenze für Elektroautos in ganz Europa. <BR /><BR />Damit kommen für den italienischen Markt zahlreiche Modelle gar nicht in Frage. Es handelt sich dabei meist um die teureren Modelle, die ein schnelleres Aufladen ermöglichen. Da die Ladezeit einen starken Einfluss auf die Kaufentscheidung ausübt, beeinflusst auch diese Regelung den Verkauf von E-Autos in Italien negativ, erklärt der Generalsekretär von Motus-E, Francesco Naso, gegenüber „IlSole24Ore“.<h3>Firmen wurden bei Anreizen vergessen</h3>Während in den vergangen Jahren auch Firmen durch spezielle Steuervorteile zum Kauf von E-Autos für den Firmenfuhrpark angeregt wurden, waren Unternehmen im Jahr 2022 von den staatlichen Anreizen für den Elektroauto-Kauf ausgeschlossen. <BR /><BR />Einzig für Carsharing-Unternehmen hatte der Staat eigene Mittel vorgesehen, die den Kauf von E-Autos begünstigen sollten. Diese wurden aber zu einem großen Teil nicht ausgeschöpft. Das Dekret des Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung dehnt die Zielgruppe dieser Maßnahme nun zwar auch auf Unternehmen aus, die E-Autos zur langfristigen Miete anbieten, doch die Auswirkungen davon muss man erst abwarten.<h3> Fehlende Sicherheit am Markt</h3>Zahlreiche europäische Länder haben sofort Mittel aus dem Wiederaufbauplans der EU verwendet, um damit Anreizpläne für den Kauf von E-Autos aufzulegen, die für die kommenden 3 Jahre angelegt sind. Das gibt potenziellen Käufern Sicherheit und ermöglicht Herstellern eine langfristige Absatzplanung. <BR /><BR />In Italien war dies bis Mai 2022 hingegen nicht der Fall. Am Automarkt bestand keine Gewissheit über Anreize, damit einherging fehlende Planung, so dass es heute teilweise schwierig ist, überhaupt ein E-Auto zu finden, wenn man eines kaufen möchte. Diese Unsicherheit hat den italienischen Markt in den Stillstand geführt.<h3> Ein Frage des Modells</h3>Dass Elektroautos in Italien kein Verkaufsschlager sind, liegt nicht ausschließlich an der Anreizsetzung, sondern auch an Eigenheiten des italienischen Marktes. <BR /><BR />Italienische Verbraucher neigen eher zum kauf von Klein- und Mittelklassewagen, wo das Angebot an E-Autos bisher noch überschaubar ist. Die Einführung des elektrischen Fiat 500 hat dem E-Automarkt in Italien einen Aufschwung verliehen: Dieses Modell machte im Jahr 2021 mit 11.000 verkauften Fahrzeugen 16 Prozent aller Neuzulassungen aus. <h3> Italien hat Ladehemmungen</h3>Nicht zuletzt hemmt die fehlende Ladeinfrastruktur den Verkauf von Elektroautos in Italien. Länder wie Deutschland oder die Niederlande verfügen bereits über ein weit verbreitetes Netz von Ladestationen. Auch beim den Ladestationen in Privathäusern oder Kondominien liegt Italien zurück, wie Daten von „IlSole24Ore“ zeigen.<BR /><BR /><BR /><BR />