Ob im Land weitere Schließungen geplant sind und ob die Aufsichtsbehörden den Raiffeisenkassen wirklich so im Nacken sitzen, wie behauptet, weiß Herbert von Leon, der Obmann des Raiffeisenverbandes. <BR /><BR /><b>Herr Verbandsobmann, wird es nach Proveis weitere Schließungen von Raika-Filialen in Südtirol geben, weil in Italien zwischen 2012 und 2021 mehr als 10.000 Bankfilialen abgebaut worden sind?</b><BR />Herbert von Leon: Ich glaube, dass die Raiffeisenkassen in Südtirol eine andere Situation haben wie die anderen Banken und ihre Filialen italienweit. Unsere Filialen sind im Großen und Ganzen nicht schlecht ausgelastet. Meines Wissens sind auch keine weiteren Filialschließungen geplant, was aber nicht heißen soll, dass in den nächsten 5 bis 6 Jahren nicht die eine oder andere Raika-Filiale trotzdem geschlossen wird. Momentan gibt es auch keinen Plan, Raika-Filialen gezielt abzubauen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-55871360_quote" /><BR /><BR /><b>Was sagen Sie zur Schließung der Proveiser Filiale der Raiffeisenkasse?</b><BR />Von Leon: Die Schließung einer Filiale ist Zuständigkeit der jeweiligen Raiffeisenkasse. Jede Raika muss die Situation selbst bewerten – in erster Linie die wirtschaftliche. Filialen werden ja nicht aus einem Gutdünken heraus geschlossen, eine solche Entscheidung hat immer Hintergründe. Meistens ist es so, dass die Frequenz und damit auch die Schalterbewegungen in der Filiale sehr, sehr gering sind. Somit sind die Kosten für eine Bewegung über Gebühr hoch, weshalb dann auch der Entschluss gefasst wird, eine Filiale zu schließen. Wenn die Frequenzen niedrig sind, heißt das natürlich auch, dass die Bevölkerung die Bankdienste vor Ort nicht mehr braucht, weil heute die meisten Leute viele Operationen über Homebanking erledigen. Und für andere Dienstleistungen müssen sie dann zur nächsten Filiale fahren.<BR /><BR /><b>Was kostet dann eine Schalterbewegung?</b><BR />Von Leon: In Filialen mit geringen Schalterbewegungen kann eine Operation in etwa zwischen 8 und 10 Euro kosten. Das ist dann jenseits von Gut und Böse, wenn eine Operation sonst 70, 80 Cent oder höchstens einen Euro kostet. Und das, so glaube ich, wird in Proveis der Fall sein. Ich möchte betonen, dass auch eine Raiffeisenkasse wirtschaftlich arbeiten muss. <BR /><BR /><b>Werden die Aufsichtsbehörden also immer strenger?</b><BR />Von Leon: Ja, sie werden immer strenger. Sie legen großen Wert auf die Wirtschaftlichkeit einer jeden einzelnen Raiffeisenkasse. Und natürlich durchleuchten sie eine jede einzelne Filiale und geben dann Empfehlungen ab. Es ist aber natürlich nicht so, dass jede Bankfiliale, die am Rande der Wirtschaftlichkeit oder defizitär arbeitet, geschlossen werden muss. Wenn aber eine gewisse Grenze überschritten ist, kommt eben massiver Druck von der Aufsichtsbehörde. Die Banca d'Italia sagt dann klar und deutlich, dass es nicht Aufgabe einer Bank ist, eine solche Filiale aufrechtzuerhalten. Wir als Verband haben keinen Einfluss darauf, ob eine Raika-Filiale geschlossen wird oder offen bleibt.