Nur wenige Tage vor Beginn der „ProWein“ hatte US-Präsident Donald Trump die Branche in Alarmbereitschaft versetzt: Mit seiner Drohung, EU-Weine mit Zöllen von 200 Prozent zu belegen. „Natürlich waren die Zölle auch Thema vor Ort. Und man spürte auch, dass einige Produzenten beunruhigt waren“, erklärte Eduard Bernhart, Direktor des Konsortiums Südtirol Wein, gegenüber diesem Medium. Kein Wunder: Südtirol exportiert jährlich 4 bis 5 Millionen Flaschen in die USA. <BR /><BR />„Im Moment bleibt jedoch nur abzuwarten, wie sich die Situation entwickelt. Wir sollten uns nicht verrückt machen lassen, bevor etwas konkret wird.“ Derweil gebe es „genügend Gründe, vorsichtig optimistisch zu sein“. <h3> „Hochwertige Kontakte“</h3>Insgesamt 40 heimische Produzenten präsentierten sich auf der diesjährigen „ProWein“, davon 33 auf dem Südtiroler Gemeinschaftsstand von Weinkonsortium und IDM. „Die Besucherzahlen und die internationale Ausrichtung waren in diesem Jahr etwas schwächer als sonst“, räumte Bernhart ein. „Für unsere Produzenten war es dennoch eine erfolgreiche Veranstaltung mit hochwertigen Kontakten.“<BR /><BR />Dass sich diesmal weniger Aussteller als üblich beteiligten, sei unter anderem der Konkurrenz durch die Fachmesse „Wine Paris“ geschuldet. „Einige Produzenten entschieden sich heuer für Paris. Da jeder Messeauftritt mit erheblichem Aufwand verbunden ist, wollen und können nicht alle überall dabei sein.“<h3> „Weinwelt am Scheideweg“</h3>Zusätzlich zu den US-Zöllen rückte der „ProWein Business Report“ der Hochschule Geisenheim die Herausforderungen der Branche in den Fokus. Laut der Studie, die auf den Aussagen von 1300 Fachleuten aus 30 Ländern basiert, sehen 50 Prozent der Befragten den rückläufigen Weinkonsum als kritisches Problem. Grund dafür seien gesundheitliche Bedenken und der Trend zu alternativen Getränken.<BR /><BR />Auch die verschärfte Alkoholpolitik bereite Sorgen. In Ländern wie Großbritannien, Irland und Skandinavien sind die Steuern auf alkoholische Getränke bereits gestiegen, und es gibt Diskussionen über zusätzliche Werbeverbote und Verkaufseinschränkungen in vielen Ländern. Besonders drastisch: Ab 2026 sollen Weinflaschen in Irland mit Warnhinweisen zu Krebsrisiken versehen werden – ein Modell, das Nachahmer finden könnte, so die Befürchtung der Branche.<BR /><BR />Während Premium-Weine lange Zeit als krisensicher galten, stehen auch sie laut „ProWein Business Report“ mittlerweile arg unter Druck. „Die Verbindung von Premiumprodukten mit Nachhaltigkeit, Lifestyle und einzigartigen Erlebnissen wird in Zukunft entscheidend sein“, heißt es im „ProWein Business Report“. <BR /><BR />„Die Weinwelt steht an einem entscheidenden Scheideweg. Während die schlimmsten Auswirkungen der steigenden Kosten für die Erzeuger in den meisten Ländern überwunden zu sein scheinen, stehen die Erzeuger und der Weinhandel nun vor der Herausforderung, sich auf die sich schnell ändernden Verbraucherpräferenzen einzustellen“, erklärt Simone Loose, Leiterin des Instituts für Wein- und Getränkewirtschaft an der Hochschule Geisenheim. <BR /><BR />Im Trend liegen laut Report vor allem Schaumweine, Weißweine und alkoholreduzierte bzw. entalkoholisierte Weine. Letztere würden in einigen Märkten, zum Beispiel im deutschsprachigen Raum, besonders stark wachsen. In der Gunst der Konsumenten rückläufig seien dagegen Rotweine, erst recht, wenn sie einen höheren Alkoholgehalt aufweisen. Laut den Branchenprofis handelt es sich dabei nicht nur um ein vorübergehendes Phänomen. Übrigens: Der Faktor Trump taucht in der Studie nur am Rande auf, weil die Befragung vor dessen Amtsantritt durchgeführt wurde. <h3> „Es spricht viel für Südtirol“</h3>Wie sind die Entwicklungen durch die Brille Südtirols zu betrachten? Simon Staffler vom Weinmagazin „Falstaff“ warnt davor, in Angststarre zu verfallen. „Es ist zweifellos richtig, dass sich der Markt im Wandel befindet. Doch Südtirol verfügt über mehrere entscheidende Vorteile gegenüber der Konkurrenz. Wein wird hier von zahlreichen kleinen Winzern und Genossenschaften produziert. Die Mengen sind begrenzt, die Vielfalt hingegen enorm – von Schaumwein bis Süßwein ist alles vertreten. Zudem spielen Weißweine, die laut Studie im Trend liegen, mit 65 Prozent der Gesamtproduktion die Hauptrolle. All das spricht klar für Südtirol. Wären wir eine Region, die ausschließlich schwere Rotweine herstellt, sähe die Situation sicher anders aus.“ Ebenso entscheidend sei die starke Position Südtirols als Destination. „Das stärkt die Weinwirtschaft – und umgekehrt.“<BR /><BR />Nichtsdestotrotz müsse man die Veränderungen, die allerorts spürbar seien, ernst nehmen. „Gerade in der Art und Weise, wie über Wein kommuniziert wird, gibt es noch einiges zu tun. Oft zu verstaubt, muss sich hier vieles bewegen, um in den Augen der Konsumenten attraktiv zu bleiben.“ Denn eines sei klar: „Wer nicht am Ball bleibt, wird in einem schrumpfenden Weinmarkt schnell irrelevant – mit oder ohne Trump-Zölle.“