Das Landesstatistikamt Astat liefert Jahr für Jahr Zahlen und Fakten zur Bautätigkeit im Land. Der wichtigste Gradmesser für die aktuelle Bereitschaft, ins Wohnen zu investieren, sind die ausgestellten Baugenehmigungen. Die Gemeinden bewilligten im Vorjahr ein Bauvolumen im Wohnbereich von 824.627 Kubikmetern – ein Minus von 7,6 Prozent im Vergleich zum bereits sehr schwachen Jahr 2023. Man muss weit zurückblicken, um einen niedrigeren Wert zu finden: 1987 waren es nur 741.144 Kubikmeter Wohnkubatur. Seither lag sie stets oberhalb der Millionengrenze – mit mehreren Hochphasen. 2020 und 2021 wurden Baugenehmigungen für mehr als 1,5 Millionen Kubikmeter ausgestellt. Betrachtet man die Bauabschlüsse im Wohnbereich, waren diese im Jahr 2024 gar so niedrig wie nie zuvor – die Zeitreihe des Astat reicht bis ins Jahr 1971 zurück.<BR /><BR />Bei der ausgestellten Baukubatur für den Nicht-Wohnbereich war die Lage insgesamt etwas besser als im Wohnbau: Sie reduzierte sich zwar um 14,2 Prozent auf 1,8 Millionen Kubikmeter, fiel im Mehrjahresvergleich aber nicht auf neue Tiefststände. Bei den Bauabschlüssen gab es ebenfalls ein deutliches Minus.<BR /><BR />Unterm Strich: Der Jahreswert 2024 der ausgestellten Baugenehmigungen ging gegenüber 2023 um 12,3 Prozent zurück, jener der Bauabschlüsse um 45,4 Prozent – Wohn- und Nichtwohnbereich zusammengenommen.<h3> Nachfrage „am Boden“</h3>„Der private Wohnbau in Südtirol liegt am Boden, er ist sicher das große Sorgenkind. Das kann man nicht anders sagen“, sagt Thomas Hasler, Geschäftsführer des Kollegiums der Bauunternehmer, zu diesem Medium. Wenig überrascht von den Zahlen zeigt sich auch Martin Haller, Präsident des Wirtschaftsverbandes lvh: „Sie spiegeln die Realität wider, die wir tagtäglich erleben. Der Wille, private Bauvorhaben in Angriff zu nehmen, ist kaum vorhanden. Der Negativtrend der letzten Jahre setzt sich leider nach wie vor fort“, ergänzt er. „Der wohl wichtigste Grund sind die hohen Finanzierungskosten.“<BR /><BR />Zur Erklärung: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ab 2022 eine beispiellose Serie an Zinserhöhungen gestartet. Danach wurden Darlehen binnen kurzer Zeit signifikant teurer – nach vielen Jahren des billigen Geldes.<BR /><BR /><embed id="dtext86-69133977_quote" /><BR /><BR />„Dazu kam 2023 das Auslaufen bzw. die Einschränkung von staatlichen Bauanreizen, allen voran des Superbonus 110, sowie ein Urbanistikgesetz, das viel Verwirrung stiftete. Diese gefährliche Mischung ist für die Misere vor allem im privaten Wohnbau verantwortlich“, so Haller. „Und dann wäre da noch die generelle Unsicherheit, die man einfach überall spürt – beeinflusst von dem, was gerade in der Welt passiert, wirtschaftlich und geopolitisch.“<h3> Die Hoffnungen der Baubranche</h3>Was also tun, um die Baubereitschaft wieder anzukurbeln? „Wir erhoffen uns viel von der Wohnbaureform. Das Wohnen mit Preisbindung oder der gemeinnützige Wohnbau haben durchaus das Potenzial, belebend zu wirken – nur um zwei Beispiele zu nennen“, so Hasler. „Ansonsten hoffen wir, dass der Staat bei den Förderungen endlich mehr Planungssicherheit schafft: Es braucht über Jahre hinaus Klarheit darüber, was und in welcher Höhe finanziell unterstützt wird.“<BR /><BR /><embed id="dtext86-69134250_quote" /><BR /><BR />Haller stimmt positiv, dass der Bedarf in Südtirol nach wie vor hoch ist. Und mittlerweile hat auch die EZB die Zinsen wieder gesenkt: „Bis man dies an der Baunachfrage sieht, dürfte noch etwas dauern. Zudem dürften einige dem jüngsten Zinssenkungskurs noch nicht so recht trauen – weshalb es derzeit noch ein gewisses Abwarten gibt.“<h3> Was für Zuversicht sorgt</h3>Trotz der Probleme im privaten Wohnbau geht es der Branche insgesamt recht gut, wie beide betonen – und wie auch aus dem Wifo-Barometer vergangener Woche hervorging (wir haben berichtet). Wie passt das mit den Astat-Daten zusammen? „Das liegt vor allem an der öffentlichen Hand, die teils mit Mitteln aus dem gesamtstaatlichen Wiederaufbaufonds PNRR für ordentlich Nachfrage sorgt“, erläutert Hasler. <BR /><BR />Ein weiterer stabilisierender Faktor sei der Tourismus, wie lvh-Chef Haller betont: „Das muss man schon klar sagen. In den letzten Jahren hat sich einmal mehr gezeigt, wie hoch der Wert des Tourismus für die Baubranche in Südtirol ist.“