Donnerstag, 14. April 2022

Warum ist der öffentliche Dienst unattraktiv geworden?

Öffentliche Wettbewerbe, die leer ausgehen, eine geringe Zahl an Bewerber und suboptimale Lösungen bei der Nachbesetzung: Früher von vielen als Traumjob angesehen, tut sich der öffentliche Dienst mittlerweile schwer, Stellen gut nachzubesetzen, und das im Strudel einer Pensionierungswelle, die bereit voll im Rollen ist. Warum ist das so? Und was tun, um den öffentlichen Dienst wieder attraktiver zu machen? Dieser Frage ist das Arbeitsförderungsinstitut AFI nachgegangen.

Früher attraktiv, heute Schwierigkeiten, Personal zu finden: der öffentliche Dienst. - Foto: © Shutterstock / shutterstock

Das AFI hat Personen im öffentlichen Dienst die Frage gestellt, welche Faktoren für ihre Berufswahl ausschlaggebend gewesen seien. Bei jenen aus der Privatwirtschaft wurde hingegen erörtert, was sie dazu bewegen könnte, in den öffentlichen Dienst zu treten bzw. warum sie diese Option kategorisch ausschließen. Weiter noch, welche Hebel in Bewegung gesetzt werden müssten, um die Attraktivität des öffentlichen Dienstes zu steigern. Bis maximal 3 Aspekte konnten die Interviewten pro Frage nennen.


Gruppe 1: Die „Insider“

Etwas mehr als ein Viertel der vom AFI interviewten Personen (28 Prozent) arbeiten bereits heute im öffentlichen Dienst. Was waren die Haupt-Beweggründe, um sich für eine Arbeit im öffentlichen Dienst zu entscheiden? Der größte Teil der Personen (35 Prozent) hat sich bewusst dafür entscheiden, etwa, weil es dieses Berufsbild nur im öffentlichen Dienst gibt (Lehrerin, Kindergärtnerin, Krankenpflegerin) bzw. weil der Ausbildungsweg, den man beschritten hat, auf den öffentlichen Dienst hinzielt.

Auf Platz 2 der Beweggründe steht die „fixe Arbeitsstelle“, sprich die Sicherheit, den Arbeitsplatz nicht zu verlieren (21 Prozent). Hoch im Kurs steht auch die flexible Handhabung der Arbeitszeit und die sogenannte „work life balance“.


Gruppe 2: Die „Wechselbereiten“

Knapp mehr als die Hälfte der Personen, die aktuell in der Privatwirtschaft arbeiten (entsprechend 37 Prozent der Interviewten), könnte sich vorstellen, in den öffentlichen Dienst zu wechseln, wenn die Rahmenbedingungen passen. Als Beweggründe, die für einen Wechsel ausschlaggebend sein könnten, werden genannt: die flexiblen Arbeitszeiten und die gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf (22 Prozent), eine sichere Entlohnung (20 Prozent) und die vertragliche Sicherheit (20 Prozent).


Gruppe 3: „Allergisch“ dem öffentlichen Dienst gegenüber

Knapp weniger als die Hälfte der Personen, die heute in der Privatwirtschaft arbeiten (entsprechend 35 Prozent der Interviewten), will hingegen vom öffentlichen Dienst nichts wissen. Als Hauptgrund für die fehlende Wechselbereitschaft in den öffentlichen Dienst wird angegeben, dass es sich um ein wenig stimulierendes Ambiente handle (26 Prozent). Die niedrige Entlohnung (10 Prozent), die belastende Bürokratie (8 Prozent), die begrenzten Karrieremöglichkeiten (8 Prozent) sowie die noch als zu rigide empfundenen Arbeitszeiten (7 Prozent) sind weitere Elemente die davon abhalten, in den Dienst des öffentlichen Arbeitgebers einzutreten.

Eine weitere Bemerkung: Ein nicht unwesentlicher Teil der Befragten (11 Prozent) sieht in den Zugangsvoraussetzungen, insbesondere in der Zweisprachigkeitsbescheinigung, ein wesentliches Hemmnis.


„Höhere Löhne, mehr Verantwortung, bessere Vereinbarkeit Beruf-Privatleben“

Allen Interviewten wurde die Frage gestellt, was den öffentlichen Dienst wieder attraktiv machen könnte. Die meisten Nennungen entfallen auf „höhere Löhne“ (23 Prozent) und eine „bessere Vereinbarkeit Beruf-Privatleben“ (15 Prozent).

Erstaunlich viele verorten den Erfolgsschlüssel in einer „anregenderen Arbeitstätigkeit mit mehr Verantwortung“ (12 Prozent).

stol

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