Was das heißt und was er Unternehmen rät, um sich für die Zukunft fit zu machen, verrät der Geschäftsführer des deutschen Zukunftsinstituts, der kürzlich auch beim hds Abend für die Wirtschaft zu Gast war, im Interview mit s+.<b><BR /><BR />Warum sind viele Menschen pessimistisch, wenn es um die Zukunft geht?</b><BR />Andreas Steinle: Es sind momentan so viele Menschen pessimistisch, weil sie verstärkt nur die negativen Schlagzeilen wahrnehmen. Die Medien sind auch voll damit, weil sie dadurch viel leichter Aufmerksamkeit generieren. Das liegt an unserer evolutionären Ausprägung, weil über Angst viel stärkere Emotionen bei uns Menschen ausgelöst werden. Das war früher ein wichtiger Überlebensinstinkt, um mit Angst Gefahren zu erkennen. Heutzutage sind wir sehr blind geworden für die positiven Entwicklungen, die trotzdem draußen stattfinden.<BR /><BR /><b>Warum sind wir blind geworden?</b><BR />Steinle: Es ist leichter, pessimistisch zu sein. Als Pessimist ist man in einer größeren Gemeinschaft und bekommt leichter Gehör, wenn man Angst und Panik verbreitet. Aber das Fatale am Pessimismus ist, dass er die Menschen nicht motiviert. Wenn wir der festen Überzeugung sind, es geht den Bach runter und es bringt nichts, was ich tue, dann werde ich nichts tun. Wir brauchen den Optimismus, um ins Handeln zu kommen. Als Pessimist werde ich nicht Teil der Lösung sein, sondern Teil des Problems. <BR /><BR /><b>Gibt es überhaupt einen Grund, pessimistisch zu sein?</b><BR />Steinle: Mit einer langfristigen Perspektive gibt es wenig Grund, pessimistisch zu sein.<BR /><BR /><b>Warum?</b><BR />Steinle: Weil wir langfristige Krisen wie die Klimakrise in den Griff bekommen werden. Die Internationale Energieagentur hat prognostiziert, dass wir den „peak fossil“, also den Höhepunkt der Nachfrage nach fossilen Ressourcen, schon vor 2030 haben werden, weil massiv regenerative Energien ausgebaut werden, hauptsächlich Solarenergie. Und viele Nationen, unter anderem Deutschland und Italien, haben eben auch dieses sogenannte „Decoupling“, also die Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und CO2-Verbrauch pro Kopf, schon geschafft.<BR /><BR /><b>Was würden Sie Unternehmern in Sachen Zukunftsdenken raten?</b><BR />Steinle: Ich würde ihnen empfehlen, den Blick auf die vielen Chancen zu lenken, die es momentan gibt. Es ergeben sich durch künstliche Intelligenz große Chancen, das Geschäft zu verbessern und die Prozesse effektiver zu machen. Gerade dem Handel würde ich auch raten, den Einkauf mehr zum Erlebnis zu machen, weil junge Leute ein größeres Bedürfnis nach sozialer Interaktion haben. Und ich würde raten, sich zu vernetzen und so aufmerksam und offen wie möglich zu sein.<BR /><BR /><embed id="dtext86-66366626_quote" /><BR /><BR /><b>Und dabei hilft das Konzept der produktiven Paranoia, wie Sie in Ihren Vorträgen sagen. Was genau heißt das?</b><BR />Steinle: Paranoia ist an sich eine krankhafte Wahnvorstellung, was nichts Positives ist. In diesem Zusammenhang meint produktive Paranoia aber ein gesundes Maß an Angst, eine Entwicklung zu verpassen, einen Trend nicht zu erkennen, eine Technologie zu verschlafen.<BR /><BR /><b>Und diese hilft?</b><BR />Steinle: Genau diese Paranoia hilft Ihnen dabei, sehr wachsam durchs Leben zu gehen und produktiv zu werden. Das heißt, eine viel größere Offenheit an den Tag zu legen, auch gegenüber anderen Perspektiven, sich zu vernetzen, sich in Ökosysteme zu begeben, in Netzwerke, wo man mit Menschen spricht. Wichtig dabei ist auch, Experimente zu machen. Beispiel TikTok: Wenn TikTok so eine mächtige Plattform ist, die von 2 Milliarden Menschen genutzt wird, dann sollte ich als Unternehmer schon die Angst haben, da was zu verpassen. Aber um sich nicht nur der Angst hinzugeben, sollte ich ein Experiment machen auf dieser Plattform.<BR /><BR /><b>Nach dem Motto „trial-and-error…“</b><BR />Steinle: Man sollte eine genügende Anzahl an Experimenten machen, damit auch welche klappen. Also nur ein Experiment im Jahr zu machen, ist zu wenig. Aber wenn ich 10 mache, 9 scheitern, aber eins funktioniert richtig gut, dann bin ich wieder vorangekommen.